10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Edward St Aubyn  [ Großbritannien ]

Biographie

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© Ellen Warner

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Schöne Verhältnisse
Dumont
Köln, 2007
[Ü: Ingo Herzke]

Schlechte Neuigkeiten
Dumont
Köln, 2007
[Ü: Frank Wegner]

Nette Aussichten
Dumont
Köln, 2008
[Ü: Dirk van Gunsteren]

Muttermilch
Dumont
Köln, 2009
[Ü: Dirk van Gunsteren]

Edward St Aubyn wurde 1960 in Cornwall geboren. Aus einer Familie des englischen Hochadels stammend, wuchs er in England und Südfrankreich auf. Nach dem Besuch der privaten Westminster School studierte er an der University of Oxford Anglistik. 1992 veröffentlichte er die ersten beiden Bände seiner Trilogie um sein literarisches Alter Ego Patrick Melrose. Das schonungslose Porträt der eigenen Gesellschaftsschicht und der offen autobiografische Hintergrund lösten einen gesellschaftlichen Wirbel aus, hinter dem die literarische Qualität der Werke eine Weile unbeachtet blieb. Erst nach der Nominierung seines sechsten Romans für den Booker Prize und der Verleihung des Prix Fémina Etranger kamen zu den französischen Übersetzungen auch deutsche, italienische und spanische hinzu. St Aubyn wird in die Tradition der großen angelsächsischen Stilisten und Gesellschaftsporträtisten gestellt. Charakteristisch für seine Schilderungen ist die Kontrastierung von Oberflächlichkeit und Abgründigkeit, von sprachlicher Eleganz und sprachlosem Schmerz. „Never Mind“ (1992; dt. „Schöne Verhältnisse“, 2007) führt die Familie Melrose ein. Während die überforderte, alkoholsüchtige und von ihrem Mann gedemütigte Mutter ein befreundetes Paar vom Flughafen abholt, vergewaltigt der Vater den Sohn. Das anschließende Abendessen zeigt einen Sumpf von Verachtung, Heuchelei und Kälte, dessen sich die Mitglieder der höheren Gesellschaft durchaus bewusst sind, ohne sich daraus befreien zu können. Der Nachfolgeroman „Bad News“ (1992; dt. „Schlechte Neuigkeiten“, 2007) zeigt den Protagonisten als drogenabhängigen jungen Mann. Seine Reise nach New York, wo er die Asche seines Vaters abholen will, gerät ihm nicht zum Schlussstrich unter seine Vergangenheit, sondern führt ihn auf einen höllischen Drogentrip. Der letzte Band der Trilogie, „Some Hope“ (1994; dt. „Nette Aussichten“, 2008) schildert maliziös die Konversationskunst einer Gartenparty der High Society und zeigt dabei die Erbärmlichkeit der mehr oder weniger illustren und hochgeborenen Partygäste hinter deren angestrengter, intelligenter Wortgewandtheit. Im Gegensatz dazu steht ein Gespräch, in dem sich der Protagonist einem Freund anvertraut und zum ersten Mal von dem erlebten Missbrauch erzählt. Nach zwei weiteren Romanen, die den Erlösungs- und Selbstfindungsdiskurs von New-Age-Communities gegen die tatsächliche Suche nach Erlösung und Selbstfindung stellen, verfasste St Aubyn zuletzt den preisgekrönten Roman „Mother’s Milk“ (2006; dt. „Muttermilch“, 2009). Er widmet sich erneut dem Protagonisten der Trilogie und zeigt ihn als Familienvater. Doch Patrick Melrose ist im mer noch nicht bei sich angekommen, sondern auf der Flucht in eine Affäre sowie in Alkohohl und Pillen, während seine Frau die eigene Vernachlässigung als Kind an dem Neugeborenen überkompensiert und seine Mutter von einem Esoterik-Scharlatan dazu gebracht wird, ihm die Familienvilla zu überschreiben.

Edward St Aubyn lebt im Londoner Stadtteil Notting Hill.

©~internationales literaturfestival berlin

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