10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Christoph D. Brumme  [ Deutschland ]

Biographie

Christoph D. Brumme Portrait
© Pressefoto

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Nichts als das
Mathias Gatza
Berlin, 1994
Neuauflage:
No
Dittrich
Berlin, 2008

Tausend Tage
Kiepenheuer & Witsch
Berlin, 1997

Süchtig nach Lügen
Kiepenheuer & Witsch
Berlin, 2002

Christoph D. Brumme wurde 1962 in Werningerode geboren. Er wuchs im Harz auf und ging nach einer Ausbildung als Eisenbahner zum Militär, um sich danach dem Schauspiel im Theater Eisleben und einem Philosophiestudium zu widmen. Der Autor von vier Romanen und Essays lebt seit 1986 als freiberuflicher Schriftsteller in Berlin. Sein neuestes Buch, ein Bericht über seine Fahrradreise von Berlin nach Saratow an der Wolga, erscheint im März 2009.

Die ersten beiden Romane von Christoph Brumme spielen in der DDR. In »Nichts als das« (1994; Neuauflage 2008 unter dem Titel »No«, auch als Hörbuch, gelesen von Corinna Harfouch) wird die autoritäre Gesellschaft durch die Augen des Kindes No wahrgenommen. No wächst im Grenzgebiet am Brocken auf, wo er nicht nur mit der Gewalt des Staates, sondern auch mit der Gewalt des pedantischen Vaters konfrontiert wird. Wer nicht spurt, kriegt Prügel, und das Netz der seelischen Abhängigkeiten ist eng geknüpft, gerade auch im Widerstand: So lehnt der Vater den Staat zwar ab, doch bleibt er in dessen System gefangen. »Mit minimalen Mitteln zeichnet Christoph D. Brumme totalitäre Strukturen nach – so spiegelt der Vater-Sohn-Konflikt, im Kleinformat, ein intimes Portrait der DDR. Obwohl er ihn hasst, ist für No kein anderer Vater, keine andere Welt denkbar«, schrieb Sieglinde Geisel in einer Rezension.

Auch in Brummes zweitem Roman »Tausend Tage« (1997) geht es um die innere Architektur von Gewalt und staatlicher Ordnungsmacht: Der achtzehnjährige Kian geht zur NVA, um dem Familientrübsinn zu entkommen. In »Süchtig nach Lügen« (2002) erzählt Brumme die Geschichte einer amour fou, die scheinbar harmlos beginnt, um am Ende in Gewalt und Hass zu kollabieren. Hannah ist exzentrisch und unberechenbar, bisweilen boshaft, doch ohne dass man sie dafür verantwortlich machen könnte. Der Ich-Erzähler versucht, ihr Verhalten zu ergründen und geht dabei bis zu einem seelischen Masochismus – denn auch er ist dieser seltsamen Liebe ausgeliefert, die vielleicht nur eine Lüge ist und vielleicht auch eine Sucht. 2004 wurde der Roman mit Julia Jaeger und Jan-Josef Liefers als Hörspiel produziert.

Brumme beschreibt die Auflösung des Subjektes und damit die Auflösung eines moralischen Referenzpunktes. »Das Dasein hat keinerlei Sinn, wenn Ideen, Träume und Hoffnungen nicht über das Unmittelbare hinausgehen. Dann gibt es keine Hoffnung, keine Lust, keine Intensität. Dann gibt es nur die Selbstquälerei zum Tode.« Seine Sprache spiegelt diesen  Zustand wider. Sie ist minimalistisch, wird auf das Nötigste reduziert. In den Dialogen zwischen Hannah und dem Ich-Erzähler steigern sich die kleinen Katastrophen dieser Liebe zu einem Inferno – doch gleichzeitig irrlichtert in den Sätzen etwas, das den Ernst jederzeit in Ironie verwandeln kann.

Der Autor erhielt diverse Stipendien. Er lebt in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.christophbrumme.de/]

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