10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Lloyd Jones  [ Neuseeland ]

Biographie

ldw.Jones, Lloyd_portrait_c_Darren James.jpg
© Darren James

Gast des ilb 2007, 2015.

Bibliographie

Der Mann, der Enver Hodscha war

Hanser
München / Wien, 1994
[Ü: Yvonne Badal]

Mister Pip
Rowohlt

Reinbek, 2008

[Ü: Grete Osterwald]

Die Frau im blauen Mantel

Rowohlt

Reinbek, 2012

[Ü: Grete Osterwald]

Hier, am Ende der Welt, lernen wir tanzen

Rowohlt

Reinbek, 2014

[Ü: Grete Osterwald]

Geschichte der Stille

Rowohlt

Reinbek, 2014

[Ü: Grete Osterwald]

Lloyd Jones wurde 1955 in Lower Hutt in der Nähe der neuseeländischen Hauptstadt Wellington geboren. Er studierte Politikwissenschaften an der dortigen Victoria University. Danach war er als Journalist tätig und unternahm ausgedehnte Reisen in die USA, nach Europa und nach Asien.

Mit dreißig Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman, »Gilmore’s Dairy« (1985; Ü: Gilmores Milchladen). Sein romanhafter Reisebericht »Biografi: An Albanian Quest« (1993; dt. »Der Mann, der Enver Hodscha war«, 1994), das ein tiefgründiges Bild Albaniens zu Beginn der neunziger Jahre zeichnet, wurde in die Liste der Besten Bücher des Jahres der »New York Times« aufgenommen. Es basiert auf Jones’ Reise nach Albanien 1991, auf der er das Double des gestürzten Diktators Enver Hodscha suchte, der durch diese Rolle seiner eigenen Biografie beraubt wurde. Auch in »The Book of Fame« (2000; Ü: Buch des Ruhms) steht ein außergewöhnliches Ereignis im Zentrum: In dem halbfiktionalen Bericht über den Siegeszug der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft »All Blacks« durch Europa im Jahr 1905 untersucht Jones die Mechanismen des Ruhms. 2006 veröffentlichte Jones, der auch als Kinderbuchautor, Herausgeber und Essayist tätig ist, den viel beachteten Roman »Mister Pip«, für den er den Commonwealth Writers’ Prize erhielt. Ort der Handlung ist die Insel Bougainville in Papua-Neuguinea. Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in den neunziger Jahren, den Jones als Journalist miterlebte, wird aus der Perspektive der 13-jährigen Matilda von dem Lehrer Mr.Watts erzählt, der seiner Klasse aus Charles Dickens’ Roman »Great Expectations« vorliest. Mehr und mehr bringen die jungen Zuhörer den Text mit ihrem Leben in Verbindung und lernen die imaginative, aber auch subversive Kraft von Literatur kennen. In »Hand Me Down World« (2010; dt. »Die Frau im blauen Mantel«, 2012) nimmt eine Afrikanerin den lebensgefährlichen Weg nach Europa auf sich, um ihr entführtes Kind zu finden. Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, werden dabei die Widersprüche der globalisierten Moderne aufgezeigt. Jones’ Erinnerungen »A History of Silence« (Ü: Eine Geschichte der Stille) kamen 2013 heraus. Das Erdbeben, das Christchurch 2011 erschütterte, veranlasste Jones dazu, seine Wurzeln zu erforschen. Großeltern, denen er nie begegnet ist und von denen nie gesprochen wurde, tauchen aus staubigen Archiven auf, Leben werden zutage gefördert, die unter dem Erbe des Schweigens begraben waren. Auf Deutsch erschien zuletzt 2014 »Hier, am Ende der Welt, lernen wir tanzen« (»Here at the End of the World We Learn to Dance«, 2002).

Für sein Werk wurde Jones, der 2009 den Ehrendoktortitel der Victoria University erhielt, mit dem Tasmania Pacific Fiction Prize und der Deutz Medal for Fiction geehrt. Nachdem er bereits 2007 im Rahmen des Programms »Creative New Zealand Berlin Writers’ Residency« ein Jahr in hier zu Gast gewesen war, lebt Jones Zurzeit wieder als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin.