10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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John Green  [ USA ]

Biographie

John Green Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2008, 2012.

Bibliographie

Eine wie Alaska
Hanser
München, 2007
[Ü: Sophie Zeitz]

Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)
Hanser
München, 2008
[Ü: Sophie Zeitz]

Paper Towns
Dutton Books
New York, 2008

Übersetzerin: Sophie Zeitz

John Green, Preisträger des Michael L. Printz Awards, wurde 1977 in Indianapolis, USA, geboren, wo er mit seiner Frau lebt. Seit Erscheinen seines Romans »Looking for Alaska« (2005; dt. »Eine wie Alaska«, 2007) zählt er zu den herausragenden neuen Stimmen englischsprachiger Jugendliteratur. Green wuchs in Florida auf, besuchte ein Internat in Alabama und studierte Englisch und Religionswissenschaft in Ohio. Er arbeitete als studentischer Kaplan in einem Kinderkrankenhaus und war Journalist, bevor er Schriftsteller wurde.

Die U.S.-amerikanische Presse verglich Greens Debüt mit Salingers »Der Fänger im Roggen«. Der Einzelgänger Miles, der die letzten Worte berühmter Persönlichkeiten sammelt, zieht aus, um im Internat von Culver Creek das »große Vielleicht« kennen zu lernen, das Rabelais auf seinem Sterbebett erwähnte: Unbeschwertes Miteinander-Rumhängen, heimliches Rauchen im Wald, Alkohol, Sex und absurde philosophische Diskussionen. Und er begegnet der unvergleichlichen Alaska, die der Autor »als Projektionsfläche aller Jungen-Sehnsüchte und als irisierend gezeichnete Borderline-Persönlichkeit« anlegt, so die Begründung der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises. Green erzählt temporeich, selbstsicher und ehrlich. Mit Wortwitz und nah an der jugendlichen Erlebniswelt definiert er das Genre »Internatsgeschichte« neu und zeigt einen zunächst unbeschwerten Jugendalltag. Doch die Kapitelüberschriften, die von »einhundertsechsunddreißig Tage vorher« bis »einhundertsechsunddreißig Tage danach« reichen, kündigen eine schmerzhafte Zäsur an. Die Fragen, mit denen sich Miles, Chip »der Colonel« und Takumi nach dem schockierenden Tod von Alaska konfrontiert sehen, kreisen um Schuld, Verrat und Verantwortung. »Meine Literatur befasst sich mit […] den großen Fragen, die wir uns stellen, nämlich damit, was es bedeutet, ein Individuum zu sein«, sagt Green. »›Eine wie Alaska‹ ist roh und poetisch zugleich. Ein Roman […] über den Augenblick und die Ewigkeit, über das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens«, wie es in der Begründung zur Verleihung des LUCHS Nr. 241 (2007) hieß. Das Jugendbuch wurde in dreizehn Sprachen übersetzt und von zwei Jurys für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 nominiert. Auch sein Roman »An Abundance of Katherines« (2006; dt. »Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen]«, 2008) – eine »Comic Novel« mit esoterischen Fußnoten und mathematischen Formeln – wurde preisgekrönt. Neunzehn Mal war Colin verliebt, immer in Mädchen mit dem Namen Katherine, und neunzehn Mal wurde er »abserviert«. Nach der High School bricht er mit seinem Freund Hassan zu einem Trip durch Amerika auf. Im Gepäck hat er ein »Liebestheorem«, das ihn vor dem Verlassenwerden schützen soll. Als sie in einem Nest in Tennessee hängen bleiben, treffen sie die kluge Lindsey – Colins erste Nicht-Katherine.

Mit seinem Bruder Hank gründete John Green 2007 den Video-Blog »Brotherhood 2.0«, für den sie ein Jahr lang nur per Video kommunizierten und der zu den populärsten Programmen in der Geschichte von YouTube gehört. Im Oktober 2008 erscheint »Paper Towns« (Ü: Städte auf Papier), sein mit Spannung erwarteter dritter Roman.

©  internationales literaturfestival berlin

Berlin View

I have never visited Berlin before. It is a city that has been mapped for me by novels, from Fontane's "Jenny Treibel" to Philip Kerr's Berlin Noir trilogy. But for Americans of my generation, the universal image of Berlin is of a city unwalled (like many Americans, I grew up watching commercials for souvenir companies selling pieces of the Berlin Wall). I was 15 in 1992, and I was living in the South. I felt the invisible walls in my city--between the rich and the poor, between black and white--profoundly. In a way, then, Berlin became an early experience with metaphor: I did not know the place, but it represented the possibility of human reunification. I cannot wait to visit Berlin and replace the metaphor with memory.

Ich war noch nie in Berlin. Von der Stadt habe ich nur aus Fontanes „Frau Jenny Treibel“ und der Berlin-Noir-Trilogie von Philip Kerr eine Vorstellung. Aber für viele Amerikaner meiner Generation ist Berlin die von ihrer Mauer befreite Stadt schlechthin (wie viele Amerikaner wuchs ich mit Fernsehwerbung von Souvenirfirmen auf, die Stücke der Berliner Mauer verkauften). Ich war 1992 fünfzehn Jahre alt und lebte im Süden. Ich hatte von den unsichtbaren Mauern meiner Stadt – zwischen den Reichen und den Armen, den Schwarzen und den Weißen – ein tiefes Bewusstsein. Irgendwie wurde Berlin dann die frühe Erfahrung einer Metapher: Ich kannte zwar den Ort nicht, aber er bedeutete für mich doch die Möglichkeit menschlicher Wiedervereinigung. Ich kann es kaum erwarten, nach Berlin zu kommen und die Metapher mit Erinnerungen zu vertauschen.

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