10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2009 / Chalid al-Chamissi

Chalid al-Chamissi  [ Ägypten ]

Biographie

Chalid al-Chamissi Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009, 2013.

Bibliographie

Im Taxi. Unterwegs in Kairo

Lenos

Basel, 2011

[Ü: Kristina Bergmann]

Arche Noah

Lenos

Basel, 2013

[Ü: Leila Chammaa]

www.khaledalkhamissi.com

Chalid al-Chamissi wurde 1962 in Kairo, Ägypten, geboren. Er studierte Politikwissenschaften in Kairo und in Paris, arbeitete für zahlreiche ägyptische Zeitungen und profilierte sich besonders als kritischer Beobachter gesellschaftlicher Verhältnisse. Er schreibt für die Zeitung »Al-Shorouk« und veröffentlichte von Februar bis Oktober 2011 eine Kolumne in der »Süddeutschen Zeitung«. Darüber hinaus ist er als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor für Spiel- und Dokumentarfilme tätig. Außerdem gründete er den Verlag Nusus sowie die Kultur- und Medienförderung Nile.

Sein Debütroman »Taksi … hawadith al-mashawir« (2007; dt.: »Im Taxi: Unterwegs in Kairo«, 2011) avancierte in Ägypten sowie in der arabischen Welt schnell zum Bestseller. Er wurde ins Deutsche, Englische, Italienische, Französische, Griechische, Spanische und Polnische übersetzt. In Kürze erscheint der Roman auch auf Chinesisch. In knapp sechzig Episoden lässt al-Chamissi als aufmerksamer und mitunter investigativer Zuhörer Taxifahrer aus Kairo zu Wort kommen, die überall in der Hauptstadt präsent sind und wie kaum eine andere Berufsgruppe das ganze Spektrum der ägyptischen Gesellschaft kennen. Sie berichten mal voller Esprit, mal derb, aber immer in ungekünsteltem ägyptischem Dialekt von ihren Ansichten, Sorgen und Hoffnungen. Sie legen ein authentisches Zeugnis von der Stimmung der »ägyptischen Straße« ab, die von der repressiven Politik der Regierung zutiefst enttäuscht ist und sich ihr gegenüber ohnmächtig fühlt. Dabei beweisen die politischen Einsichten der Taxifahrer, so al-Chamissi im Vorwort, oft mehr Tiefblick als die vieler bekannter Politanalysten. Die Dialoge setzen dort ein, wo das Taxi von einem Fortbewegungsmittel zu einem zensurfreien Kommunikationsraum wird – beeinträchtigt nur durch die gelegentliche explizite Selbstzensur des Autors, der bedauert, aus Furcht vor Repressalien die besten Witze oder gewisse Namen nicht wiedergeben zu können. Die spannungsgeladenen »Kürzestgeschichten«, die sowohl für sich stehen können als auch zusammen ein großes Mosaik der ägyptischen Gesellschaft bilden, stellen eine Hommage an die oft verschmähte »Kultur der Straße« dar, indem sie Witz, Weisheit und Poesie der Taxifahrer dokumentieren. Sie wurden im Nachhinein als eine Prophezeiung der jüngsten politischen Aufstände in Ägypten gesehen. Al-Chamissis zweiter Roman, »Safinat Nuh« (2009; dt.: »Arche Noah. Roman aus Ägypten«, 2013), lässt Ägypter zu Wort kommen, die das Land verlassen, um im Ausland ihr Glück zu suchen. Die Arche Noah als Fluchtvehikel aus der Katastrophe ist das Leitmotiv des Romans. In »Taxi« »sprechen nur die armen Leute«, in »Arche Noah« dagegen, sagt al-Chamissi, »sprechen Menschen aus allen sozialen Klassen, vereint bei ihrer Sehnsucht, das Land verlassen zu können«. Wieder zeigt sich al-Chamissi als unbestechlicher Zeitzeuge und provokanter Literat.

Chalid al-Chamissi lebt und arbeitet in Kairo.

abgelegt unter: ,