10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tash Aw  [ Großbritannien, Malaysia ]

Biographie

Tash Aw Portrait
© Andrew Whittuck

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Die Seidenmanufaktur »Zur schönen Harmonie«
Rowohlt
Reinbek bei Hamburg, 2006
[Ü: Pociao und Roberto de Hollanda]

Übersetzer: Pociao und Roberto de Hollanda

Tash Aw wurde 1971 als Sohn malaysischer Eltern in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh geboren. Als er zwei Jahre alt war, kehrte die Familie in ihre Heimat zurück. Aw wuchs in Kuala Lumpur auf und besuchte dort eine katholische Schule, bevor er mit seiner Familie nach Großbritannien übersiedelte, wo er in Cambridge und Warwick Jura studierte. Nach seinem Abschluss ließ er sich in London nieder, ging verschiedenen Jobs nach und arbeitete schließlich als Rechtsanwalt. Gleichzeitig schrieb er Kurzgeschichten und arbeitete an seinem ersten Roman. 2002 schloss er sein Debüt an der Fakultät für Kreatives Schreiben der University of East Anglia ab; 2005 erschien »The Harmony Silk Factory« (dt. »Die Seidenmanufaktur ›Zur schönen Harmonie‹«, 2006).
Die Handlung des Buches setzt im britisch verwalteten Malaysia um 1940 ein, unmittelbar vor dem Einmarsch der japanischen Truppen. Im ersten Teil erzählt ein Sohn die Geschichte seines Vaters Johnny Lim, eines betrügerischen Stoffhändlers und kommunistischen Untergrundkämpfers, der sich mit zwielichtigen Mitteln aus der Gosse nach oben arbeitete und der reichste Mann des Tales wurde. Seine »Seidenmanufaktur ›Zur schönen Harmonie‹« war sowohl Schauplatz des politischen Widerstandes als auch Treffpunkt für Schmuggler und Ganoven. Er heiratet die schöne Snow Soong, die bei der Geburt des Sohnes stirbt. In Tagebuchaufzeichnungen erzählt sie im zweiten Teil des Romans von ihrer gemeinsamen Reise zu den »Seven Maiden Islands« und wirft dabei ein gänzlich anderes Licht auf ihren Gatten, der – jungenhaft und unnahbar – nachts von bösen Träumen heimgesucht wird. Der dritte Perspektivwechsel erfolgt durch den Bericht des einzigen Freundes von Johnny Lim, der ihn im letzten Teil erneut auf unerwartet andere Weise schildert: diesmal als betrogenen Ehemann und loyalen Freund.
Aw erzählt atmosphärisch dicht, mit feinem Humor und Sinn für das Außergewöhnliche. »Ich mochte immer, wenn sich Dinge außerhalb ihrer gewöhnlichen Umgebung befanden: ein modernes Gemälde in der Stube eines Kindermädchens, eine Büchse Mürbeteigkekse in einer malaysischen Küche – kleine Dinge, die auffallender werden, weniger selbstverständlich, wenn sie aus ihrem ›natürlichen‹ Kontext entfernt werden. Deswegen habe ich ›Die Seidenmanufaktur‹ so geschrieben, wie ich das getan habe: indem ich Geschichten, Charaktere und Nebenepisoden völlig verschiedenen Urs pr ungs zusammengewürfelt habe.«
Aw war 2005 für den Booker Prize nominiert und wurde im selben Jahr sowohl mit dem Commonwealth Writers’ Prize für den besten Debütroman als auch mit dem Whitbread First Novel Award ausgezeichnet. Sein Werk liegt inzwischen in zwanzig S pr achen vor.
Aw arbeitet regelmäßig für den Sender BBC und kommentiert Literatur, Film und das kulturelle Leben im südostasiatischen Raum. Zurzeit arbeitet der Autor an seinem zweiten Roman, der im Malaysia und Indonesien der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts spielt. Aw lebt in London.

© internationales literaturfestival berlin

[http://tash-aw.com]

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