10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mihály Víg  [ Ungarn ]

Biographie

Mihály Víg Portrait
© privat

Gast des ilb 2008.

Mihály Víg wurde 1957 in Budapest geboren. Aus einer Musikerfamilie stammend, gründete er mit 21 Jahren die Band »Balaton«, mit der er bis heute auftritt. Zwischen 1982 und 1985 war er Mitglied der Band »Trabant«, deren Konzerte als Underground-Kultereignisse im Ungarn der zweiten Hälfte der Kádár-Ära legendär wurden.

International bekannt ist Víg vor allem durch seine Filmmusik. Neben den Regisseuren János Xantus, Péter Müller, András Szirtes und Ildikó Szabó arbeitete er – auch als Schauspieler – vor allem mit Béla Tarr zusammen. Für ihn komponierte er die Musik für die Filme »Öszi Almanach« (1984; dt. »Herbstalmanach«), »Kárhozat« (1988; dt. »Verdammnis«), »Az utolsó hajó« (1990; Ü: Das letzte Schiff), »Sátántangó« (1994; dt. »Satanstango«) – worin Víg die Hauptrolle übernahm –, »Utazás az alföldön« (1995; Ü: »Reise in der Tiefebene«), »Werckmeister harmóniák« (2000; dt. »Die Werckmeisterschen Harmonien«) und zuletzt »A Londoni férfi« (2007; dt. »Der Mann aus London«). Im März dieses Jahres wurde er dafür mit dem EU XXL film Award ausgezeichnet. Wie die Jury in ihrer Würdigung schrieb, ehrte sie »einen Komponisten, dessen filmmusikalisches Werk sich – in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Béla Tarr – durch die Reduktion auf das Wesentliche auszeichnet. Ihre bislang letzte gemeinsame Arbeit [ver mit telt] einen Eindruck von Vígs minimalistischem und dabei unglaublich einprägsamem Umgang mit Tönen und Klängen.«

Vígs eigene Songtexte gehen mit einfacher, poetischer Sprache und universellen Themen wie Liebe und Freiheit eine symbiotische Verbindung mit seiner Musik ein, die die Lieder ebenso vertraut wie notwendig erscheinen lassen. 1996 wurde eine Auswahl davon zusammen mit einigen seiner Prosastücke unter dem Titel »Versek és novellák« (Ü: Verse und Novellen) veröffentlicht.

1998 spielte Víg das Album »Cigánydalok« (Ü: Zigeunerlieder) ein und folgte da mit den Spuren seines Vaters, der als Mitglied des Ethnomusik-Ko mit ees der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Lieder der Roma gesammelt hatte. Der Künstler engagierte sich auch im Rahmen des »Athe Sam«-Festivals, auf dem die Vielfalt der Roma-Kultur in den Bereichen Literatur, Tanz, Theater, Film, bildende Kunst und - vor allem - Musik vorgestellt wurde.

Víg komponierte auch Begleitmusik für Theaterstücke. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kritikerpreis der Ungarischen Filmfestivals Budapest für die beste Musik. Er ist Ritter der Republik Ungarn. Der Vater von fünf Kindern lebt in Budapest.

© internationales literaturfestival berlin

Übersetzerin: Maria Csollány

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