10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2007 / Claudia Amengual

Claudia Amengual  [ Uruguay ]

Biographie

Claudia Amengual Portrait
© Leo Barizzoni

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

La Rosa de Jericó
Doble Clic Editoras
Montevideo, 2000

El Vendedor de escobas
Fin de Siglo
Montevideo, 2001

Miradas a la ciudad
La Letra Voladora
Valencia, 2002

Desde las cenizas
Alfaguara
Buenos Aires, 2005

Más que una sombra
Alfaguara
Buenos Aires, 2005

Claudia Amengual wurde 1969 in Montevideo, Uruguay, geboren. Sie arbeitete einige Jahre als Lehrerin und später als staatlich vereidigte Englisch-Übersetzerin. Derzeit forscht sie im Bereich der soziokulturellen Linguistik, studiert Literaturwissenschaften und leitet seit 2001 eine Schreibwerkstatt.
Seit 1997 veröffentlicht sie in verschiedenen Zeitschriften Erzählungen, von denen einige in Wettbewerben ausgezeichnet wurden. In ihrem Werk setzt sich Amengual vor allem mit Gefühlswelten und der conditio humana auseinander. Für ihren dritten Roman »Desde las cenizas« (2005; Ü: Aus der Asche) wurde sie mit dem mexikanischen Premio Sor Juana Inés de la Cruz ausgezeichnet, »weil sie die existentiellen Dilemmata des Alltags mit einem neuen Blick bearbeitet, der unter anderem die eheliche Institution hinterfragt, und weil sie mit Humor, Scharfsinn und Ironie die Komplexität der menschlichen Beziehungen festhält«, wie die Jury ihre Entscheidung begründete. Der Roman erzählt die Geschichte einer Frau, die – in der familiären Routine gefangen und daran gewöhnt, es immer allen recht zu machen – zufällig in eine virtuelle Beziehung mit einem Unbekannten hineingerät, was ihr unverhofft neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet. Sie beginnt ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und schließlich zu ihnen zu stehen. Zugleich entdeckt sie, dass auch ihre Freunde unter der emotionalen Leere ihrer Beziehungen und ihrer Einsamkeit leiden. Diese individuellen Konflikte werden in der Auseinandersetzung mit der aktuellen lateinamerikanischen Wirklichkeit gespiegelt, denn die Autorin siedelt ihre Geschichte in dem Rahmen eines in Krise und Verfall befindlichen Uruguay an, aus dem besonders die junge Generation in Massen auswandert, weil sie dort keine Zukunft mehr für sich sieht.
Amenguals Erzählweise setzt den Schwerpunkt auf die Beschreibung emotionaler Zustände, die sie mit lebendigen, der Alltagss pr ache entlehnten Dialogen voll Witz und Ironie sowie neuen Textformen – wie z.B. E-mails – verbindet. Dabei stehen die innere Logik und Besonderheit der einzelnen Figuren im Vordergrund. So gelingt es der Autorin, einseitige Schuldzuweisungen und Erklärungsmuster zu vermeiden und stattdessen einen liebevollen und individuellen Blick auf die inneren Konflikte jedes Einzelnen und das schwierige menschliche Zusammenleben zu werfen.
2007 legte sie mit »Más que una sombra« (Ü: Mehr als ein Schatten) einen neuen Roman vor, in dem sie sich mit dem Thema Suizid auseinandersetzt und damit erneut die persönliche Seite eines gesellschaftlichen Problems behandelt. Die Autorin lebt in Montevideo.

© internationales literaturfestival berlin