10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Christine Montalbetti  [ Frankreich ]

Biographie

Christine Montalbetti Portrait
© John Foley

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Sa fable achevée,

Simon sort dans la bruine
P.O.L.
Paris, 2001

L’Origine de l’homme
P.O.L.
Paris, 2002

Western
P.O.L.
Paris, 2005

Petits déjeuners avec
quelques écrivains célèbres
P.O.L.
Paris, 2008

In ihrem ersten Roman »Sa fable achevée, Simon sort dans la bruine« (2001; Ü: Nachdem er seine Geschichte beendet hat, geht Simon in den Nieselregen hinaus) tritt der eher untätige Protagonist völlig hinter den mäandernden Erzählstrom zurück, dessen intelligente Eleganz die Zustimmung der Kritik hervorrief. »L’Origine de l’homme« (2002; Ü: Der Ursprung des Menschen) ist ein ironisches Spiel mit dem realistischen Roman und der Biografie von Jacques Boucher de Perthes. Als Amateur-Paläontologe revolutionierte er im 19. Jahrhundert die Wissenschaft vom Urmenschen. In Montalbettis Roman findet er die richtige Form für seine Lebensgeschichte – er ist Held und Hauptfigur zugleich.

»Western« (2005) stellt das gleichnamige Genre mit seinen Konventionen in den Mittelpunkt. Der typische Westernfilm wird durch Montalbettis Erzählen in modifizierter Weise abgespielt: Momentaufnahmen, Zooms und Perspektivwechsel unter brechen das Geschehen, das gleichwohl unbeirrt auf den Showdown eines Duells hinausläuft. Die erzählerische Stimme verdrängt jeden Dialog der Figuren und bewegt sich mit Kommentaren und Reflexionen durch die Szenerie der Gemeinplätze wie durch einen Theaterfundus, wobei sie in der direkten Ansprache an das Publikum immer wieder die eigene Fiktionalität durchbricht. Ein ähnliches Spiel mit den Erwartungen des Lesers treibt »Petits déjeuners avec quelques écrivains célèbres« (2008; Ü: Frühstücke mit einigen berühmten Schriftstellern). Titel und Inhaltsverzeichnis lassen Porträts von Autoren wie Jean-Philippe Toussaint, Tanguy Viel und Haruki Murakami erwarten. Doch Vorgeschichten und Nebenhandlungen, Kommentare, Gedanken, Erinnerungen und Gefühle der erzählenden Stimme überwuchern die Schilderungen der Begegnungen – Begegnungen, deren Wirklichkeit zweifelhaft bleibt: »Christine Montalbetti, sagt er ein drittes und letztes Mal mit einer Stimme, die mir plötzlich sanfter erschien, etwas mehr von jener Bestimmtheit gefärbt, von der er in den vorhergehenden beiden Absätzen Zeugnis abgelegt hatte, Sie wissen genau, dass wir niemals – niemals – zusammen gefrühstückt haben. Dafür hätten wir uns treffen müssen. // Was, meinen Sie, soll ich darauf antworten?«

© internationales literaturfestival berlin

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