10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Shusha Guppy  [ Großbritannien, Iran ]

Biographie

Shusha Guppy Portrait
© Caroline Forbes

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Persian Love Songs and Mystic Chants [CD]
Lyricord

Refugee [CD]
Sharrow Recordings

A Girl in Paris
Heinemann
London, 1991

Looking back
British American Publishers
Latham, 1991

Der persische Garten meiner Familie
Rowohlt
Reinbek, 1995
[Ü: Petra Post, Andrea von Struve]

Three journeys in the Levant
Starhaven
La Jolla,  2001

The Secret of Laughter
Tauris
London, 2005

Übersetzer: Petra Post, Andrea von Struve

Shusha Guppy wurde 1940 in Teheran als Tochter einer alteingesessenen Familie geboren. Ihr Vater, ein bedeutender iranischer Philosoph, war Professor an der Teheraner Universität. Im Alter von 17 Jahren nahm Guppy in Paris ein Studium der Orientalistik und Philosophie auf und absolvierte eine Ausbildung zur Sängerin. In ihren Erinnerungen »A Girl in Paris« (1991; Ü: Eine Frau in Paris) beschreibt sie die pr ägende Atmosphäre der französischen Hauptstadt um 1960 und schildert Begegnungen mit Künstlern und Philosophen wie Louis Aragon, José Bergamín, Jean-Paul Sartre und Albert Camus. Von Jacques Prévert ermutigt, begann sie Alben mit persischer Musik aufzunehmen und ihr Repertoire auch auf Chansons und alte französische Musik auszuweiten. Bis heute veröffentlichte sie 15 Alben. Ihr allgemein bekanntes Debüt, »Persian Love Songs and Mystic Chants« (Ü: Persische Liebeslieder und mystische Gesänge), ist inzwischen auch als CD erhältlich, ebenso wie ihre jüngste Aufnahme »Refugee« (Flüchtling).
Nach ihrer Heirat mit Schriftsteller und Forscher Nicholas Guppy übersiedelte sie nach London, wo sie sich ihre dritte S pr ache erschloss, in der sie arbeitet und schreibt. Sie beteiligte sich an größeren Publikationen in Großbritannien und Amerika und begann, als Sängerin aufzutreten. Vom Revival der Folksongs in den sechziger Jahren angeregt, schrieb sie eigene Lieder, die sie ebenso wie Stücke von zeitgenössischen Singer-Songwritern wie Bob Dylan, Leonard Cohen und Van Morrison bei Konzerten in Europa sowie in Amerika und in verschiedenen Radio- und Fernseh pr ogrammen vortrug.
1977 wurde sie als Filmemacherin einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als ihr Dokumentarfilm »People of the Wind« (1976; Ü: Volk des Windes) für einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert wurde. Er begleitet die Nomaden der Bachtiari-Stämme im Iran auf ihrer alljährlichen Reise. Der von Guppy pr oduzierte Soundtrack dazu erschien später in den USA.
1988 debütierte die Künstlerin mit ihrem Erinnerungsbuch »The Blindfold Horse« (dt. »Der persische Garten meiner Familie«, 1995), das mit dem Yorkshire Post Prize, dem Preis der Royal Society of Literature und dem Grand Prix Littéraire de Elle ausgezeichnet wurde. Das Buch gilt inzwischen als Klassiker. Vor dem Hintergrund ihrer Kindheit und Familiengeschichte schildert die Autorin die untergegangene Welt Persiens vor den Exzessen des Schahs und der Mullahs. So entsteht ein Porträt einer humanen islamischen Lebensform jenseits von Dogmatismus und Fanatismus. Guppys jüngstes Werk, »The Secret of Laughter« (2005; Ü: Das Geheimnis des Lachens), ist eine Sammlung persischer Märchen. Die Geschichten von Prinzen und Prinzessinnen, Derwischen, wundertätigen Heiligen, Dschinns, Riesen, feuerspeienden Drachen, geflügelten Pferden, Hexenmeistern und Magiern entstammen der mündlichen Erzähltradition Irans und lagen bislang zum Großteil nicht in Schriftform vor.
Auch in vielen weiteren Publikationen betätigte sich Guppy als Vermittlerin persischer Kultur und Geschichte und als Kommentatorin der aktuellen Beziehungen zwischen westlicher und islamischer Welt. Sie war zwanzig Jahre lang Herausgeberin der amerikanischen Literaturzeitschrift »The Paris Review« in London, bis deren Gründer und Herausgeber George Plimpton starb. Guppy lebt und arbeitet in London.

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