10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Viktor Canosinaj  [ Albanien ]

Biographie

Viktor Canosinai Portrait
© Ali Gandtschi

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Aventurat me ishullin lundrues
Dyrrah
Tirana, 2006

Biri i Eres
Dyrrah
Tirana, 2006

Meriyll
Dyrrah
Tirana, 2006

Ata kerkonin lumturine
Dyrrah
Tirana, 2007

Një dashuri sa dy oqeane
Dyrrah
Tirana, 2007

Te gjithe tulipanet e botes
Dyrrah
Tirana, 2007

Thesari
Dyrrah
Tirana, 2007

Ëndrrat e anijes me vela
Dyrrah
Tirana, 2008

Übersetzer: Jakob Rath

Viktor Canosinaj wurde 1960 in Vlora, einer südalbanischen Hafenstadt am Eingang zur Adria, geboren. Nach dem Literaturstudium war er als Lehrer, Journalist und Nachrichtenredakteur tätig und engagierte sich als Erzieher in einem SOS-Kinderdorf. Bereits in den siebziger Jahren veröffentlichte er Gedichte und Kurzprosa, Anfang der achtziger Jahre erschien sein erstes Kinderbuch und 1989 sein preisgekröntes Romandebüt für Erwachsene. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus avancierte Canosinaj zu einem der populärsten Kinder- und Jugendbuchautoren Albaniens.

Neben fantastisch-abenteuerlichen Elementen, die seine Kinder- und Jugendbücher auszeichnen, widmet sich der Schriftsteller den sozialen Problemen seines Heimatlandes, das bis heute einen tief greifenden Transformationsprozess durchlebt, nachdem 1990 der Sturz des totalitären kommunistischen Regimes eine jahrzehntelange Selbstisolation beendet hatte. Der Lebensalltag der entwurzelten Bevölkerung, die körperlich-seelischen Verwundungen der Menschen oder das Drama zerrütteter Familien bilden den Hintergrund seiner Werke für Kinder und Erwachsene. Als einer der ersten Autoren Albaniens thematisiert Canosinaj, wie die Schwächsten der Gesellschaft – Frauen und Kinder – in Umbruchphasen Opfer von Menschenhandel, Prostitution, Drogen und Kriminalität werden. Zu seinen bekanntesten Romanen gehört »Meriyll« (2000; Ü: Sternenmarie), der Eingang in die IBBY-Honour List (2002) fand: Nach dem Tod ihrer Mutter muss die 14-jährige Meri die Verantwortung für den Haushalt und die jüngeren Geschwister übernehmen, während ihr arbeitsloser Vater mit Alkoholproblemen kämpft. Erst mit der Unterstützung ihres Freundes Sid gelingt es ihr, in eine geborgene Jugend zurückzufinden. In karger Sprache enthüllt Canosinaj die harte Parallelwelt seiner Protagonistin und hält ein Plädoyer für die Rechte von Kindern, für familiäre Geborgenheit und Humanität – nicht ohne auch die universellen Erfahrungen Heranwachsender wie die erste Liebe oder Sexualität zu thematisieren. Auch sein Roman »Ata kërkonin lumturinë« (1997; Ü: Und sie suchten das Glück) greift die Folgen jener Zeit des Umbruchs im Balkanstaat auf, die von Massenauswanderung, Flüchtlingsströmen und einem neuerlichen Zusammenbruch gekennzeichnet war und erst nach einer internationalen Friedensmission zur Ruhe kam. Hier erzählt der Autor von einer Gruppe albanischer Kinder, die ihr Glück im Westen sucht. Versteckt unter einem Militärfahrzeug gelingt es ihnen, auf einer Fähre nach Italien zu gelangen. Doch bis auf Spartak, dessen Einzelschicksal der Autor in einem weiteren Jugendbuch erzählt, kehren die Ausreißer enttäuscht in ihre Heimat zurück.

So enthüllt Viktor Canosinaj in seinem Werk das bis dato literarisch tabuisierte, tragische Universum der albanischen Nachwende-Generation und komponiert eine »Hymne an die Familie, die Liebe zwischen Kindern und Eltern sowie die menschliche Widerstandskraft gegen […] Gewalt und Terror« (IBBY-Albanien). Der Autor lebt in Tirana und arbeitet für das albanische Parlament.

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