10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mahi Binebine  [ Marokko ]

Biographie

Portrait Binebine
© Laurent Moulager

Gast des ilb 2009, 2016.

Bibliographie

Mamayas letzte Reise

Droemer Knaur

München, 1997

[Ü: Eliane Hagedorn]

Kannibalen

Haymon

Innsbruck, 2003

[Ü: Patricia A. Hladschik]

Terre d’ombre brûlée

Fayard

Paris, 2003

Les Étoiles de Sidi Moumen

Flammarion

Paris, 2009

Le Seigneur vous le rendra

Fayard

Paris, 2013

Mahi Binebine wurde 1959 in Marrakesch geboren. Ab 1980 studierte er in Paris Mathematik und unterrichtete dort anschließend mehrere Jahre. Von 1994 bis 1999 lebte er in New York. Nach einem neuerlichen Aufenthalt in Paris kehrte er 2002 in seine Geburtsstadt zurück.

Seine schriftstellerische Karriere begann 1992 mit der Publikation seines Romans »Le sommeil de l’esclave« (1992; dt. »Der Schlaf der Sklavin«, 1994). Er setzt in seinen Werken häufig marginalisierte Figuren in ausweglosen Situationen in Szene. Oftmals beginnen die Texte mit der Präsentation solcher Figuren an einem bereits prekären Punkt ihres Lebens; im weiteren Verlauf wird die Geschichte der Protagonisten aufgerollt, u.~a. durch Binnenerzählungen oder Rückblenden. So erzählt beispielsweise »Pollens« (2001; Ü: Pollen) von einem Franzosen mit kabylischen Wurzeln, Pierrot, der das Glück in Marokko sucht und allmählich im Drogenrausch in den Wahnsinn abgleitet. In »Cannibales« (1999; dt. »Kannibalen«, 2003) geht es um die tragischen Schicksale und besonders um die Motive zur Emigration von illegalen Flüchtlingen, die heimlich in kleinen Booten die Meerenge von Gibraltar überqueren wollen. »Terre d’ombre brûlée« (2004; Ü: Verbrannte Umbraerde) handelt, inspiriert vom Schicksal des Malers Gharbaoui, von einem marokkanischen Maler, der auf einer Parkbank in Paris erfriert, nachdem seine Karriere gescheitert ist. Verlusterfahrungen finden sich auch in »Les funérailles du lait« (1994; dt. »Mamayas letzte Reise«, 1997), einem Roman über seine Mutter, in dem auch das Schicksal seines Bruders Aziz Binebine angedeutet wird. Dieser nahm als junger Offizier ungewollt am gescheiterten Putschversuch von Skhirat 1971 teil und war jahrelang im berüchtigtsten Gefängnis Marokkos, Tazmamart, inhaftiert. »Les Étoiles de Sidi Moumen« (2009; Ü: »Die Sterne von Sidi Moumen«) wurde 2010 mit dem Prix littéraire de la Mamounia ausgezeichnet. In dem Roman erzählt die Hauptfigur Yashin von seinem ärmlichen Leben in Sidi Moumen am Rande Casablancas. »Le Seigneur vous le rendra« (2013; Ü: Der Herr wird euch belohnen), Binebines bislang letzte Buchveröffentlichung, ist ein düsterer Thriller über die Entwicklung eines Kindes, das fern von jeder familiären Sicherheit aufwächst.

Mahi Binebines handlungs- und geschichtenreiche Werke sind zumeist einem realistischen literarästhetischen Paradigma verpflichtet und in einem klaren, konzisen Stil verfasst. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche, und mit dem Prix Méditerranée und dem Prix de l’Amitié Franco-Arabe ausgezeichnet. Binebine ist nicht nur als Autor tätig, sondern auch als erfolgreicher und anerkannter Maler. Einige seiner Werke sind Teil der Sammlung des Guggenheim Museums in New York. Er lebt in Marrakesch.

[http://www.mahibinebine.com/]

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