10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Péter Esterházy  [ Ungarn ]

Biographie

Portrait Péter Esterházy
© Hartwik Klappert

Gast des ilb 2001, 2008.

Bibliographie

Das Buch Hrabals
Residenz
Salzburg [u.a.O.], 1991
[Ü: Zsuzsanna Gahse]

Harmonia Cælestis
Berlin Verlag
Berlin, 2001
[Ü. Terézia Mora]

Fancsiko und Pinta
Berlin Verlag
Berlin, 2002
[Ü: Zsuzsanna Gahse]

Verbesserte Ausgabe
Berlin Verlag
Berlin, 2003
[Ü: Hans Skirecki]

Deutschlandreise im Strafraum
Berlin Verlag
Berlin, 2006
[Ü: György Buda]

Einführung in die schöne Literatur
Berlin Verlag
Berlin, 2006
[Ü: Bernd-Rainer Barth]

Rubens und die nichteuklidischen Weiber
btb
Berlin, 2006
[Ü: György Buda, Zsuzanna Gahse]

Über die Sprache des 21. Jahrhunderts
[Hg. Dorothee Kimmich, Manfred Koch]
Swiridoff
Künzelsau, 2007

Übersetzung: Bernd-Rainer Barth, György Buda, Zsuzsanne Gahse, Terézia Mora und Hans Skirecki

Péter Esterházy wurde 1950 in Budapest, Ungarn, geboren. Während sein Großvater noch Großgrundbesitzer und 1917/18 Ministerpräsident gewesen war, wuchs Esterházy in ärmlichen Verhältnissen in einem abgelegenen Dorf auf, in das seine Familie nach der Machtergreifung der Kommunisten deportiert worden war. Nach seiner Gymnasialzeit studierte er Mathematik und war anschließend vier Jahre lang als Systemorganisator am Institut für Datenverarbeitung im Ministerium für Hütten- und Maschinenbauindustrie beschäftigt. 1978 ließ er sich als freiberuflicher Schriftsteller nieder. Zwei Jahre später führte ihn ein Stipendium des DAAD nach West-Berlin, wo er 1996/97 als Fellow des Wissenschaftskollegs Berlin nochmals längere Zeit verbrachte. 1996 erhielt Esterházy mit dem Kossuth-Preis die höchste künstlerische Auszeichnung seines Landes. Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen der Sándor-Márai-Preis (2001), der Ungarische Literaturpreis (2001) und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2004).

Péter Esterházy gilt als herausragender Vertreter der ungarischen Postmoderne. Sein Erzählen stand von Beginn an im Kontrast zu den Vorgaben des sozialistischen Realismus, aber auch zu den traditionellen Gesetzen der Epik, die sich an den Parametern Raum, Zeit, Handlung und Charakter orientieren. »Das Wort hat keine Bedeutung, es gibt nur Wortgebrauch.« Anspielungen, Zitate – oftmals unmarkiert –, Textwiederholungen, Auflösungen und Vervielfachung von Erzählerfiguren sowie das Spiel mit tradierten Formen, autobiographischen und historischen Versatzstücken gehören zum variantenreichen Inventar der Esterházyschen Prosa. An die Stelle von Wirklichkeitsabbildung tritt die unendliche Variation von Sprachwerdung und -gestaltung, von Texten, die darstellen, »wie sie sich selbst schreiben«. Seit der politischen Wende 1989/90 bedient sich Esterházy vermehrt der publizistischen Form und wendet sich dabei politischen und kulturellen Fragen Mitteleuropas zu.

Weite internationale Bekanntheit erlangte der Autor endgültig mit seinem »Opus magnum« »Harmonia Cælestis« (2000; dt. 2001). Der Roman über die Geschichte Ungarns und des Habsburgerreiches führte in Ungarn monatelang die Bestsellerlisten an. Nachdem er erfahren hatte, dass sein Vater, die zentrale Figur seines großen Werkes, lange Jahre als inoffizieller Mitarbeiter für die ungarische Geheimpolizei Berichte verfasst hatte, veröffentlichte Esterházy den Band »Javított kiadás« (2003; dt. »Verbesserte Ausgabe«, 2003).

In deutscher Sprache erschienen zuletzt die vier Theatertexte »Rubens und die nichteuklidischen Weiber« (2006), die Reportagen und Betrachtungen »Deutschlandreise im Strafraum« (2006) und die Tübinger Poetik-Vorlesungen »Über die Sprache des 21. Jahrhunderts« (2007). Der Autor lebt in Budapest.

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