10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Dinaw Mengestu  [ Äthiopien, USA ]

Biographie

Dinaw Mengestu Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2008, 2014.

Bibliographie

The Beautiful Things That Heaven Bears
Riverhead
New York, 2007

Übersetzer: Volker Oldenburg

Dinaw Mengestu wurde 1978 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geboren. Kurz zuvor war sein Vater vor dem Roten Terror der neuen sozialistischen Machthaber in die Vereinigten Staaten geflohen, wohin ihm die Familie 1980 folgte. Sie lebte zunächst in Peoria, Illinois, später in Chicago. Mengestu studierte an der Georgetown University in Washington, D.C., und absolvierte das MFA-Programm der Columbia University im Fach Creative Writing. Seine Texte erschienen in Zeitungen und Magazinen wie »Rolling Stone«, »Harpers« und »The New Statesman«.

2007 veröffentlichte er seinen ersten Roman, »The Beautiful Things That Heaven Bears« (dt. »Zum Wiedersehen der Sterne«, 2009). Er erzählt von einem äthiopischen Einwanderer, der unter den Demütigungen des gesellschaftlichen Außenseiters leidet, sich nicht recht an sein neues Leben als Ladenbesitzer in Washington gewöhnen kann und auch nach siebzehn Jahren noch um seinen ermordeten Vater trauert. Regelmäßig trifft er sich mit zwei anderen Immigranten, die sowohl mit Nostalgie als auch mit Bitterkeit an ihre afrikanische Heimat zurückdenken und deren hochgesteckte Erwartungen an Amerika sich ebenfalls nicht erfüllt haben. Als sich eine Weiße mit ihrer kleinen gemischtrassigen Tochter überraschend in der Nachbarschaft niederlässt, scheint für eine Weile das Unmögliche möglich zu werden. Doch bevor sich die Beziehung festigen kann, findet sie bereits ihr abruptes Ende. In klaren Sätzen, ruhigem Duktus und leisem Humor schildert Mengestu das Leid, das sich Menschen antun, ohne einen Standpunkt außerhalb der Konflikte zu etablieren oder gar eine Lösung anzubieten. In einem Interview erläuterte er explizit: »Ich weiß nicht, ob Romane überhaupt etwas sagen sollen. Ich glaube eher, dass sie da sind, um unser Verständnis von der Welt differenzierter und umfangreicher zu machen. Und es bleibt dem Leser überlassen, einen persönlichen Sinn aus dem Erzählten zu ziehen.«

Im Jahr des Erscheinens seines Romans berichtete Mengestu für das Magazin »Rolling Stone« aus Darfur. Mit besonnenen Schilderungen, aus denen trotz ihres deprimierenden Themas auch Hoffnung spricht, verdeutlicht er die komplexen Hintergründe der gewaltstrotzenden Eskalationen anhand der Entwicklung eines Rebellenführers, der zunächst den Terrortruppen der Regierung entgegentrat, dann die Spaltung der eigenen Bewegung in Kauf nahm und nun als Berater in den Diensten der einstigen Gegner steht.

Mengestu erhielt Stipendien der New York Foundation for the Arts und der Lannan Foundation. Er wurde u.a. mit Preisen der »New York Times«, der »Los Angeles Times« und der National Book Foundation ausgezeichnet, erhielt in England den Guardian First Book Award und in Frankreich den Prix du Premier Roman Etranger. Der Autor lebt in Paris.

© internationales literaturfestival berlin

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