10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Kiran Desai  [ Indien, USA ]

Biographie

Kiran Desai Portrait
© Jerry Bauer

Gast des ilb 2007, 2013.

Bibliographie

Erbin des verlorenen Landes
Berlin Verlag
Berlin, 2006
[Ü: Robin Detje]

Der Guru im Guavenbaum
Berlin Verlag
Berlin, 2006
[Ü: Anette Grube]

Kiran Desai wurde 1971 in Chandigarh/Indien geboren. Die Tochter der indischen Autorin Anita Desai wuchs in Indien auf, verbrachte als Jugendliche ein Jahr in England, bevor sie mit ihrer Familie in die USA zog. Dort studierte sie u.a. an der Columbia University Kreatives Schreiben.

Kirans Mutter hatte einen großen Einfluss auf ihr eigenes Schreiben. Sie sei ihr Leben lang damit aufgewachsen, ihre Mutter über Literatur und die Schriftstellerei sprechen zu hören und »als ich schließlich mit 19 oder 20 Jahren zu schreiben anfing, hatte ich das Gefühl, in ein warmes Bad zu steigen. Schreiben erschien mir so vertraut, weil es der Rhythmus meiner Kindheit war.«

Ihr Studium unterbrach Kiran für einige Jahre, um sich ganz auf ihren Debütroman »Hullabaloo in the Guava Orchard« (1997; dt. »Der Guru im Guavenbaum«, 1998) konzentrieren zu können, der 1997 erschien. Die Autorin erhielt dafür große Anerkennung von Kritikern und wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet. Auch Salman Rushdie, der zuvor einen Beitrag von Desai in seiner Anthologie »Mirrorwork« veröffentlicht hatte, äußerte sich lobend über ihr Erstlingswerk.

In »Hullabaloo in the Guava Orchard« erzählt Desai die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach Erleuchtung auf einen Guavenbaum klettert und sich fortan weigert, wieder herunter zu steigen. Er beginnt über das Leben nachzusinnen und hat bald den Ruf eines Heiligen inne, zu dem die Menschen in Scharen pilgern. In Desais ironischer Darstellung der indischen Gesellschaft lässt sich auch eine tiefe Zuneigung für ihre Heimat erkennen. Sie schreibe letztlich über die Dinge, die sie am meisten an Indien liebt, um sich an ihre Herkunft zu erinnern. „Ich brauchte Bücher, um zu erfahren, was es heißt, im schönsten Sinne des Wortes, indisch zu sein.“

Acht Jahre nach ihrem erfolgreichen Debüt wurde Desais zweiter Roman »The Inheritance of Loss« (2006; dt. »Erbin des verlorenen Landes«, 2006) veröffentlicht und mit dem Man Booker Prize sowie dem National Book Critics Circle Fiction Award prämiert. Die Autorin zeichnet darin ein vielschichtiges sowie bild- und sprachgewaltiges Porträt des postkolonialen Indiens der 1980er Jahre. Vor dem Hintergrund politischer Geschehnisse beschreibt sie ganz verschiedene Charaktere und Schauplätze, die sich schließlich zu einem großen Gesamtbild eines Landes voller Widersprüche fügen, in dem vor allem die jungen Menschen der Realität zu entfliehen versuchen. Während einer der Protagonisten seine Heimat verlässt, um sein Glück in einer New Yorker Kellerküche zu suchen, schließt sich ein anderer nepalesischen Rebellen an. Sich fremd fühlen in der eigenen Heimat, das Changieren zwischen Tradition und Moderne sind Themen, denen sich Kiran Desai in ihrem Roman widmet. Sie selbst betont die Fiktionalität des Romans, räumt aber ein, dass er durchaus von ihren eigenen Erfahrungen eines Lebens zwischen Osten und Westen geprägt ist.

Die Autorin lebt in den USA.

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