10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Joy Harjo  [ USA ]

Biographie

Joy Harjo Portrait
© Paul Abdoo

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

How We Became Human
Norton
New York, 2002

She Had Some Horses
Thunder’s Mouth Press
New York, 1983

For a Girl Becoming
University of Arizona Press
Tucson, 2009

Die Autorin und Musikerin Joy Harjo wurde 1951 in Tulsa, Oklahoma, geboren und gehört dem Muskogee-Volk an. Sie besuchte die Indian School am Institute of American Indian Art in Santa Fe und studierte Kunst und Theater an der New Mexico University. Von 1979 bis 1995 unterrichtete sie u. a. am Institute of American Indian Art, an der University of Arizona, der University of New Mexico und der University of California in Los Angeles. Harjo ist Gründungsmitglied der Native Arts & Cultures Foundation. Sie schreibt die Kolumne »Comings and Goings« für die »Muscogee Nation News«.

Bereits während ihres Studiums begann Harjo Gedichte zu schreiben, die von indianischer Musik und Philosophie, aber auch von der Native-Rights-Bewegung beeinflusst waren. Sie brauche die »heilige Sprache« der Poesie, um ihre aufgewühlte innere Landschaft zu artikulieren. »Poesie half mir, zu überleben«, sagt die Autorin. Mit »The Last Song« (Ü: Das letzte Lied) veröffentlichte sie 1975 den ersten ihrer sieben Gedichtbände. Zuletzt erschien die Sammlung »How We Became Human« (2002; Ü: Wie wir menschlich wurden), die neue und ausgewählte Texte aller vorherigen Bände vereint.

Die emotional dichte Lyrik Harjos wurzelt in einer tiefen, spirituell verankerten Naturverbundenheit und erforscht die komplexe Identität der Native Americans. Dabei werden Wirklichkeit und Mythen hier kontrastiert, dort fließend miteinander verwoben. Wiederkehrende Motive in Harjos sprachlich präziser und bildreicher Dichtung sind Erinnerungen, Reisen, Grenzüberschreitungen, Orientierung und Überleben. Auch Weiblichkeit, die Mutterrolle und Familie werden vom – meist weiblichen – lyrischen Ich thematisiert. Insbesondere »She Had Some Horses« (1983; Ü: Sie hatte einige Pferde) setzt sich intensiv mit dem Frausein auseinander und erzählt von Verzweiflung, Unterdrückung und Gefangensein, aber auch von Erwachen, Stärke und Liebe.

Harjos Gedichte und Prosatexte stehen in der Tradition der mündlichen Überlieferung ihres Volkes, der Lieder und des Geschichtenerzählens. Sie entfalten durch ihren eindringlichen Rhythmus eine wirklichkeitsnahe, unmittelbare Ausdruckskraft. Die Dichterin erweiterte ihr künstlerisches Schaffen in den 1980er Jahren um eine musikalische Komponente: Sie begann ihre Texte solo und mit Bands musikalisch umzusetzen und brachte drei preisgekrönte CDs heraus. International tritt sie solo und in der Formation »Joy Harjo and the Arrow Dynamics Band« auf, in der sie nicht nur singt, sondern auch Saxofon und Flöte spielt. Im Oktober 2009 erscheint ihr neues Werk »For a Girl Becoming« (Ü: Für ein Mädchen im Werden), ein Buch für Kinder und junge Erwachsene.

Joy Harjo wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u. a. mit dem New Mexico Governor’s Award for Excellence in the Arts, dem Lifetime Achievement Award des Native Writers’ Circle of the Americas und dem Lila Wallace Readers Digest Writers Award. Sie lebt in Honolulu, Hawaii und Albuquerque, New Mexico.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.joyharjo.com]

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