10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Judith Hermann  [ Deutschland ]

Biographie

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© Andreas Labes

Gast des ilb 2005, 2009, 2014.

Bibliographie

Sommerhaus, später
Fischer
Frankfurt/Main, 2000

Nichts als Gespenster
Fischer
Frankfurt/Main, 2003

Alice
Fischer
Frankfurt/Main, 2009

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Hier studierte sie Germanistik, arbeitete als Kellnerin und Schauspielerin. Nach dem Besuch einer Journalistenschule absolvierte sie in New York bei den deutschsprachigen Zeitungen »New Yorker Staatszeitung« und »Aufbau« ein Praktikum. 1997 erhielt sie von der Akademie der Künste ein Arbeitsstipendium. Im Alfred-Döblin-Haus in Wewelsfleth schrieb sie innerhalb von wenigen Monaten die neun Erzählungen, die 1998 in dem Band »Sommerhaus, später« veröffentlicht wurden. Kritik und Publikum reagierten gleichermaßen begeistert und bestätigten die von Marcel Reich-Ranicki im »Literarischen Quartett« verkündete Einschätzung: »Wir haben eine neue Autorin bekommen, eine hervorragende Autorin. Ihr Erfolg wird groß sein.« Hermanns Erzählungen stehen in der Tradition von Anton Tschechow sowie Raymond Carver und geben dabei dem Lebensgefühl der heute etwa Vierzigjährigen einen unverwechselbaren Ausdruck. Stimmungsreich, detailliert und doch lakonisch schildert die Autorin Alltagsszenen, die sich beiläufig zu einer Handlung entwickeln. Wie in der Titelgeschichte des Erzählbandes geht es oft um vage Liebesbeziehungen, die aus Unverbindlichkeit und Unentschlossenheit keine Erfüllung finden. Romantisches Ungenügen wird mit einprägsamen Bildern und Sätzen kombiniert, ohne dass sich die untergründige Spannung je in Pathos entladen würde. »Judith Hermanns Sprache«, so Michael Naumann, »ist sparsam, voller Pausen, verschwiegen fast – so, wie ihre Protagonisten es meistens vorziehen, sprachlos zu handeln. Bisweilen verkörpern sie schattenhafte Erinnerungen an längst vergessene Leidenschaften, ein andermal tatenlose auf ein zukünftiges Glück, das niemals kommen wird.«
2003 legte sie ihren zweiten Erzählband, »Nichts als Gespenster«, vor. Seitdem ist sie eine der wenigen Künstlerpersönlichkeiten, die sich auch nach dem Ende des Trends um junge deutsche Literatur und sogenannte »Fräuleinwunder« ihr Ansehen bei Kritik und Lesern bewahrt haben. Ihr »unverwechselbarer, traumwandlerischer, schwebender, süchtig machender« Duktus – wie in Rezensionen geurteilt wurde – blieb auch in diesen sieben neuen Geschichten erhalten. Sie variieren den einmal angeschlagenen Ton vor dem Hintergrund internationaler Schauplätze: In Karlsbad etwa wird eine alte Liebesbeziehung sanft zu Grabe getragen, in Amerika findet ein Paar eher zufällig wieder zueinander, in Venedig merkt eine junge Frau bei der Begegnung mit ihren Eltern, dass sie inzwischen wohl doch erwachsen geworden ist. 2007 kam die erfolgreiche und preisgekrönte Verfilmung des Bestsellers in die Kinos.
Zwei Jahre später legte die Autorin in »Alice« fünf »atmosphärisch ebenso bezwingende wie stilistisch meisterhafte Geschichten vom Sterben und von der Erfahrung des Verlustes« vor – wie die Jury des Friedrich-Hölderlin-Preises urteilte. Zu Hermanns weiteren Preisen gehören der Literaturförderpreis der Stadt Bremen, der Hugo-Ball-Förderpreis und der renommierte Kleist-Preis.
Judith Hermann ist Mutter eines Sohnes und lebt in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

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