10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Aleksandar Hemon  [ Bosnien und Herzegowina, USA ]

Biographie

Portrait Aleksandar Hemon
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009, 2013.

Bibliographie

Die Sache mit Bruno
Knaus
München, 2000
[Ü: Rudolf Hermstein]

Nowhere Man
Knaus
München, 2006
[Ü: Bernhard Robben]

Lazarus
Knaus
München, 2009
[Ü: Rudolf Hermstein]

Love and Obstacles
Picador
New York, 2009

Übersetzer

Rudolf Hermstein, Bernhard Robben

www.aleksandarhemon.com

Aleksandar Hemon wurde 1964 in Sarajevo geboren. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft an der dortigen Universität arbeitete er als Journalist und veröffentlichte erste Kurzgeschichten in serbokroatischen Magazinen. Eine geplante Buchpublikation wurde – glücklicherweise, so Hemon später – vom Bosnienkrieg verhindert. Dessen Ausbruch im Jahr 1992 erlebte der Autor als Teilnehmer eines Kulturaustausches in Chicago. Auf seine unfreiwillige Exilierung reagierte er mit einem rigiden Studium der englischen Sprache. In dieser Zeit schlug er sich mit schlecht bezahlten Jobs durch – er war u.a. Fahrradkurier, Kundenwerber für Greenpeace, Buchverkäufer und Sandwich-Zubereiter. Schließlich erwarb er den Magistertitel in Literatur an der Northwestern University, Chicago. Nach nur drei Jahren publizierte er erste auf Englisch verfasste Kurzgeschichten in Magazinen wie »The New Yorker« und »Esquire«.

Hemons Texte wurden von Anfang an begeistert aufgenommen und für die meisterhafte Beherrschung der sprachlichen Mittel sowie für deren kraftvollen Einsatz gelobt. Mit überbordender Fantasie, lakonischer Ungerührtheit und tragikomischem Humor verwebt der Autor Fiktionalität und Faktualität, Zeitebenen und Erzählperspektiven sowie fragmentarische Textbausteine – Aufzählungen, Zitate, Fotografien. Sein Material schöpft Hemon häufig aus seinem Emigrantenschicksal: seiner hybriden Iden tität, der in weite Ferne gerückten, unwirklichen Vergangenheit des Auswanderers, der Fremdheit der neuen Heimat. Die Kurzgeschichte »Der Spionagering Sorge« aus der Sammlung »The Question of Bruno« (2000; dt. »Die Sache mit Bruno«, 2000) überlagert eine kindliche Fantasie mit der unergründlichen Wirklichkeit der Erwachsenenwelt und kontrastiert das Familienporträt aus dem Alltag des ›real existierenden Sozialismus‹ mit ausführlichen Fußnoten über das Schicksal des historischen Spions Richard Sorge. Der Protagonist von »Nowhere Man« (2002; dt. 2003), der schon in einer früheren Kurzgeschichte eingeführt wurde, strandet mit seiner Ankunft in Amerika in einem absurden Niemandsland der Selbstfindung.

Als Hemons Meisterwerk gilt »The Lazarus Project« (2008; dt. »Lazarus«, 2009). Es verschränkt die Geschichten eines ausgewanderten Schriftstellers mit der seines Rechercheobjekts: eines jüdischen Flüchtlings, der ein Pogrom überlebt, nach Amerika emigriert und hier in einer Polizeiwache – als Anarchist verdächtigt – erschossen wird. Der Roman war Finalist beim National Book Award. Hemon wurde auch mit dem John S. Zacharis First Book Award ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium der Guggenheim Foundation sowie die »Genius Grant« der MacArthur Foundation. Er schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne in der bosnischen Zeitung »Dani« (Ü: Tage) und veröffentlicht regelmäßig Geschichten und Essays in amerikanischen Magazinen. Eine Auswahl bereits veröffentlichter und neuer Kurzgeschichten erschien zuletzt unter dem Titel »Love and Obstacles« (2009; Ü: Liebe und Hindernisse). Hemon lebt in Chicago.

© internationales literaturfestival berlin

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