10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Amir Hassan Cheheltan  [ Iran ]

Biographie

Amir Hassan Cheheltan
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009, 2011, 2012, 2015.

Bibliographie

Teheran. Revolutionsstraße
Kirchheim
München, 2009
[Ü: Susanne Baghestani]

Hunde töten in Teheran
Kirchheim
München, 2010
[Ü: Susanne Baghestani]

Amerikaner töten in Teheran
C. H. Beck
München, 2011
[Ü: Susanne Baghestani]

Amir Hassan Cheheltan wurde 1956 in Teheran geboren. Bereits während seines Studiums der Elektrotechnik an der dortigen Universität machte er sich mit seinem zweiten Erzählband einen Namen als Schriftsteller. Wenige Monate später, nach der Islamischen Revolution, ging er zum Abschluss seines Studiums nach Großbritannien. Während des Iran-Irak-Kriegs, in den er nach seiner Rückkehr einberufen worden war, verfasste er seinen ersten Roman, »Rouse-ye Qāsem« (dt. »Die Klage um Qassem«, 1983/2002). Das Buch durfte erst 19 Jahre später erscheinen. Ein Stipendium des internationalen Schriftstellerparlaments ermöglichte ihm 1999 die Flucht vor einer Welle der Gewalt gegen Intellektuelle im Iran.
Cheheltan veröffentlichte bislang neben einem Drehbuch zahlreiche Romane und Erzählbände, die in beständiger Auseinandersetzung mit den Zensurbehörden verschiedene Verbote und Neuerscheinungen erlebten. In seinen Werken thematisiert er das alltägliche Leben und Überleben im Iran vor dem Hintergrund der wechselhaften Landesgeschichte und dem Zusammenspiel von Religion, Staat und Moderne. Der Roman »Tehran, schahr-e bi-āsemān« (2001, Ü: Teheran, Stadt ohne Himmel) erzählt die Geschichte vom Aufstieg des brutalen Handlangers eines Bordellbesitzers zum Kaufmann, der die Islamische Revolution unterstützt und am Schwarzhandel verdient. Protagonist in »Sepidedame irāni« (2005, Ü: Iranische Morgenröte) ist ein iranischer Kommunist, der in die Sowjetunion emigriert. Gegen den Willen des Autors (der gegen die Zensur seiner Werke protestierte) wurde dieser Roman für den Staatlichen Buchpreis nominiert. Cheheltans berühmter Roman, »Achlāgh-e mardom-e chiābān-e enghelāb« (dt. »Teheran. Revolutionsstraße«, 2009) ist sein erstes in deutscher Sprache erschienenes Werk. Protagonist ist ein zwielichtiger Hymenoplastiker. Der Riss zwischen Tradition und Moderne, der den Iran durchzieht, geht auch durch seine Klinik, in der mit chirurgischen Mitteln die Spuren vorehelichen Geschlechtsverkehrs beseitigt werden, um einem überkommenen Ehrbegriff Genüge zu leisten. In seinem bislang letzten Roman »Amerikaner töten in Teheran« (2011) zeichnet er ein Porträt der Stadt Teheran. Die Verwerfungen der iranischen Gesellschaft in ihrem spannungsgeladenen Verhältnis zum Westen thematisiert Cheheltan auch in Artikeln, die seit 2004 in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« erscheinen: humorvoll-ironische bis bittere Schilderungen wie auch kenntnisreiche Analysen, die weder mit Kritik am eigenen Land noch am Westen sparen.
Cheheltan war bis 2004 Chefredakteur der Online-Literaturzeitschrift »Sokhan« und bis 2005 Juror des Sadegh-Hedayat-Literaturpreises für Kurzgeschichten. Er lebte zuletzt u. a. in Berlin und Los Angeles, anschließend wieder in Teheran, wo er den Literatur-Workshop des Kulturzentrums Karnameh leitet.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.cheheltan.net]

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