10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ali Al-Muqri  [ Yemen ]

Biographie

Ali Al-Muqri Portrait
©:Gunther Orth

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Nafidha lil-djasad
Kairo,1987

Tarmimat
Sanaa,1999

The Ministry of Culture
Sanaa, 2004

Yahduthu fi n-nasian
Sanaa,2003

Al-Chamr wan-nabidh
fi l-islam
Beirut, 2007

Ta’m aswad, ra’iha sauda
Dar Al Saqi
Beirut, 2008

Alyahudi alhali
Dar Al Saqi
Beirut, 2009

Geboren 1966 in Taiz, der liberalsten Stadt im Bergland des konservativen Nordjemen, begann Ali Al-Muqri mit 18 Jahren zu schreiben. Einige Zeitungsartikel sorgten für ein erstes kleines Einkommen, doch schon bald erschienen auch erste avantgardistische Gedichte und Kurzgeschichten. Das Kultusministerium verbot ihm 1987 einen zu erotisch geratenen Gedichtband.

Als die Situation im Land nach der Vereinigung mit dem Südjemen die Gründung unabhängiger Zeitschriften erlaubte, wurde Ali Al-Muqri zu einem gefragten Kulturredakteur in meist progressiven, oppositionellen Organen. Seit 1997 war er Mitherausgeber von »al-Hikma«, der Verbandszeitschrift des Jemenitischen Schriftstellerverbandes. Seit 2007 leitet er die damals neu gegründete Literaturzeitschrift »Ghaiman«.

Ali Al-Muqri fand mit seiner Literatur Anklang in Fachkreisen, wurde im Jemen aber zunächst vor allem dadurch bekannt, dass er Ende der 1990er Jahre in der Presse eine islamwissenschaftliche Untersuchung mit dem Titel »Al-chamr wan-nabidh fi I-islam« (2007 in Buchform erschienen; Ü: Der Alkohol im Islam) veröffentlichte. Nach zwei Folgen musste er zunächst abbrechen, denn sein Fazit, dass der Islam den Alkohol nicht verbiete, rief die islamistische Szene auf den Plan und brachte dem Autor neben einer zeitweiligen Gefährdung einen Ruf ein, der seinem Image durchaus förderlich war. Er untermauerte sein Renommee als Reizfigur der Islamisten auch in den Folgejahren mit erotischen Gedichten und Abhandlungen gegen religiöse Repression. Al-Muqri zitiert gerne Nietzsches Satz »Alles Verbotene zieht mich an«. Tatsächlich scheint sein Werk dies zu bestätigen.

2008 erschien schließlich sein erster, von der arabischen Kritik hoch gelobter Roman »Ta’m aswad, ra’iha sauda« (Ü: Schwarzer Geschmack, schwarzer Geruch), eine dokumentarische, schonungslos offene Erzählung über die Randgruppe der »Achdam«, die im Jemen eine rassistisch diskriminierte, weitgehend tabuisierte Parallelgesellschaft bilden. Ihnen wurde damit zum ersten Mal ein literarisches Werk gewidmet. Der Ich-Erzähler bricht aus der eigenen »weißen« jemenitischen Gesellschaft aus und wird über die Beziehung zu einer »schwarzen« Achdam-Frau in deren Gemeinschaft aufgenommen. Hier begegnet er einer Vielzahl von Schicksalen, die von Erniedrigung und Benachteiligung, aber auch von Stolz und Lebensfreude künden. In seinem Roman scheint Al-Muqri dem Körperlichen Vorrang zu geben. Die Protagonisten sprechen nicht von Liebe, sondern vom »Geruch des Körpers«, der zu Flucht und Rebellion verleitet.

In seinem aktuellen Roman »Alyahudi alhali« (2009; Ü: Der schöne Jude) wird die Liebesgeschichte zwischen einer Muslimin und einem Juden im Jemen des 17. Jahrhunderts geschildert. Ali Al-Muqri lebt in Sanaa.

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