10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mansoura Ezz Eldin  [ Ägypten ]

Biographie

Mansoura Ezz Eldin Portrait
©:Samuel Shimon

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Daw’ muhtazz
Dar Mirit
Kairo, 2001

Maryam’s Maze
The American University
in Cairo Press
Kairo/New York, 2004
[Ü: Paul Starkey]

Unbuttoning the Violin
Mansoura Ezz Eldin,
Joumana Haddad, Ala Hlehel
und Abed Ismael
Banipal Books
London, 2006
[Ü: Paul Starkey]

Wara’ al-firdaus
Dar al-’Ayn li-n-Nashr
Kairo, 2009

Mansoura Ezz Eldin wurde 1976 in einem Dorf im Nildelta, Ägypten, geboren. Sie studierte Journalismus und Medienwissenschaften an der Universität Kairo. Währenddessen begann sie Kurzgeschichten zu schreiben, die in den wichtigsten arabischen Zeitschriften erschienen. Seit 1998 ist sie Redakteurin bei der Literaturzeitschrift »Akhbar al-adab«. Aus ihrem Erzählband »Daw’ muhtazz« (2001; Ü: Zitterndes Licht) wurden fünf Kurzgeschichten für die Anthologie »Unbuttoning the Violin« ins Englische übersetzt. Schon hier deutet sich der charakteristische Erzählstil von Ezz Eldin an, der zwischen Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart changiert und die vielfältigen Realitäten des Selbst aufzeichnet.

Mit ihrem ersten Roman »Matahat Maryam« (2004; Ü: Das Labyrinth von Maryam) erzielte sie bei Kritikern wie beim Publikum einen großen Erfolg. Er wurde ins Englische übersetzt und erscheint demnächst auf Indonesisch. Darin erzählt Ezz Eldin die geheimnisvolle Geschichte der jungen Maryam, die eines Tages nach einem Albtraum in einer ihr unbekannten Wohnung aufwacht. Auf der Suche nach ihrer Familie und ihren Freunden verstrickt sie sich in ein Labyrinth aus Traum und Wirklichkeit, Vernunft und Wahnsinn, das sie mit ihrer Vergangenheit und ihrer Identität konfrontiert. In einer präzisen, nuancierten Sprache beschreibt Ezz Eldin die Gefühle der Protagonistin, die den Eindruck hat, »sie treibe nur auf der Oberfläche der Welt, ohne in ihr zu leben, und dass die Welt selbst nur in ihrer Vorstellung existiere«. Diesem Weltverlust geht die Autorin einfühlsam nach und lotet die verborgenen Seiten der menschlichen Psyche aus. Sie erzählt auch die Geschichte der leisen Emanzipation einer Frau, die keinen Platz in der Gesellschaft findet. Dieser Roman, so lobt die ägyptische Dichterin Fatima Naoot, fordere, wie jedes anspruchsvolle Werk, einen »mitwirkenden Leser«, der den offenen Fragen nachgehe und die vielfältigen Zeichen für sich deute.

Ihr zweiter Roman »Wara’ al-firdaus« (2009; Ü: Hinter dem Paradies) erzählt von der Protagonistin Selma, die nach einer gescheiterten Ehe zu ihren Eltern zurückkehrt und dort ein Buch über ihre Familie schreibt, um ihre Vergangenheit zu verstehen und zu akzeptieren. Auch hier steht der Traum im Zentrum des künstlerischen Interesses, er verliert allerdings seinen albtraumhaften Charakter und rückt in die Nähe eines traditionell arabisch-islamischen Traumverständnisses.

Mansoura Ezz Eldin gehört zu einer Generation von jungen ägyptischen Schriftstellern, die sich nicht mehr für ein groß angelegtes Gesellschaftspanorama interessieren, sondern den Einzelnen und seine individuelle Wahrnehmung in den Vordergrund stellen. Sie lebt und arbeitet in Kairo.

© internationales literaturfestival berlin

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