10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Maryse Condé  [ Frankreich ]

Biographie

Maryse Condé Portrait
© Jacques Sassier

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Ich, Tituba, die schwarze Hexe von Salem
Droemer Knaur
München, 1988
[Ü:Ingeborg Ebel]

Segu
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1988
[Ü: Ulrich Wittmann]

Wie Spreu im Wind
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1993
[Ü: Ulrich Wittmann]

Das verfluchte Leben
Hammer
Wuppertal, 1995
[Ü: Volker Rauch]

Sturminsel
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1997
[Ü: Klaus Laabs]

Insel der Vergangenheit
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1999
[Ü: Claudia Kalscheuer]

Histoire de la femme cannibale
Mercure de France
Paris, 2003

Victoire des saveurs et des mots
Mercure de France
Paris, 2006

Übersetzung: Nathalie Mälzer-Semlinger, Ulrich Wittman, Volker Rauch, Klaus Laabs, Claudia Kalscheuer

Maryse Condé wurde 1937 in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe geboren. Mit siebzehn Jahren ging sie nach Paris, wo sie an der Sorbonne Literaturwissenschaft studierte. Nach ihrer Heirat mit einem Schauspieler folgte sie ihm in seine Heimat Afrika. Dort erlebte sie die ersten, krisenhaften Jahre der Unabhängigkeit verschiedener Länder. In den siebziger Jahren ging sie zurück nach Paris, wo sie an mehreren Universitäten als Dozentin tätig war und 1975 promovierte. Ihre ersten beiden Romane, die einer Reihe von Bühnenstücken folgten, thematisieren die Identitätssuche junger schwarzer Frauen von den französischen Antillen, die in Afrika erfahren müssen, dass sie sich nicht über ihre Rasse definieren können.

International bekannt wurde Condé mit überwiegend historischen Romanen, in denen sie mit Stereotypen kultureller Identität spielt und dem eurozentristischen Blickwinkel auf die Geschichte eine schwarze Perspektive entgegensetzt. In dem zweibändigen »Ségou« (1984/85; dt. »Segu«, 1988) wird von Traditionsverlust und Niedergang der angesehenen Großfamilie der Traoré im Reiche Segu erzählt. Die vier Söhne sowie deren Kinder und Kindeskinder erliegen auf verschiedene Weise der fortschreitenden Islamisierung, der europäischen »Entdeckung« und christlichen Missionierung, dem Sklavenhandel und schließlich der französischen Eroberung.

»Moi, Tituba, sorcière noire de Salem« (1986; dt. »Ich, Tituba, die schwarze Hexe von Salem«, 1988) – ein Roman über die Hexenprozesse von Salem im Jahr 1692 – reinterpretiert mit seinem Blick auf die schwarze Protagonistin ebenfalls eine historische Begebenheit, die Teil des westlichen Kulturerbes geworden ist. »La Migration des cœurs« (1995; Ü: Die Migration der Herzen) ist eine schwarze Adaption von Emily Brontës Klassiker »Wuthering Heights«.

Neben weiteren Romanen – zuletzt erschien »Histoire de la femme cannibale« (2003; Ü: Geschichte der Kannibalenfrau) und »Victoire des saveurs et des mots« (2006; Ü: Sieg, Geschmäcker und Wörter) – verfasste Condé eine Vielzahl von literaturwissenschaftlichen Texten sowie Kurzgeschichten, Kinderbücher, und sie gab verschiedene Anthologien heraus. Nachdem ein Fulbright-Stipendium sie 1985 in die USA geführt hatte, unterrichtete sie zunehmend dort – u.a. an der New Yorker Columbia University, wo sie den Studienbereich Francophone Studies, an dem über die französischsprachige Literatur der Karibik geforscht wird, einrichtete.

Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehören der Grand Prix Littéraire de la Femme, der Prix Marguerite Yourcenar, der Prix Carbet de la Caraïbe und der Prix Tropiques. Condé ist Ehren mit glied der Académie des lettres du Québec, Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres und Chevalier de la Légion d’honneur. Sie lebt mit ihrem zweiten Mann Richard Philcox, der zahlreiche ihrer Werke ins Englische übersetzte, in New York und auf Guadeloupe. Ihr jüngstes Bühnenstück »Comme deux frères« (2007, Ü: Wie zwei Brüder) wurde in Guadeloupe, Martinique, Frankreich und den USA aufgeführt.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Berlin is an orgasm in reverse, as said in the Broadway musical „Passing Strange“.

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