10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Maxim Biller  [ Deutschland ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Wenn ich einmal reich und tot bin
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1990

Die Tempojahre
dtv
München, 1991

Land der Väter und Verräter
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1994

Harlem Holocaust
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1998

Die Tochter
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000

Deutschbuch
dtv
München, 2001

Kühltransport
dtv
München, 2001

Esra
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2003

Der perfekte Roman
dtv
München, 2003

Bernsteintage
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2004

Adas größter Wunsch
Berlin-Verlag
Berlin, 2005

Moralische Geschichten
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2005

Menschen in falschen Zusammenhängen
Libelle-Verlag
Lengwil, 2006

Liebe heute
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2007

Maxim Biller wurde 1960 in Prag geboren. Nach dem gewaltsamen Ende des »Prager Frühlings« zog die russisch-jüdische Familie 1970 nach Deutschland. Biller studierte in Hamburg und München Literaturwissenschaft. Nach Abschluss der Deutschen Journalistenschule in München schrieb er erste Beiträge für »Die Zeit«, »Der Spiegel« und das Magazin »Tempo«, wo er mit seiner Kolumne »100 Zeilen Hass« berühmt und berüchtigt wurde. In der Sammlung »Die Tempojahre« (1991) sind seine bissigen Kommentare, u.a. zu Pop- und Akademikerliteratur und der Bequemlichkeit des post-68er Common Sense nachzulesen. Mit »Land der Väter und Verräter« (1994) und »Deutschbuch« (2001) folgten weitere provokante Betrachtungen. Darin polemisiert Biller beispielsweise gegen die Ritualisierung des heutigen Holocaust-Gedenkens.

»Wenn ich einmal reich und tot bin« (1990), Billers erster Band mit Erzählungen, wurde von der »Süddeutschen Zeitung« als die »Wiederkehr der jüdischen Literatur in Deutschland« gefeiert. Die 13 Erzählungen sind aus dem Alltag des jüdischen Lebens in Deutschland gegriffen und beschäftigen sich mit jüdischer Identität und den deutsch-jüdischen Beziehungen. Der Kurzroman »Harlem Holocaust« (1998) und stärker noch der Roman »Die Tochter« (2000), die mit vielen Rückblenden versehene Erzählung eines in München verbrachten Tages, zeigten Biller als Romancier auf den Spuren von Joyce, Döblin und Koeppen. Anhand einer Leitmotivik des Inzests wird in »Die Tochter« der Bewusstseinsstrom eines Vaters, der seine Tochter nach zehn Jahren in einem Sexfilm wiederzuerkennen glaubt, auf mehreren Erzählebenen wiedergegeben. Der Leser wird in die seelischen Wirbel des einsamen Anti-Helden, des Onanisten, Sexualneurotikers und Libanon-Veteranen Mordechai Wind, hineingezogen. Im Skandal strandete der Roman »Esra« (2003), dessen Vertrieb kurz nach Erscheinen untersagt wurde. Die Richter sahen die Persönlichkeitsrechte zweier Klägerinnen durch die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen einem deutschen Juden und einer deutschen Türkin verletzt, in der eine Darstellung von Mechanismen zeitgenössischer Hysterie vorgenommen wird.

Mit »Bernsteintage« (2004) und »Liebe heute« (2007) wechselte Biller wieder zur literarischen Kurzform und führte darin seinen mit Realität und Fiktion spielenden, biografisierenden Stil fort. Er veröffentlichte außerdem ein Kinderbuch sowie zwei Dramen und präsentierte sich mit den »Maxim Biller Tapes« (2004), einer CD mit Songs und Gedichten, als Liedermacher.

Biller schreibt für die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« die Kolumne »Moralische Geschichten« und für »Cicero« die Kolumne »Stimmen und Straßen«. Für seine journalistischen Arbeiten wurde Biller mit dem Tukan-Preis der Stadt München, mit dem Preis des Europäischen Feuilletons und dem Theodor-Wolff-Preis der deutschen Zeitungen ausgezeichnet. 1996 erhielt er den Grazer Otto-Stoessl-Preis. Kürzlich brachte der »Spiegel« einen Essay von Biller, der einen Lobgesang auf die Kurzgeschichte anstimmt. Die Veröffentlichung von »Große, grüne, wogende Blätter« unter dem Titel »The Mahogany Elephant« im »New Yorker« glich einem Ritterschlag. Biller lebt in Berlin.

©  internationales literaturfestival berlin

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