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Laila Lalami  [ Marokko, USA ]

Biographie

Laila Lalami Portrait
© privat

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Hope and other Dangerous Pursuits
Algonquin Books of Chapel Hill
Chapel Hill, N.C., 2005

Übersetzerin: Christiane Wagler

Laila Lalami wurde im marokkanischen Rabat geboren. Sie studierte an der Université Mohammed V ihrer Heimatstadt Englisch und graduierte 1991 am University College London. Zurück in Marokko schrieb sie für die Tageszeitung »Al-Bayane«, wenig später ging sie zur Promotion im Fach Linguistik an die University of Southern California, wo sie auch unterrichtete. 2002 kündigte sie ihre Stelle als Computerlinguistin in einem Start-up-Unternehmen, um sich ganz dem Schreiben – in ihrer »dritten Sprache« Englisch – zu widmen. Drei Jahre später erschien ihr preisgekröntes Romandebüt »Hope and other Dangerous Pursuits« (2005; Ü: Hoffnung und andere gefährliche Bestrebungen).

Ausgehend von der Fahrt eines Bootes voller Flüchtlinge, die über die Straße von Gibraltar illegal nach Spanien einreisen wollen, konzentriert sich Lalami in mehreren Erzählsträngen auf vier Protagonisten. Nach der Schilderung von deren Herkunft und unterschiedlichen Motiven folgt die Erzählerin dem Schicksal der Charaktere über die Ankunft an der spanischen Küste hinaus. Murad, ein arbeitsloser, seiner Familie entfremdeter Universitätsabsolvent, wird bald ebenso wieder abgeschoben wie Halima, eine einfache Frau, die entschlossen ihren gewalttätigen Ehemann verließ. Sie endet mit ihren Kindern in einem Slum, wo der religiöse Fundamentalismus den Gescheiterten Würde verspricht. Faten, eine unterprivilegierte Studentin und Verfechterin des Schleiers, scheitert letztlich bei ihrem Versuch, sich gegenüber den korrupten Eliten zu profilieren; in Madrid wird sie zur Prostituierten. Aziz, der nur zum Geldverdienen nach Europa wollte, kommt verändert zu seiner Frau zurück, die ihm nun fremd ist. In den emphatischen und realistischen Schilderungen beleuchten sich individuelle Lebenswege und gesellschaftliche Hintergründe gegenseitig, wodurch nicht nur ein nuancenreiches Panorama von Marokko, sondern auch eine universale Perspektive menschlichen Zusammenlebens sichtbar wird. Eine Geschichte des Buches wurde für den Caine Prize for African Literature nominiert.

Inzwischen hat sich Lalami mit Beiträgen für Zeitungen und Magazine wie »Boston Globe«, »The Los Angeles Times«, »The Nation«, »The New York Times«, »The Washington Post« – und in ihrem Blog – auch einen Namen als kundige und differenzierende Beobachterin aktueller kultureller und politischer Debatten gemacht. In Artikeln wie »Beyond the Veil« klärt sie – in Abgrenzung von islamistischen wie islamophoben Positionen – über Hintergründe und Entwicklungen der Debatte über das Schleierverbot auf. Dabeit wehrt sie sich gegen die ideologische Vereinnahmung der Frauen, die in diesem Streit von beiden Parteien betrieben wird.

Lalami arbeitet derzeit als Assistant Professor of Creative Writing an der University of California Riverside. Im April nächsten Jahres erscheint ihr neuer Roman, »Secret Son« (Ü: Geheimer Sohn), in den USA. Sie lebt in Los Angeles.

© internationales literaturfestival berlin

[http://lailalalami.com/]

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