10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Qassim Haddad  [ Bahrain, Deutschland ]

Biographie

Qassim Haddad Portrait
© privat

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

The Blue Impossibe
Saleh Al Azzaz
Riad, 2000
[Ü: Naim Aashour-Bahrain]

Der Kapitän
und andere Gedichte, in: Die Farbe der Ferne
Beck
München, 2000
[Hg/Ü: Stefan Weidner]

Wir bleiben Kinder
u.a. Gedichte, in: Zwischen Zauber und Zeichen
[Hg. Khalid Al Maaly]
Das Arabische Buch
Berlin, 2000

Seit der Zeit der Goldschakalinnen
in: LISAN, Heft 1
[Hg. Hassan Hammad]
Lisan
Basel, 2006

Besuch in Berlin und Berliner Gedichte
In: Zwischen Berlin und Beirut
[Hg. Joachim Sartorius]
Beck
München, 2007

Übersetzung: Leila Chammaa, Naim Aashour-Bahrain, Stefan Weidner

Qassim Haddad wurde 1948 auf Muharrak in Bahrain geboren. Von früh auf unwillig gegenüber schulischen Zwängen und als Jugendlicher zum Familienunterhalt auf dem Bau tätig, bildete er sich als eifriger Leser weitgehend autodidaktisch. Sein Engagement in der Oppositionsbewegung des Landes brachte dem jungen Revolutionär eine fünfjährige Haftstrafe ein. Nach seiner Entlassung arbeitete er in der öffentlichen Bibliothek von Bahrain und gründete wenig später, als erst 21-Jähriger, die Schriftstellervereinigung Bahrains, die erste Organisation dieser Art im arabischen Raum. Bald wurde er zu deren Vorsitzendem gewählt. 1970 war Haddad Gründungs mit glied der Theatertruppe »Awal« und wurde Chefredakteur der Literaturzeitung »Kalemat«, die von der Schriftstellervereinigung herausgegeben wurde. Im selben Jahr veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband »Al-Bischara« (Ü: Die frohe Botschaft). Diese kämpferischen und explizit politischen Verse bescherten ihm un mit telbar große Popularität.

1971 erlangte Bahrain schließlich die Unabhängigkeit von Großbritannien. Haddad erwarb sich den Ruf des wichtigsten Dichters seines Landes und eines bedeutenden Repräsentanten arabischer Lyrik. Vor allem seine knapp zwanzig Gedichtbände dokumentieren ein künstlerisches Schaffen, das sich neuen Einflüssen, Themen und Formen gegenüber stets offen hält. »Ich respektiere die Traditionen der klassischen arabischen Dichtung. Aber ich erkenne keine Autoritäten an. Manchmal denke ich, dass Sprache mein Eigentum ist. Aber ich respektiere sie, ich hege eine tiefe Liebe für die Sprache. ... Sprache ist kein Werkzeug. Und wir haben die Fähigkeit, sie immer wieder umzuschaffen. Mich beschäftigt, wie man neue Möglichkeiten der Sprache, neue Stile entdecken kann.« Die Bandbreite der von Haddad genutzten, zumeist avantgardistischen Lyrik-Formen reicht von freien Versen über Prosagedichte bis hin zu visuellen Gedichten. Seit den achtziger Jahren arbeitet er immer wieder mit Fotografen und Malern zusammen, die seine Gedichte nicht nur illustrieren, sondern auch inspirieren, wie zum Beispiel in dem dreisprachigen »The Blue Impossible« (2000; Ü: Das blaue Unmögliche). Den sozialpolitischen Inhalten seiner ersten Bücher folgte in den achtziger Jahren eine Hinwendung zu existentiellen Gefühlszuständen wie Angst und Einsamkeit, denen Haddad in zunehmend ambigen und komplexen Texten unter Rückgriff auf den arabischen Surrealismus und Verwendung von Versatzstücken traditioneller Dichtung Ausdruck verleiht.

1994 schuf Haddad mit der Website www.jehat.com das wichtigste Internetforum für arabische Lyrik. Seit 1980 für das Informationsministerium tätig, wurde er seit 1997 für seine dichterische Arbeit freigestellt. Haddad wurde mit dem Preis des Libanesischen Kulturforums (Paris) und dem renommiertesten arabischen Literaturpreis, dem Sultan-Owais-Preis für Lyrik, ausgezeichnet.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.qhaddad.com/index.htm]

Berlin View

Qassim Haddad (Bahrain)

In Berlin ist man kein Gast

Als Autor im Genuss eines Arbeitsstipendiums ist man in Berlin kein Gast, sondern vielmehr wie zu Hause. Das Gefühl, in dieser Stadt heimisch zu sein, hatte ich bereits beim ersten Kennenlernen. Daher ist es gewiss auch kein Zufall, dass ich mich nun als literarischer Gast für längere Zeit in dieser europäischen Metropole aufhalte, die historisch, literarisch und künstlerisch einen reichen Erfahrungsschatz und kulturell ein unerschöpfliches Angebot aufzuweisen hat.
Ich schätze mich glücklich, Berlin getragen von zwei Flügeln zu bereisen. Zum einen auf Einladung des DAAD im Rahmen des Künstlerprogramms. Zum anderen dank der besonderen Bemühungen des deutschen Botschafters in Bahrain, Dr. Herbert Lang, und seines engagierten Teams.
Zwar weile ich mit meiner Frau erst seit zwei Monaten hier, konnte in dieser kurzen Zeit aber bereits aufschlussreiche Einblicke in die Literaturszene gewinnen und wertvolle Kontakte knüpfen, zu Personen wie auch Institutionen. Ich bewege mich hier mit einer gewissen Leichtigkeit, nehme an Lesungen und kulturellen Veranstaltungen teil und besuche mit Begeisterung Museen und Zentren der schönen Künste.
Ich fühle mich hier weder fremd, noch habe ich Berührungsängste mit dem deutschen Umfeld. Ganz im Gegenteil. Das DAAD-Kollegium ist stets bemüht, uns den Zugang zur Außenwelt zu erleichtern und unseren Aufenthalt überaus angenehm und interessant zu gestalten. Da unsere Gastgeber bereits an alles gedacht haben, muss ich mich nicht um die notwendigen Dinge des Alltags sorgen, sondern kann mich voll und ganz meinem literarischen Schaffen widmen. 
Und deshalb bin ich in Berlin kein Gast.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

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