10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2008 / Aminatta Forna

Aminatta Forna  [ Großbritannien, Sierra Leone ]

Biographie

Aminatta Forna Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Mother of All Myths
HarperCollins
London, 1998

Tanz mit dem Teufel
RM-Buch-und-Medien-Vertrieb
Rheda-Wiedenbrück [u.a.O.], 2003
[Ü: Bea Reiter]

Abies Steine
Berlin Verlag
Berlin, 2007
[Ü: Sabine Schwenk]

Übersetzung: Bea Reiter, Sabine Schwenk

Aminatta Forna wurde 1964 in Glasgow, Schottland, geboren, woher ihre Mutter stammt. Sie wuchs bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in Sierra Leone sowie in England auf, wo sie zur Schule ging. Später studierte sie am University College London Rechtswissenschaften. Sie ließ sich in der britischen Hauptstadt nieder und arbeitete zunächst zehn Jahre als Journalistin für die BBC, wo sie für Funk und Fernsehen u.a. Kulturprogramme sowie ein Politikmagazin moderierte. Zudem produzierte sie mehrere Dokumentarfilme.

Im Jahr 2000 begann Forna in Sierra Leone für ein Buch über ihren Vater, Mohamed Forna, zu recherchieren. Er war nach seiner Ausbildung zum Arzt in Schottland in der Politik seines seit 1961 unabhängigen Landes aktiv geworden und hatte es bis zum Finanzminister gebracht. 1975, fünf Jahre nachdem er aus Protest gegen undemokratische Tendenzen innerhalb der Regierung zurückgetreten war, wurde er wegen angeblichen Landesverrats hingerichtet. In ihrem Bericht »The Devil that Danced on the Water« (2002; Ü: Der Teufel, der auf dem Wasser tanzte) schildert Forna die skandalösen Hintergründe des Gerichtsverfahrens sowie ihre Kindheit in einem Land, das in Einparteiendiktatur und Bürgerkrieg abrutscht.

Bei ihren Recherchen stieß Forna auf beeindruckende Lebensgeschichten, die sie zu ihrem ersten Roman inspirierten. »Ancestor Stones« (2006; dt. »Abies Steine«, 2007) erzählt vom Selbstbehauptungskampf von vier Frauen, deren Mütter zu den elf Ehefrauen eines Plantagenbesitzers gehörten. »Was mir an ihrem Leben besonders interessant erschien, war das Ineinanderfließen von Persönlichem und Politischem. Ich glaube, das Leben von Frauen zeigt das deutlicher als das Leben von Männern.« Die privaten Zeugnisse ver mit teln – so Forna – »andere Wahrheiten« als es die offiziell relevanten Fakten könnten. Sie verschmelzen im Roman zu einer hintergründigen, impressionistischen Version der jüngeren Landesgeschichte, die das komplementäre Gegenstück zum Vorgängerwerk bildet.

Forna schreibt für Zeitungen wie »The Economist«, »The Sunday Times«, »The Observer«, »Vanity Fair« und »Vogue«. Sie lebt inzwischen mehrere Monate im Jahr in Sierra Leone. Im Dorf ihrer Familie beteiligte sie sich am Aufbau einer Schule und begann mit ihrem Cousin auf der Plantage ihres Großvaters mit dem Anbau von Cashew-Nüssen.

Für ihr Werk als Journalistin und Schriftstellerin erhielt sie Stipendien und zahlreiche Auszeichnungen, darunter eine Nominierung für den Samuel Johnson Prize 2003, den Hurston/Wright Prize und Ehrungen der »New York Times« und der »Washington Post«. Forna war Jury mit glied des MacMillan African Writers’ Prize, des Samuel Johnson Prize und des Caine Prize, in dessen Vorstand sie sitzt. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.aminattaforna.com/]

Berlin View

The Fetish, A Short Story

My flatmate brought it back wrapped in an old T shirt in her suitcase. We put it on the windowsill above the radiator. Some visitors we allowed to hold it. A symbol of freedom, oh yes, we nodded. Placed it carefully back upon its shrine. One day we hired a new cleaning lady who swept clean the shrine and threw our fetish away. No English, she didn’t understand us when we cried. She fetched a piece of broken brick from the garden wall. And put it on the windowsill.

By Aminatta Forna

Der Fetisch. Eine Kurzgeschichte

Meine Mitbewohnerin brachte ihn mit, eingehüllt in ein altes T-Shirt in ihrem Koffer. Wir stellten ihn auf das Fensterbrett über dem Heizkörper. Manche Gäste durften ihn halten. Ein Symbol der Freiheit, oh ja, nickten wir. Stellten ihn vorsichtig in seinen Schrein zurück. Eines Tages bestellten wir eine Putzfrau, die den Schrein sauber wischte und unseren Fetisch wegwarf. No English, sie verstand nicht, warum wir weinten. Sie holte ein Stückchen zerbrochenen Ziegel aus der Gartenmauer. Und stellt es auf das Fensterbrett.

abgelegt unter: