10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Maïssa Bey  [ Algerien ]

Biographie

Maissa Bey Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Sous le jasmin la nuit
Eds de l’Aube
La Tour d’Aigues, 2004

Surtout ne te retourne pas
Eds de l’Aube
La Tour d’Aigues / Barzakh
Algier, 2005

Bleu Blanc Vert
Eds de l’Aube / Barzakh
2005

Pierre Sang Papier ou
Cendre
Eds de l’Aube / Barzakh
2008

L’une et l’autre
Eds de l’Aube / Barzakh
2009

Bewältigung des Tages
ApoDion Verlag
Schöngeist Heft 21
Berlin, 2009
[Ü: Christine Belakhdar]

Maïssa Bey, mit bürgerlichem Namen Samia Benameur, wurde 1950 in der Nähe von Algier geboren. Sie studierte Romanistik und arbeitete als Pädagogin. Im Zuge der blutigen Auseinandersetzungen, die ihr Land während des sogenannten schwarzen Jahrzehnts (1992−2002) erschütterten, brach sie ihr Schweigen und begann unter dem Namen ihrer Großmutter zu schreiben. Maïssa Bey, die sich selbst als »Araberin von Geburt, Kultur und Sprache. Und Muslimin. Tief geprägt von der muslimischen Kultur und Tradition«, bezeichnet, wählt die Literatur, um mehr zu sein als eine stumme, passive Zeugin im Angesicht einer Zeitgeschichte, deren Gewaltsamkeit all ihre Sinne herausfordert.

Ihr erster Roman, »Au commencement était la mer«, der die tragische Geschichte einer jungen Algerierin erzählt, die für schuldig befunden wird, in einer von fundamentalistischer Gewalt zersetzten Gesellschaft ihre Träume leben zu wollen, stieß in Frankreich auf positive Kritik. Im Mittelpunkt ihrer Novellensammlung, »Sous le jasmin la nuit«, stehen an den Rand der Gesellschaft gedrängte und bedrängte Frauen. Sie zeigt mit dem Finger auf die Widersprüche der muslimischen, männlich dominierten Gesellschaft, geht auf die »non dits« ein, rückt den gedachten, aber nicht geäußerten Worten zu Leibe.

Beleuchtet die Autorin in ihrem Roman »Bleu, blanc, vert« den Konflikt der algerischen Nachkriegsgeneration zwischen Tradition und Moderne, so stellt sie in ihrem für die Bühne adaptierten Roman »Entendez-vous dans les montagnes« die Frage nach Schuld und Verantwortung. Angesichts der in Algerien und in Frankreich nach wie vor nicht vollständig aufgearbeiteten Geschichte und der Verweigerungshaltung Algeriens gegenüber seinem kulturellen, sprachlichen und historischen Reichtum, behandelt Maïssa Bey in »Pierre Sang Papier ou cendre« in 25 Bildern 132 Jahre algerischer Geschichte, in der sich »Madame Lafrance« auf »ihrer« Erde niederlässt, um ihre Kultur bei den Barbaren zu verbreiten, hinter sich eine durch Napalm verbrannte Erde zurücklassend. Der Titel ist dem 1942 von Paul Eluard während der Naziherrschaft in Frankreich geschriebenen Gedicht »Freiheit« entnommen.

Maïssa Bey erhielt zahlreiche Preise in Frankreich und Algerien sowie den LiBeraturpreis für ihren Roman »Surtout ne te retourne pas«. In deutscher Übersetzung liegt bislang nur die Erzählung »Bewältigung des Tages« vor.

Derzeit arbeitet die Autorin an einem Roman, der die jüngste Geschichte Algeriens behandelt. Maïssa Bey lebt und arbeitet in Sidi Bel Abbes, Algerien.

© internationales literaturfestival berlin

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