10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Dorota Maslowska  [ Polen ]

Biographie

Dorota Maslowska Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2009, 2014.

Bibliographie

Schneeweiß und RussenrotKiepenheuer & WitschKöln, 2004[Ü: Olaf Kühl]Die ReiherköniginKiepenheuer & WitschKöln, 2007[Ü: Olaf Kühl]

Kochanie, zabiłam nasze kotyNoir sur BlancWarschau, 2012

Dorota Masłowska wurde 1983 im polnischen Wejherowo geboren. Während der Vorbereitungen auf das Abitur verfasste sie innerhalb eines Monats ihren ersten Roman, »Wojna polsko-ruska pod flag bialoczerwon « (2002; dt. »Schneeweiß und Russenrot«, 2004), der zu einem Bestseller avancierte und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde. Feierte das Feuilleton den Erstling einerseits für den Bruch mit der formelhaften Behaglichkeit des Coming-of-Age-Genres, stieß die harsche Erzählstimme bei anderen Kritikern auf vehemente Ablehnung. Mit großsprecherischer Bildhaftigkeit füllt Masłowska die existenzielle Leere ihrer im Grunde sensiblen Hauptfigur, des halbstarken Antihelden Andrzej, dessen aufgesetzter Machismo bis ins grotesk Komische übersteigert wird. Nach der Trennung von seiner Freundin driftet er durch triste, namenlose Kleinstädte. Halluzinogene Drogen potenzieren nicht nur die zwischenmenschlich ausagierte Aggression, sondern befeuern auch den nationalistischen Hass, der sich in einem polnisch-russischen Krieg zu entladen droht. In jener apokalyptischen Endzeitstimmung löst Masłowska letztlich ihr eklektisches Romankonstrukt metafiktional auf, als sie eine Figur einführt, die ihren Namen trägt. Eben durch jene Selbstbespiegelung bewies sie auch ihren Kritikern, dass sie mit postmodernen Spielarten bereits bestens vertraut war.Nach ihrem Schulabschluss studierte Masłowska Psychologie und Kulturwissenschaften in Lublin, Danzig und Warschau. Ihr zweiter Roman »Paw Królowej« (2005; dt. »Die Reiherkönigin«, 2007) trägt die Gattungsbezeichnung »ein Rap« und liest sich als verfremdeter, synkopierter Abgesang auf die Bürden des frühen Erfolgs sowie den von egozentrischen Nutznießern bevölkerten Kulturbetrieb. Abermals dekonstruiert die Autorin mit Verve und Ironie geläufige Identitätsauffassungen und lässt ein Alter Ego auftreten, das den Verlauf der Handlung entscheidend mitbestimmt. Sowohl ihr erstes als auch ihr zweites Buch wurden für die Bühne adaptiert und in Danzig, Stettin, Warschau, Krakau und Łódź aufgeführt. Das Theaterstück »Dwoje biednych Rumunów mówicych po polsku« (dt. »Zwei arme polnisch sprechende Rumänen«, 2008) wurde u.~a. in Toulouse, Chicago, Sydney, Wien, London und Berlin inszeniert. Ihren jüngsten Roman »Kochanie, zabiłam nasze koty« (2012; Ü: Liebling, ich habe unsere Katzen umgebracht) siedelte Masłowska in einem aus Trugbildern zusammengesetzten New York an und kreierte ein hintergründiges Pastiche aus Pressejargon, klassischer Hochliteratur und einer bewusst abwegigen automatischen Übersetzung aus dem Englischen.Zu ihren Auszeichnungen zählen der Polityka-Preis (2002), der Deutsche Jugendliteraturpreis (2005) sowie der renommierte polnische Nike-Literaturpreis (2006). Masłowska lebt in Warschau.

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