10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tim Liardet  [ Großbritannien ]

Biographie

Tim Liardet Portrait
© Seren Books

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Clay Hill
Poetry Wales Press
Ogmore-By-Sea, 1988

Fellini Beach
Seren
Bridgend, 1994

Competing with the Piano Tuner
Seren
Bridgend, 1998

The Uses of Pepper
Smith/Doorstop
Huddersfield, 2003

To the God of Rain
Seren
Bridgend, 2003

The Blood Choir
Seren
Bridgend, 2006

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Der Dichter, Kritiker und Dozent Tim Liardet wurde in London geboren. Er studierte an der University of York in Nordengland und unterrichtet derzeit als Senior Lecturer in Creative Studies an der südenglischen Bath Spa University. Bislang veröffentlichte er fünf Gedichtbände, ein Heft mit Gedichten sowie Rezensionen zeitgenössischer Lyrik in Zeitungen und Magazinen wie »The Guardian«, »The Independent«, »The Independent on Sunday«, »Poetry Review« und »PN Review«.

Liardets Verse sind Erkundungen von Situationen und Gedankengängen, die hinter der augenscheinlichen Oberfläche die Abgründe der Seele und der Gesellschaft aufscheinen lassen. Ehrlich, mutig und direkt gehen sie den Rissen in der Realität, wie wir sie vorfinden und produzieren, nach und gelangen nicht selten in einen Bereich des Surreal-Düsteren. Neben lyrischen Ausdrucksmitteln wie Anklang, Reim und Rhythmus vertraut Liardet im besonderen Maße auf Bildlichkeit und Beschreibung. In dem Aufsatz »Ekphrasis and Ekphrasis« erläutert er den daraus erzielten Effekt: »In meinen Gedichten setzte ich nicht auf Symbole, die mir das Alltagsleben bereitstellt. Ich setze eher auf das Potential der Transformation, das in der Beschreibung von Gegenständen liegt, und vertraue darauf, dass die genaue Beschreibung der Eigenschaften von Gegenständen in so etwas wie eine Liturgie übergeht.«

2001 unterrichtete Liardet ein Jahr lang in Europas zweitgrößter Justizvollzugsanstalt für junge Straftäter Lyrik. Die Gedichte, die diese Erfahrungen fassen, sind in dem Band »The Blood Choir« (2006; Ü: Der Blutchor) versammelt. Das Titelgedicht evoziert den erschreckenden Prozess des Identitätsverlusts, der im Gefängnis vor sich geht, wenn die Insassen ihre Persönlichkeit aufgeben. Die zentrale Metapher lehnt sich an Goyas Gemälde »La romería de San Isidro« an. Bilder von Boccioni und den Futuristen, Fotografien von Kertész und Brassaï, Musikstücke, Aussprüche bedeutender Dichter und Denker sowie das Werk Goyas fungieren bei Liardet oft als Katalysatoren der Öffnung seiner Sujets in neue Kontexte.

Die neue Gedichtsammlung des Autors kreist um den Tod seines Bruders, der vorzeitig und unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. »Es ist eine Elegie, die sich über ein ganzes Buch erstreckt; doch erweitert sie sich zum Familienpsychodrama und berührt die Möglichkeiten der Entwicklungspsychologie.«

Liardet wurde 1998 für den Whitbread Poetry Prize nominiert und 2003 mit dem Arts Council of England Writer's Award ausgezeichnet. Zu seinen weiteren literarischen Ehren gehören Nominierungen für den T.S. Eliot Prize (2006) und mehrere Empfehlungen der Poetry Book Society. Er lebt mit seiner Familie in Bath.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.timliardet.org/]

Berlin View

Every street corner you turn in Berlin offers more caprice. Berlin’s caprice. The caprice of circumstance. Berlin never discloses what will happen next until it has happened. It therefore has a deep need for night. These manikins stopped me in my tracks when I turned an arbitrary corner in Berlin in 2006. They are steeped in the city’s caprice. They assume without changing expression that everyone in Berlin should have the same sort of face as them, and you believe it, until you turn the next street corner. If Paris is regimented, Moscow frigid, Berlin is the city which invented caprice.

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