10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2008 / Anne-Laure Bondoux

Anne-Laure Bondoux  [ Frankreich ]

Biographie

Anne-Laure Bondoux Portrait
© Sophie Elmosnino

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Noémi superstar
Syros
Paris, 1999

La vie comme elle vient
L’école des loisirs
Paris, 2004

La tribu
Bayard Jeunesse
Paris, 2005

Pépites
Bayard Jeunesse
Paris, 2005

Les larmes de l’assassin
Editions de la Loupe
Lyon, 2006

Linus in der Stufenwelt
Arena
Würzburg, 2006
[Ü: Silvia Schröer]

Malva. Im Bann der geheimen Inseln
Nagel & Kimche
Zürich, 2007
[Ü: Christiane Thielmann]

Le destin de Linus Hoppe
Bayard Jeunesse
Paris, 2008

Übersetzung: Christiane Thielmann, Silvia Schröer

Anne-Laure Bondoux wurde 1971 in Bois-Colombes, Frankreich, geboren. Auf ihrem Weg zu einer der anerkanntesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Frankreichs absolvierte sie ein Literaturstudium, entwickelte preisgekrönte Schreibwerkstätten, engagierte sich in der Theaterszene und schrieb Chansontexte. 1996 begann sie für einen Pariser Verlag zu arbeiten und veröffentlichte bald erste Texte. Im Jahr 2000 gab sie ihre Tätigkeit als Redakteurin auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Stilsicher bewegt sich Anne-Laure Bondoux in allen Romangenres – von Science Fiction über Abenteuerliteratur bis hin zum realistischen Jugendbuch. »Das Universum und die Themen meiner Bücher sind sehr unterschiedlich«, sagt sie. »Die Welt des Romans eröffnet einem Schriftsteller eine unglaublich große Freiheit.« Bondoux’ Texte leben von ihrer poetischen Sprache, den glaubhaft gezeichneten Figuren und der fesselnden Dramaturgie. Zu ihren Werken zählt die Science-Fiction-Reihe um Linus Hoppe, der in einer nicht allzu fernen Zukunft die Bedrohungen einer in Sphären separierten Gesellschaft entschlüsseln muss. »Le destin de Linus Hoppe« (2001; dt. »Linus in der Stufenwelt«, 2006) und der Folgeband wurden vielfach übersetzt. Auch Bondoux’ Roman »La princetta et le capitaine« (2004; dt. »Malva. Im Bann der geheimen Inseln«, 2007) entführt die Leser in eine fantastische Welt: Als Malva, Thronerbin von Galizien, verheiratet werden soll, gelingt ihr die Flucht. In ihrem 500-Seiten-starken Werk präsentiert die Autorin Elemente großer Abenteuerliteratur: eine rebellische Prinzessin, die in Lebensgefahr gerät, einen jungen Kapitän, der zu ihrer Rettung aufbricht, eine illustre Schiffsmannschaft und eine fast unlösbare Aufgabe. Ganz anderes literarisches Terrain betritt Anne-Laure Bondoux mit »La vie comme elle vient« (2004; Ü: Das Leben, wie es ist). Hier erzählt sie von der lebenslustigen 20-jährigen Patty, die nach dem Unfalltod der Eltern das Sorgerecht für ihre Schwester, die besonnene 15-jährige Mado, erhält. Pointiert und warmherzig lässt die Autorin ein bezwingendes Portrait der ungleichen Schwestern entstehen, deren Beziehung eine weitere Wendung erfährt, als Patty schwanger wird. Das Werk wurde mit dem Sonderpreis des Prix des Lycéens Allemands (2005) prämiert. Auch in »Les Larmes de l'assassin« (2006; Ü: Die Tränen des Mörders) gelingt Bondoux eine meisterhafte Erkundung existentieller Lebenserfahrung: In Patagonien, am äußersten Rande der Welt, tötet der Killer Angel die Eltern des kleinen Paolo und zieht in ihr Farmhaus ein. Als der gebildete Luis Secunda auftaucht, beginnt eine unkonventionelle Ménage à trois, in der Paolo die rivalisierende väterlichen Zuneigung der beiden erfährt. Ergreifend führt die Autorin alle eindimensionalen Erwartungen an Gut und Böse ad absurdum. »Bondoux’ bewegende […] Erzählung blickt in die eisige Seele eines Mörders und zeichnet die rührende Ausstrahlung eines unschuldigen Jungen nach«, bemerkte »Publishers Weekly«.

Für ihr facettenreiches Werk erhielt die Autorin zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Prix Sorcières (2004). Sie lebt mit ihrer Familie bei Paris.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.bondoux.net/]

Berlin View

Ende Dezember 1989 bin ich in Berlin. Ich bin 18 Jahre alt. Es ist kalt, aber die Stadt ist voller Menschen. Auf der Straße grüßt jeder jeden. Die Leute kommen und klopfen mit kleinen Hämmern Stücke aus der westlichen Seite der Mauer. Abends trinke ich grünes Bier. Tagsüber laufe ich mit dem Gefühl, einen außergewöhnlichen Moment zu erleben, durch die breiten Hauptstraßen. Am Abend des 31. Dezembers drängt sich eine riesige Menschenmenge an der Mauer. Ich rolle über leere Flaschen. Hoffnung liegt in der Luft, und die Zukunft scheint besser auszusehen.
Ich habe Berlin nicht vergessen. Ich hoffe immer noch, dass die Zukunft besser sein wird.

abgelegt unter: