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Cristina Rivera Garza  [ Mexiko ]

Biographie

Cristina Rivera Garza Portrait
© Ernesto Lehn

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

La guerra no importa
Mortiz
Mexiko-Stadt, 1991

La más mía
Tierra Adentro
Mexiko-Stadt, 1998

Nadie me verá llorar
Tusquets
Mexiko-Stadt, 1999

Ningún reloj cuenta esto
Tusquets
Mexiko-Stadt, 2002

La cresta de Ilión
Tusquets
Mexiko-Stadt, 2002

Lo anterior
Tusquets
Mexiko-Stadt, 2004

Los textos del Yo
Ed. Fondo de Cultura Económica
Mexiko-Stadt, 2005

Übersetzer: Sabine Giersberg

Cristina Rivera Garza wurde 1964 in Matamoros, Mexiko, geboren. Sie studierte Soziologie an der Universidad Nacional Autónoma de México und promovierte in lateinamerikanischer Geschichte an der University of Houston. In der Folge lehrte sie an verschiedenen Universitäten in den USA und in Mexiko. Auf ihr preisgekröntes literarisches Debüt, dem Erzählband »La guerra no importa« (1991; Ü: Der Krieg ist nicht wichtig), folgten ein noch unveröffentlichter Roman – der gleichwohl Finalist des Premio Juan Rulfo war – und der Gedichtband »La más mía« (1998; Ü: Die Allermeinigste).

Bekannt wurde die Autorin mit ihrem zweiten Roman »Nadie me verá llorar« (1999; Ü: Keiner wird mich weinen sehen). Hier wird vor dem Hintergrund von Diktatur und Revolution im Mexiko der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts die Geschichte von Matilda Burgos erzählt, einer Patientin der psychiatrischen Klinik La Castañeda. Ein in der Anstalt arbeitender Fotograf, der in Matilda eine Jahre zuvor von ihm porträtierte Prostituierte wiedererkennt, verliebt sich in sie und enthüllt Stück für Stück die Stationen ihrer turbulenten Vergangenheit. Der Roman basiert auf Rivera Garzas Recherchen für ihre Doktorarbeit über die psychiatrische Klinik und versteht die Diagnosen psychischer Krankheiten als historische und kulturelle Produkte. »Was wir mit unseren Verrückten machen, sagt viel über die Gesellschaft aus, in der wir leben«, so die Autorin. Auszüge aus Klinikakten, darunter auch diejenigen der historischen Patientin Matilda Burgos, sind dem Werk kommentarlos beigefügt, so dass Fakten und Fiktion miteinander in Verbindung gesetzt werden.

Im gleichen Jahr wie der Erzählband »Ningún reloj cuenta esto« (2002; Ü: Keine Uhr erzählt davon) erschien Rivera Garzas dritter Roman, »La cresta de Ilión« (2002; Ü: Der Grat von Ilion), der erneut Wahnsinn und Tod thematisiert. Er schildert die unvermutete Begegnung eines namenlosen Arztes mit zwei rätselhaften Frauen – eine davon die mexikanische Schriftstellerin Amparo Dávila –, die ihn mit einem lang verschwiegenen Geheimnis konfrontieren.

Das besondere Interesse der Autorin gilt stets dem Unergründlichen, das »sich dagegen sträubt, erzählt zu werden«. Aufgabe des Schriftstellers sei es nicht, Botschaften zu übermitteln, sondern im Gegenteil Räume der Ungewissheit zu eröffnen. Auch in ihrem letzten Roman, »Lo anterior« (2004; Ü: Das Vorhergehende), spürt Rivera Garza verborgenen und unbewussten kulturellen Prägungen nach. Die Autorin versucht darin, die Prozesse zu ergründen, die der Liebe vorausgehen. In karger, doch poetischer Sprache beleuchtet die Autorin den Gehalt einer Notiz, die eine Romanfigur bei sich trägt: »Die Liebe ist immer eine Reflexion«.

Rivera Garza veröffentlichte zuletzt den Gedichtband »Los textos del Yo« (2005; Ü: Die Texte des Ich). Sie wurde u.a mit dem Premio José Rubén Romero und dem Premio Sor Juana Inés de la Cruz ausgezeichnet. Im Jahr 2005 erhielt sie den Anna-Seghers-Preis. Die Autorin lehrt am mexikanischen Tecnológico de Monterrey, Campus Toluca, und lebt in Metepec.

© internationales literaturfestival berlin

[http://cristinariveragarza.blogspot.com]

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