10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Georgi Gospodinov  [ Deutschland, Bulgarien ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005, 2008, 2012.

Bibliographie

Lapidarium
Modus Stojanov
Jambol, 1992

Tschereschata na edin narod
Svobodno poetichesko obshtestvo
Sofija, 1996

Pisma do Gaustin
IK Zhanet 45
Plovdiv, 2003

Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen
Wieser
Klagenfurt, 2004
[Ü: Alexander Sitzmann]

As siviach sozialisma: 171 litschni istorii
IK Zhanet 45
Plovdiv, 2006

Inventarna kniga na sozialisma
[ mit Yana Genova]
Prozorec
Sofija, 2006

Baladi i razpadi
IK Zhanet 45
Plovdiv, 2007

Natürlicher Roman
Droschl
Graz, 2007
[Ü: Alexander Sitzmann]

Übersetzung: Uwe Kolbe, Elisabeth Messner, Alexander Sitzmann

Der bulgarische Dichter und Schriftsteller Georgi Gospodinov wurde 1968 geboren. Für seinen ersten Gedichtband »Lapidarium« (1992) erhielt er den nationalen Preis für das beste Debüt. Ihm folgte »Tschereschata na edin narod« (1996; Ü: Der Kirschbaum eines Volkes), der vom Bulgarischen Schriftstellerbund mit dem Preis für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet wurde.

Einem internationalen Publikum wurde Gospodinov vor allem mit seinem ersten Roman »Estestven roman« (1999; dt. »Natürlicher Roman«, 2007) bekannt. Das Buch wurde in Bulgarien sechs Mal aufgelegt und zehn Sprachen übersetzt. »Ein anarchisches experimentelles Debüt«, urteilte der »New Yorker«, die »Times« sprach von einem »humorvollen, melancholischen und höchst eigenwilligen Werk«. Der Roman folgt postmodernen Gliederungsprinzipien und nimmt insbesondere Erzähltechniken von Borges und Pessoa auf. Rahmenhandlung ist die Geschichte eines Mannes, der sich von seiner Frau trennt, weil er nicht »Urheber ihrer Schwangerschaft« ist. Diese Handlung wird von weiteren, lose mit einander verbundenen Erzählsträngen, Abschweifungen und Reflexionsebenen durchsetzt. Das aus vielen Facetten bestehende Auge der Fliege – ihr ist eine von mehreren literarischen »Naturgeschichten« gewidmet – ist symbolträchtige Metapher dieser Erzähltechnik, die selbstreflexiv erklärt wird: »Es ist mein unbescheidener Wunsch, einen Roman der Anfänge zu schaffen.«

2001 erschien der Kurzgeschichtenband »I drugi istorii« (dt. »Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen«, 2004). Er geht mit der Beschreibung von traurig-komischen Szenen dem Geheimnisvollen im Alltagsleben nach. Ihm folgten die Gedichtbände »Pisma do Gaustin« (2003; Ü: Briefe an Gaustin) und »Baladi i razpadi« (2007; Ü: Balladen und Malaisen).

Gospodinov schrieb auch für die Bühne. Das Theaterstück »D.J.« (die Initialen verweisen auf Don Juan) wurde am Satirischen Theater in Sofia sowie in Frankreich und Österreich aufgeführt und von der Bulgarischen Schauspielervereinigung mit dem Preis für das beste Stück des Jahres ausgezeichnet. Bei den Berliner Filmfestspielen 2005 eröffnete das Internationale Forum des jungen Films mit der osteuropäischen Filmproduktion »Lost and Found«, für dessen bulgarischen Beitrag »Das Ritual« Gospodinov das Drehbuch geschrieben hatte.

2006 gab Gospodinov »As siviach sozialisma: 171 litschni istorii« (Ü: Ich habe im Sozialismus gelebt. 171 persönliche Geschichten) heraus – das Ergebnis eines zweijährigen Internet-Projektes, bei dem die Erfahrungen von Menschen aus der Zeit des Sozialismus gesammelt wurden. Mit »Inventarna kniga na sozialisma« (2006; Ü: Inventurliste des Sozialismus; zusammen mit Yana Genova) – einem Katalog bulgarischer Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 1956 und 1989 – führte er seine Arbeit auf diesem Gebiet fort. Beide Publikationen gehören in Bulgarien zu den meistdiskutierten und -verkauften Büchern.

Gospodinov promovierte am Literaturinstitut der Bulgarischen Akademie der Künste und arbeitet für die Tageszeitung »Dnevnik« als Kolumnist im Bereich »Analysen«.

© internationales literaturfestival berlin

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