10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Erasmus Schöfer  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Erasmus Schöfer
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Die Bürger von Weiler
Verlag der Autoren
Frankfurt/Main, 1978

Tod in Athen
Weltkreis
Dortmund, 1986

Ein Frühling irrer Hoffnung
Dittrich
Berlin, 2001

Zwielicht
Dittrich
Berlin, 2004

Sonnenflucht
Dittrich
Berlin, 2005

Winterdämmerung
Dittrich
Berlin, 2009

Erasmus Schöfer wurde 1931 in Altlandsberg geboren und wuchs in Berlin auf. Unterbrochen von drei Jahren als Fabrikarbeiter in Berlin und Köln, studierte er Germanistik, Sprachwissenschaft und Philosophie und promovierte 1960 über »Die Sprache Heideggers« in Bonn. Er arbeitete zunächst wissenschaftlich, wandte sich aber bereits 1962 dem literarischen Schreiben zu und lebte als freier Schriftsteller in Köln, Freiburg, München, Neuss, Paris und auf Patmos und Ithaka. Schöfer war die Kritik an sozialen und politischen Missständen immer ein Anliegen, daher erinnert sein Werk an sozialkritische Autoren wie Upton Sinclair oder Brecht.

1970 begründete er den »Werkkreis Literatur der Arbeitswelt« mit, war mehrere Jahre dessen Vorsitzender und gab verschiedene Bände der gleichnamigen Taschenbuchreihe im Fischer Verlag heraus. Auch die Bühne zog ihn an: Er verfasste Dramen wie »Die Bürger von Weiler« (1978) und rief das Industrietheater »Der Wahre Anton« mit ins Leben. Außerdem schrieb er Hörspiele und Drehbücher für deutsche und ausländische Sender. In den 1980ern veröffentlichte er mit »Tod in Athen« (1986) seinen ersten Roman.

Schöfers Werke zeichnen sich durch die Authentizität der erzählten Ereignisse und die Verwendung unterschiedlicher, innovativer sprachlicher Mittel aus, die seinen Büchern eine ganz eigene Ästhetik verleihen und die er bis hin zu seinem Hauptwerk, der Tetralogie »Die Kinder des Sisyfos«, perfektionierte. In den Einzelbänden »Ein Frühling irrer Hoffnung« (2001), »Zwielicht« (2004), »Sonnenflucht« (2005) und »Winterdämmerung« (2008), die an Vorbilder wie Uwe Johnson und Peter Weiss denken lassen, entwirft Schöfer ein facettenreiches Bild der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Westdeutschlands zwischen 1968 und 1989 im Zusammenhang mit internationalen Vorgängen. So erzählt er vom Aufbruch der 68er, von Bürgerbewegungen gegen gigantomanische Technikprojekte, von Berufsverboten, Arbeiterstreiks und der Liebe im Zeitalter der Pille. Im Vordergrund stehen die eng verwobenen Lebensgeschichten eines verhinderten Geschichtslehrers und seiner Frau, eines engagierten Arbeiters und eines Journalisten. Die parallel angelegten Ich-Erzählerstränge werden montageartig ergänzt durch Protokolle, Tagebucheinträge, Briefe u.a. und verknüpft mit einer Vielzahl von Ereignissen jener Jahrzehnte und Begegnungen der Romanfiguren mit historischen Persönlichkeiten. So gelingt es Schöfer, ein überaus »realistisches und authentisches Bild dieser deutschen Jahr zehnte« (FAZ) zu zeichnen. Ilija Trojanow bezeichnete Schöfer jüngst als einen »wunderbaren Autor«.

Erasmus Schöfer wurde mit verschiedenen literarischen Ehrungen ausgezeichnet, u. a. mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD, Stipendien des Deutschen Literaturfonds und zuletzt mit dem Gustav-Regler-Preis. Er lebt in Köln.

© internationales literaturfestival berlin

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