10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Marie Darrieussecq  [ Frankreich ]

Biographie

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© Dolores Marat

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Schweinerei
Hanser
München, 1997
[Ü: Frank Heibert]

Gespenster sehen
Hanser
München, 1999
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel,
Frank Heibert]

Das Baby
Hanser
München, 2004
[Ü: Frank Heibert]

Zoo
P.O.L.
Paris, 2006

Le Musée de la mer
P.O.L.
Paris, 2009

Marie Darrieussecq wurde 1969 im französischen Bayonne geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft u. a. an der Ecole Normale Supérieure und der Sorbonne Nouvelle in Paris und erlangte 1997 die Doktorwürde in Französischer Literatur. Schon im Kindesalter begann sie zu schreiben, während ihrer Promotion veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Truismes« (1996, dt. »Schweinerei«, 1997), mit dem sie international Aufsehen bei Kritikern und Publikum erregte. Nach dem sensationellen Erfolg ihres Debüts gab Darrieussecq ihre Lehrtätigkeit an der Université Lille auf und widmet sich seither ganz dem Schreiben.

»Truismes« erzählt in einem inneren Monolog von der skurrilen Verwandlung der Protagonistin, einer jungen Frau, in eine Sau. Fast gleichmütig naiv berichtet sie von ersten körperlichen Veränderungen – es wachsen ihr Zitzen und ein Ringelschwänzchen –, die mit einer Abscheu vor Schinkenbroten einhergehen. Als die Metamorphose vollzogen ist, steht Paris politisch, gesellschaftlich und moralisch am Abgrund, die Protagonistin flieht schließlich in den Wald. In der Kritik erfuhr der Roman die unterschiedlichsten Deutungen von der politischen Parabel über die Gesellschaftssatire bis zum weiblichen Entwicklungsroman.

Darrieussecqs zweiter Roman »Naissance des fantômes« (1998, dt. »Gespenster sehen«, 1999) schildert in ungewöhnlichen Bildern die persönlichen Erfahrungen einer Frau, die sich auf die Suche nach ihrem spurlos verschwundenen Ehemann begibt. Der Verlust eines Familienmitglieds und die daraus resultierenden Emotionen stehen auch im Mittelpunkt des komplex konstruierten Romans »Bref séjour chez les vivants« (2001; Ü: Kurzer Aufenthalt bei den Lebenden), der in vier miteinander verwobenen Bewusstseinsströmen erzählt wird. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes erschien »Le bébé« (2002, dt. »Das Baby«, 2004), in dem sich Darrieussecq humorvoll mit der Mutterschaft auseinandersetzt. Ihr siebter und jüngster Roman »Tom est mort« (2007, Ü: Tom ist tot) handelt erneut von einem Verlust und lässt den Leser in die desolate Gefühlswelt einer Mutter eintauchen, die ihren Sohn verloren hat. Zuletzt veröffentlichte die Autorin mit »Le Musée de la mer« (2008; Ü: Das Museum des Meeres) zum ersten Mal ein Theaterstück, das im Frühjahr 2009 in Reykjavik uraufgeführt wurde. 2008 legte Darrieussecq zudem »Tristes Pontiques«, eine Neuübersetzung Ovids, vor.

Marie Darrieussecq gehört zu den bedeutendsten französischen Schriftstellern ihrer Generation und wurde für zahlreiche internationale Auszeichnungen nominiert. »Truismes« wurde in Frankreich als das erfolgreichste Debüt seit den 1950er Jahren gefeiert und ist weltweit in über 30 Ländern erschienen. Sie lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Paris.

Anja Franke

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