10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Chirikure Chirikure  [ Simbambwe ]

Biographie

Chirikure Chirikure Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2008, 2011.

Bibliographie

Rukuvhute
College Press
Harare, 1989

Chamupupuri
College Press
Harare, 1994

Hakurarwi – We Shall Not Sleep
Baobab
Harare, 1998

Aussicht auf eigene Schatten
Das Wunderhorn
Heidelberg, 2011
[Ü: Sylvia Geist]

Der Lyriker und Performer Chirikure Chirikure wurde 1962 in Gutu, Simbabwe, geboren. Er studierte Geschichte, die Landessprache Shona und Religionswissenschaften an der University of Zimbabwe in Harare und arbeitete 17 Jahre lang als Lektor eines großen Verlages. Mit Performances seiner Gedichte seit seiner Jugendzeit aktiv, gehört er heute zu den bekanntesten Vertretern der literarischen Szene seines Landes.
Chirikures Werk steht in der Tradition der oralen Literatur der Shona-Sprache, die in der Kolonialzeit Träger widerständischen Gedankengutes war und nach der Unabhängigkeit im Jahr 1980 oft für Lobgesänge auf den Freiheitskampf und das neue Regime verwendet wurde. Im Gegensatz dazu nahm Chirikure von Anfang an einen kritischen Standpunkt ein und bediente sich eines satirischen Tonfalls. Wie er im Vorwort zu seinem ersten Gedichtband »Rukuvhute« (1989; Ü: Die Nabelschnur) schreibt, versteht er seine Verse als ein Mittel, »sich der Risse in der Gesellschaft bewusst zu werden, um unseren Traum von ihr vor dem Vergehen zu bewahren«. In höchst symbolischer, so einfacher wie eindringlicher Bildlichkeit mit häufigen syntaktischen und lexikalischen Wiederholungen, Ideophonen und Alliterationen erinnert Chirikure an die gemeinsamen kulturellen Traditionen, prangert – spöttisch bis aufgebracht – Machtmissbrauch sowie Selbstsucht an und beschwört dagegen den Sinn der Gemeinschaft. Das Titelgedicht seines zweiten Bandes, »Chamupupuri« (1994; Ü: Der Wirbelsturm), spielt auf das postkoloniale Elend Afrikas an, auf jenen Sturm, zu dem sich der »Wind der Veränderung« nach der Befreiung des Kontinents ausgewachsen hat. Mit besonderer Schärfe fordert Chirikure in seinem dritten Band »Hakurarwi – We Shall Not Sleep« (1998; Ü: Wir werden nicht schlafen) von seinen Landsleuten, sich nicht dem übermächtigen Druck des Regimes zu ergeben.
Chirikure trägt seine Gedichte oft in Begleitung der Mbira (Kalimba) vor, dem traditionellen Instrument der Shona. Seit seinen frühesten Auftritten arbeitete er mit verschiedenen Musikern, regelmäßig mit Chiwoniso Maraire oder Okay Machisa, zusammen. Das von ihm mit gegründete Ensemble DeteMbira veröffentlichte 2002 das Album »Napukeni« (Ü: Die Windel). Er arbeitet an einer Cartoon-Serie nach Motiven traditioneller Shona-Kindergeschichten mit, veröffentlichte zudem Kinderbücher, Unterrichtswerke, Theaterstücke und Kolumnen und betreute eine Radiosendung über junge Shona-Schriftsteller.
Für seinen ersten Gedichtband erhielt der Autor eine ehrenvolle Erwähnung beim Noma Award, sein letzter wurde zu den 75 besten simbabwischen und den 5 besten Shona-Büchern des 20. Jahrhunderts gewählt. Alle seine Bände wurden mit einem ersten Preis bei den jährlichen Zimbabwe Writer of the Year Awards ausgezeichnet. Chirikure ist honorary fellow der University of Iowa, USA. Er lebt in Harare und ist derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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