10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2007 / John Kilaka

John Kilaka  [ Tansania ]

Biographie

John Kilaka Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Frische Fische
Atlantis Verlag
Zürich, 2001
[Ü: Christine Hatz, bearbeitet von Anna Katharina Ulrich]

Gute Freunde
Atlantis Verlag
Zürich, 2004
[Ü: Anna Katharina Ulrich]

Übersetzer: Christine Hatz, Anna Katharina Ulrich

John Kilaka wurde 1966 in einem Dorf im Südwesten Tansanias geboren. Als Kind ging er mit seinem Vater aufs Feld, zum Fischen und auf die Jagd – seine Leidenschaft jedoch galt der Malerei. In der Schule ärgerte er seine Lehrer, indem er die Mitschüler mit Zeichnungen an der Wandtafel vom Unterricht ablenkte und den spärlichen Kreidevorrat aufbrauchte. Im Alter von zwanzig Jahren ging Kilaka nach Dar es Salaam, um dort seine Begabung zum Beruf zu machen. Er schloss sich dem Maleratelier »Village Museum« an, das in den siebziger Jahren von Eduardo Saidi Tingatinga, dem Pionier der modernen afrikanischen Kunst, begründet worden war, und stellte erste Bilder aus. Seither gehört Kilaka zu jenen Künstlern, die mit zeitgenössischen Ideen das Erbe der frühen tansanischen »Quadratmaler« weiterentwickeln. Während einer Ausstellung 1995 in Basel kam die Idee auf, den Maler für ein Bilderbuch zu gewinnen, und mit dem Schweizer Kinderbuchfonds Baobab entstand »Frische Fische« (2001).

In seinen farbenprächtigen und prägnant gezeichneten Bilderbüchern greift John Kilaka mündlich überlieferte Tierfabeln seiner Heimat auf und erzählt von Freundschaft, Verrat und Versöhnung, von dörflicher Gemeinschaft, Musik und Tanz. Damit eröffnet er einen tiefen Einblick in einen fremden und doch bekannten Kosmos. In »Frische Fische« berichtet er mit Witz und Ironie von Sokwe Schimpanse, der jede Menge Fische gefangen hat und diese auf dem Markt verkaufen will. Doch sein hinterlistiger Freund Hund vertilgt gierig den Fang und nimmt rücksichtslos den Schaden seiner Freunde in Kauf. Enttäuscht stellen sie ihn vor Gericht. Als herausragendes Werk, das sich mit fremden Welten und Rassismus auseinandersetzt, wurde das Bilderbuch mit der Blauen Brillenschlange (2002) prämiert. Weitere Vertreter der afrikanischen Fauna präsentiert John Kilaka auch in seinem zweiten Bilderbuch: »Gute Freunde« (2004) erzählt vom großzügigen Ratz Ratte und seinem Freund Elefant, der versucht, ihn übers Ohr zu hauen. Die zeitgleich in Ruanda erschienene Übersetzung wurde mit dem Bologna Ragazzi Award »New Horizons« (2005) ausgezeichnet. In der Jurybegründung heißt es: »John Kilakas Bücher rufen Gefühle hervor, die in traditionellen Kinderbüchern Europas nicht zu finden sind. Mit diesem Buch kehren wir in Zeiten zurück, wo künstlerische Bilder noch abseits von Fernsehformaten Weisheiten, Träume und Visionen einer Gesellschaft transportieren.« Doch Kilakas Bilder leben nicht nur vom Lokalkolorit, sondern auch von mit einem Augenzwinkern dargestellten Details des modernen Lebens: Frau Nilpferd trägt Bommelohrringe an ihren Spitzohren, und Elefants Hemd spannt über seinem runden Bauch. Kilakas Werke vermitteln neben der Einsicht in Verantwortung und Schuld auch ein Plädoyer für gewaltfreie Konfliktlösungen: Die Freunde verurteilen den diebischen Hund kurzerhand dazu, das doppelte Pensum bei der Aufforstung des Waldes zu leisten.

John Kilaka, der auch drei tansanische Kinderbücher illustriert hat, lebt als freischaffender Künstler in Dar es Salaam und unterhält mit seiner Frau und den drei Kindern eine kleine Hühnerfarm.

©  internationales literaturfestival berlin

Berlin View

abgelegt unter: