10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jamal Mahjoub  [ Großbritannien ]

Biographie

Jamal Mahjoub Portrait
© privat

Gast des ilb 2002, 2008.

Bibliographie

Navigation of a Rainmaker
Heinemann
London, 1994

Wings of Dust
Heinemann
London, 1994

In the Hour of the Signs
Heinemann
London, 1996

Der Sternenseher
Goldmann
München, 2000
[Ü: Barbara Jung, Sabine Saßmann]

Travelling with Djinns
Chatto & Windus
London, 2003

Nubian Indigo
Actes Sud
Paris, 2006

Die Beweglichkeit der Breitengrade
Atrium
Zürich, 2007
[Ü: Monika Schmalz]

Die Stunde der Zeichen
Büchergilde
Frankfurt am Main, 2008
[Ü: Thomas Brückner]

Übersetzung: Barbara Jung, Sabine Saßmann, Monika Schmalz, Thomas Brückner

Jamal Mahjoub wurde 1960 in London geboren. Die Familie wohnte einige Jahre in Liverpool, bevor sie in den Sudan übersiedelte, die Heimat des Vaters. Dort verbrachte Mahjoub seine Schulzeit am Comboni College, das von italienischen Priestern geleitet wird. Später erhielt er ein Stipendium für das Atlantic College in Wales und studierte danach in Sheffield Geologie. Schon während seines Studiums veröffentlichte er literarische Texte in Zeitschriften. Nach vielen Ortswechseln ist ihm der Norden Europas zum Lebens mit telpunkt geworden – doch in allen seinen Büchern sind seine afrikanischen Wurzeln gegenwärtig. Hier treffen sich Geschichten und Historie, Wissenschaft und Aberglaube, zugleich werden die Bedingungen diskutiert, unter denen Menschen verschiedener Kulturen mit - oder nebeneinander leben.

»In the Hour of Signs« (1996; dt. »Die Stunde der Zeichen«, 2008) erzählt von der britischen Eroberung des Sudans Ende des 19. Jahrhunderts. Das Buch verwandelt die beiden Protagonisten des Konflikts, den islamischen Führer Mohammed Ahmed, genannt Mahdi, und den englischen General Gordon in symbolische Figuren. Die Hauptpersonen sind Bauern, Hirten oder einfache Soldaten, aus deren Perspektive als Landesbewohner oder als Vertreter der Kolonialmacht der Aufstand beschrieben wird. Mahjoubs historischer Roman »The Carrier« aus dem Jahr 1998 (dt. »Der Sternenseher«, 1999) beschäftigt sich mit einem der Schlüsselmomente der europäischen Kultur: der Entwicklung des Teleskops und entsprechender astronomischer Berechnungsmethoden, die im 17. Jahrhundert den Weg zum heliozentrischen Weltbild und zur Trennung von Wissenschaft und Religion ebneten. »Mich faszinierte die Frage, warum eine solch bedeutende Veränderung des Denkens, wie sie in Europa die Renaissance markierte, nicht in der islamischen Welt in Erscheinung getreten ist«, umschrieb Mahjoub seine Motivation. Der junge Gelehrte Raschid al-Kenzy, Sohn einer nubischen Sklavin und fälschlich des Mordes beschuldigt, wird vom Dei der Stadt Algier unter der Bedingung begnadigt, dass er ihm jenes optische Gerät heranschaffe, von dessen Fähigkeiten man sich die wundersamsten Geschichten erzählt – und so macht sich Raschid auf eine lange Reise. 2006 veröffentlichte Majoub mit »Nubian Indigo« (Ü: Nubisches Indigo) einen Roman, der in der Zeit des Assuan-Staudammbaus angesiedelt ist. »The Drift Latitudes« (2006; dt. »Die Beweglichkeit der Breitengrade«, 2007) spielt im London der Gegenwart. Eine erfolgreiche Architektin, Tochter einer Einwanderin aus Trinidad und eines deutschen Vaters, den sie kaum kannte, beschäftigt sich mit ihrer Herkunft, als sie mehrere Briefe von ihrer Halbschwester aus dem Sudan erhält.

Der Autor wurde u.a. mit dem Guardian/Heinemann African Short Story Prize und, für seinen Roman »Travelling with Djinns« (2003; Ü: Auf Reisen mit Djinns), mit dem Prix d’Astrobale ausgezeichnet. Nach vielen Jahren im dänischen Aarhus lebt Mahjoub nun in Barcelona.

© internationales literaturfestival berlin

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