10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Haris Vlavianos  [ Griechenland ]

Biographie

Haris Vlavianos
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2003, 2007, 2015.

Bibliographie

Ipnovassies

Plethron

Athen, 1983

I nostalgia ton uranon

Nefeli

Athen, 1994

Der Engel der Geschichte

Romiosini

Köln, 2001

[Ü: Dadi Sideri / Dimitra Visaitou]

Nach dem Ende der Schönheit

Hanser

München, 2007

[Ü: Torsten Israel]

Soneta tis symforas

Patakis

Athen, 2011

Haris Vlavianos wurde 1957 in Rom geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie in Bristol und Politikwissenschaften und Geschichte in Oxford. Herkunft, Sprache und Wohnort weisen ihn dennoch als griechischen Autor aus.

Dem kundigen Leser kann Vlavianos’ Interesse an der Dichtung neugriechischer Klassiker wie Konstantinos Kavafis, George Seferis oder Nikos Karousos nicht entgehen. Mindestens ebenso deutlich sind die Korrespondenzen zwischen seiner Lyrik und den Werken angelsächsischer Autoren, die er übersetzt hat, wie Wallace Stevens oder John Ashbery. Dabei gelingt es Vlavianos stets, ein Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit, zwischen von Rationalität geprägter Reflexion und der Schaffung einer suggestiven Atmosphäre zu wahren. Häufiges Thema ist die Geschichte (als Begriff wie als Folge von Ereignissen). Meist gehen Vlavianos’ Gedichte auch auf Wechselfälle im Leben seiner Familie zurück, die er als archetypische Beispiele von emotionaler Abhängigkeit, Verlust oder Verrat zu behandeln versteht. Dagegen erscheinen Erotik und Liebe in seinem Werk sowohl in ihrer Ambivalenz wie auch als Ursprung eines elementaren Glücksgefühls. Eine Inspirationsquelle ist auch die Dichtung selbst und ihr prekärer Status. Einige seiner Gedichte nehmen direkt auf aktuelle philosophische Diskurse Bezug. Vlavianos bedient sich einer äußerst eleganten Sprache, die eine grundsätzliche Festlegung auf formale Transparenz mit wenigen, gezielt eingesetzten syntaktischen und lexikalischen Normverstößen verbindet. Es ist der Klang dieser Sprache, der ungeachtet der strukturellen Vielfalt von Vlavianos’ Lyrik den Eindruck erweckt, einem stilistisch einheitlichen Werk zu begegnen. Und es mag dieser besondere Klang sein, der dazu berechtigen könnte, von einer qualitativen Bereicherung der europäischen Lyrik durch Vlavianos zu sprechen. Vlavianos legte bisher sieben Gedichtbände vor, darunter »O aggelos tis istorias« (1999; dt. »Der Engel der Geschichte«, 2001) und »Meta to telos tis omorphias« (2003; dt. »Nach dem Ende der Schönheit«, 2007). Mit beiden wurde er für den Griechischen Staatspreis nominiert. Daneben veröffentlichte er Essays sowie zahlreiche Übersetzungen, u.a. von T. S. Eliot, Ezra Pound, e. e. cummings, Anne Carson, Fernando Pessoa, Zbigniew Herbert und William Blake. Ungeachtet des Titels der Essaysammlung »Poion aphora he poiese? Skepseis gia mia techne peritte« (2007; Ü: Ist Lyrik wichtig? Gedanken über eine unnütze Kunst) blieb er mit »Diakopes stin pragmatikotita« (2010; Ü: Urlaub in der Realität) und »Sonneta tis symforas« (2011; Ü: Sonette der Verzweiflung) der Poesie treu. Zuletzt erschien der erfolgreiche autobiografische Roman »To aima nero« (2014; Ü: Schwarzes Blut).

Vlavianos lebt in Athen, wo er Geschichte und Ideengeschichte am American College of Greece sowie Kreatives Schreiben lehrt. Er ist außerdem Herausgeber der renommierten Literaturzeitschrift »Poiitiki« (Ü: Dichtung).

Berlin View

Every new reading of the world is nothing but the first reading of the poem. The poem you just finished writing. And that writing, and that reading can take place anywhere: in a shady hotel room in a provincial town, in a veranda overlooking the Aegean, in a crowded coffee-place in a back street of Athens, sitting under a tree by the beach counting the waves, in a train, in a bus, looking at the stars in the sky or in the screen of your laptop, or better at a beautiful face, the face of the woman you now love... What matters is the poem itself and the life it carries in it. If it is a true poem then the "space" will lighten up, otherwise it will remain for ever dark and closed. For you, and for poetry.

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