10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Marina Warner  [ Großbritannien ]

Biographie

Marina Warner Portrait
© John Batten

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Die Kaiserin auf dem Drachenthron
Ploetz
Würzburg, 1974
[Ü: Klaus Flessel]

Maria
Trikont-Dianus
München, 1982
[Ü: Luna Gertrud Steiner]

Der verlorene Vater
Rowohlt
Reinbek, 1990
[Ü: Claudia Preuschoft]

Indigo
Chatto & Windus
London, 1992

From the Beast to the Blonde
Chatto & Windus
London, 1994

The Leto Bundle
Chatto & Windus
London, 2001

Fantastic Metamorphoses, Other Worlds
Oxford University Press
Oxford [u.a.O.], 2002

Phantasmagoria
Oxford University Press
Oxford [u.a.O.], 2006

Übersetzer: Rainer G. Schmidt, Klaus Flessel, Luna Gertrud Steiner, Claudia Preuschoft

Marina Warner wurde 1946 in London geboren und wuchs in Kairo, Brüssel und Cambridge als Tochter eines englischen Vaters und einer italienischen Mutter auf. Sie studierte an der University of Oxford Französisch und Italienisch. Das Sujet ihres ersten Buches, »The Dragon Empress« (1972; dt. »Die Kaiserin auf dem Drachenthron«, 1974), weist bereits auf ihr Interesse an der Rolle der Frau im öffentlichen Leben hin. Seit dem folgenden Buch, »Alone of All Her Sex« (1976; dt. »Maria«, 1982), einer provokativen Studie über die katholische Marienverehrung, bilden Legenden, Märchen und Mythen das Zentrum ihrer Arbeiten.

In ihren wirkungsmächtigen Untersuchungen weiblicher Figuren greift Warner auf kulturelle Erzeugnisse aus den Bereichen von Kunst, Literatur, Religion und Populärkultur zurück. Die dekonstruktiven Analysen überraschen immer wieder mit ungewohnten Blickwinkeln und Zusammenhängen sowie scharfsinnigen Schlussfolgerungen – ob Warner über Johanna von Orléans oder über allegorische Frauenstatuen schreibt oder in »From the Beast to the Blonde« (1994; Ü: Vom Biest zur Blondine) zeigt, wie Märchen von ihrer mündlichen Überlieferung durch Erzählerinnen auch inhaltlich geprägt sind. In den von der BBC ausgestrahlten »Reith Lectures« analysierte Warner 1994 zeitgenössische Mythen, wie sie insbesondere in Politik und Unterhaltung bestehen. Zuletzt thematisierte sie in dem Band »Phantasmagoria« (2006) die wechselseitigen Beziehungen zwischen traditionellen Vorstellungen des Geistigen und Massenmedien sowie Computertechnologie.

Warner verfasste bislang fünf Romane – meist Familiengeschichten, die unter Einbeziehung von Mythen und Legenden die Gegenwart mit der Vergangenheit sowie verschiedene Kulturen und Länder verbinden. »The Lost Father« (1988; dt. »Der verlorene Vater«, 1990) wurde für den Booker Prize nominiert und mit dem PEN/Macmillan Silver Pen Award ausgezeichnet. Die Erinnerungen der Erzählerin mäandern um ihre süditalienischen Vorfahren in der Zeit des Faschismus herum. Sie erzählen von deren Emigration in die USA sowie ihrer späteren Rückkehr und thematisieren vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte die Entstehung und Perpetuierung eines familieninternen Mythos. »Indigo« (1992) greift Shakespeares »Sturm« auf und folgt den Nachfahren der Protagonisten dieses Dramas um Kolonialisierung und Unterwerfung in die heutige Zeit hinein. »The Leto Bundle« (2000; Ü: Das Leto-Bündel) erzählt von einer Frau auf ihrer Flucht durch die Zeit bis ins heutige London, wo sie Asyl beantragt.

Warner verfasste auch Kurzgeschichten, Artikel, Kritiken und Essays, Kinderbücher und Libretti. Zudem kuratierte sie mehrere Ausstellungen. Derzeit arbeitet sie als Professorin an der University of Essex. Sie ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher, kultur- und sozialpolitischer Komitees, Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres und Mitglied der Royal Society of Literature und der British Academy. Ihr wurden mehrere Ehrendoktorwürden verliehen, u.a. von der University of Oxford. Sie lebt in London.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.marinawarner.com/]

Berlin View

Mit Berlin verbinde ich Tacita Dean und Matthew Hale mit ihrem Sohn Rufus, in ihrer Wohnung in Charlottenburg wo wir über viele Interessen sprachen, die wir teilen – und Zufälle. Es stellte sich heraus, dass wir uns beide mit dem Werk von Friedrich Fröbel beschäftigen, und auch mit Fata Morganas und Steinen.
Dies ist ein Fröbelstern des Künstlers Thomas Scheibitz, den Tacita in ihre Ausstellung „An Aside“ 2004 aufgenommen hat, und das Foto zeigt Rufus, aufgenommen von Tacita/Matthew beim Fröbeldenkmal. Sie hat es mir als Andenken geschickt.


Aus dem Englischen von Philipp Venghaus

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