10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Breyten Breytenbach  [ Südafrika ]

Biographie

Breyten Breytenbach Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2008, 2002.

Bibliographie

Wahre Bekenntnisse eines Albino-Terroristen
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1988
[Ü: Dietlinde Haug, Sylvia Oberlies]

Alles ein Pferd
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1989
[Ü: Matthias Müller]

Erinnerung an Schnee und Staub
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1992
[Ü: Matthias Müller]

Rückkehr ins Paradies. Ein afrikanisches Journal
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1995
[Ü: Hanna Neves ]

Die Erinnerung von Vögeln in Zeiten der Revolution
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
[Ü: Matthias Müller]

Mischlingsherz. Eine Rückkehr nach Afrika
Hanser
München, 1999
[Ü: Matthias Müller]

Lady one
Human & Rousseau
Kaapstad, 2000

Ysterkoei-blues
Human & Russeau
Kaapstad, 2001

Übersetzer: Arnold Blumer, Dietlinde Haug, Esther Kinsky, Klaus Mertens, Matthias Müller, Hanna Neves, Sylvia Oberlies

Breyten Breytenbach wurde 1939 als Sohn einer burischen Familie in Bonnievale, einem Ort der südafrikanischen Kapprovinz, geboren und wuchs in der Kleinstadt Wellington auf. Ein Studium der Bildenden Künste und der Literatur, das er in Kapstadt begonnen hatte, brach er ab, weil ihm die Politik der Apartheid in seinem Lande nicht mehr erträglich schien. 1961 ließ er sich in Paris nieder, wo er als Englischlehrer arbeitete, zu malen begann und erste Gedichte in seiner Muttersprache Afrikaans schrieb. Als der ANC verboten wurde, entschloss sich Breytenbach, in Paris zu bleiben. Er war Mitbegründer der oppositionellen Gruppe „Okehela“, die den Widerstand außerhalb Südafrikas koordinierte. Seine Ehe mit einer Vietnamesin erklärte das südafrikanische Regime für ungültig. 1975 wurde Breytenbach mit falschem Pass in seinem Heimatland verhaftet, zu neun Jahren Gefängnis verurteilt und erst 1982 unter internationalem Druck freigelassen. Ein Jahr später nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Seit 1992 wirkt er maßgeblich am Aufbau und der Entwicklung des Kulturzentrums Gorée Institute auf der ehemaligen Sklaveninsel Gorée vor Senegals Hauptstadt Dakar mit. Er lebt heute abwechselnd in Paris, New York, Dakar und Johannesburg.

Breytenbach gehört zu den bedeutendsten lyrischen Stimmen seines Landes. Er schrieb zunächt auf Afrikaans, später auch auf Englisch und Französisch: locker rhythmisierte Verse, die in ihrer nervösen Metaphorik mythisch-religiöse Motive und die krude südafrikanische Gegenwart verknüpfen. Ganz nah bei den Dingen sind diese Gedichte, in Slangs und Fachsprachen eingewoben, durchsetzt mit Wortschöpfungen und der Grammatik politischer Reden. Darin treffen sich die Texte mit Breytenbachs Arbeiten als bildender Künstler, die manchmal wie visuelle Lyrik anmuten. Seine Jahre im Gefängnis, die er 1984 in dem Roman „The True Confessions of an Albino Terrorist“ (dt. „Wahre Bekenntnisse eines Albino-Terroristen“, 1984) wortstark und mit genauem Blick für die repressiven Strukturen beschrieben hat, sind nur ein Bruchstück der persönlichen Erfahrung, aus der sich Breytenbachs Texte speisen. Bücher wie „Return to Paradise“ (1993; dt. „Rückkehr ins Paradies“, 1995) kreisen um das Grundmotiv der Rückkehr nach Südafrika. Dieses Reisejournal, dessen Rhythmus von zahllosen Begegnungen und Landschaftsfahrten bestimmt wird, reflektiert den Friedensprozess und die Gewalt, Erinnerungen an die persönliche Vergangenheit und die Greuel der Apartheid. Fiebrig und polemisch, schwarzmalend und manchmal dennoch versteckt liebevoll ist dieses Buch ein ebensolcher Klagegesang wie die 1997 erschienene Essaysammlung „The Memory of Birds in Times of Revolution“ (1996; dt. „Die Erinnerung von Vögeln in Zeiten der Revolution“, 1997) in der Breytenbach die widersprüchlichen Gefühlslagen eines Exilanten bloßlegt. Hinter der Selbstreflexion wird in seinen Texten ein Netzwerk der Zerstörungen im 20. Jahrhundert erkennbar, das von den nationalsozialistischen Lagern über die Todeszellen des Apartheid-Regimes bis zum Krieg in Bosnien reicht. In „Dog Heart“ (1999; dt. „Mischlingsherz“, 1999) ist die düstere Perspektive durch einen genauen und mitfühlenden Blick auf das ländliche Südafrika ergänzt, auf die vielen Sonderlinge und Säufer, auf die unter schwierigen Umständen lebenden Menschen und ihre nuancenreiche Sprache. Eine Auswahl aus seinen Gedichten der Jahre 1964 bis 2006 wurde unter dem Titel „The Windcatcher“ (2007) veröffentlicht. Sein jüngstes Werk, „A Veil of Footsteps“ (2008; dt. „Ein Schleier von Fußstapfen“), bezeichnet Breytenbach im Untertitel als „Erinnerungen eines fiktiven Charakters“. Autobiografie verbindet sich hier mit Fiktionalität, um die „Komplexität, den Horror, den Wahnsinn und die Schönheit“ der südafrikanischen Heimat zu begreifen.

Breytenbach ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten. Zu den Auszeichnungen für sein literarisches Werk zählen der Afrikaans-Corps-Preis, der van der Hoogt Prijs, der Rapport Prijs, der Alan Paton Award, der International Poetry Award und der Hertzog Prijs. Breytenbach ist auch als bildender Künstler international anerkannt. Seine vornehmlich surrealistischen Bilder wurden u.a. in Ausstellungen in Johannesburg, Kapstadt, Hongkong, Amsterdam, Stockholm, Paris, Brüssel, Edinburgh und New York gezeigt.

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