10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vesna Aleksić  [ Serbien ]

Biographie

Vesna Aleksic Portrait
© Sascha Kokot

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Mesečev dečak
Srpska književna zadruga
Belgrad, 1994
 
Zvezda rugalica
Rad
Belgrad, 1996
 
Ja se zovem Jelena Šuman
Rad
Belgrad, 1998
 
Marija Modiljani
Narodna Kniga - Alfa
Belgrad, 1999
 
Licitacija vetra
Dereta
Belgrad, 2000
 
Priče o Langustu
Dereta
Belgrad, 2001
 
Starlet
Filip Višnjić
Belgrad, 2004
 
Teritorija snova
Bookland
Belgrad, 2004
 
Ključar varoškog bioskopa
Bookland
Belgrad, 2005

Vesna Aleksić wurde 1958 in einer kleinen serbischen Stadt nahe Belgrad geboren, an die sie sich als lebendigen Ort voller Kinder, Pferdegespanne und Dampfeisenbahnen erinnert und die ihr Schreiben ge pr ägt hat. Nach dem Studium wurde sie Schulpsychologin und arbeitet heute als Fachberaterin für Kindergartenpädagogik. Zum Schreiben fand Aleksić eher zufällig, als sie für ihre Arbeit unverbrauchte Texte suchte. Ermutigt durch den Chefredakteur der Tageszeitung »Politika« schrieb sie bald ihr erstes Kinderbuch, »Karta za letenje« (1994; Ü: Das Ticket zum Fliegen). Inzwischen sind über 25 Romane und Erzählbände erschienen, die Vesna Aleksić zu einer der populärsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen ihres Heimatlandes gemacht haben. Nach ihrem Debüt legte sie 1996 »Zvrzda rugalica« (Ü: Der Schlitzohr-Stern) vor, gefeiert als erster antikommunistischer Kinderroman und ausgezeichnet mit dem Neven-Staats pr eis (1996).
Danach gefragt, ob sie bestimmte Leser im Kopf habe, pflegt Vesna Aleksić zu sagen, sie schreibe »für Kinder und scharfsinnige Menschen im Alter von 7 bis 77 Jahren«. Sie porträtiert ihre jungen Protagonisten als empfindsame, kluge und inspirative Wesen, die mit Lebensfreude und unerschütterlichem Mut einen verwunderten Blick auf die Welt werfen. »Die Kindheit ist vor allem ein Geisteszustand und kein Zeitraum«, sagt Aleksić. »Kinder sind ganz wunderbare Menschen, die vieles in sich tragen, das sie als Erwachsene leicht verlieren.« In »Ja se zožem Jelena Šuman« (1998; Ü: Ich heiße Jelena Šuman), pr ämiert mit dem Staats pr eis Politikin Zabavnik (1998), porträtiert die Autorin Kinder, die sich auf einer Treppe treffen und über alles reden, was sie beschäftigt. Liebevoll spiegeln diese urbanen Erzählungen die großen und kleinen Nöte der Kinder wie das Akzeptieren des eigenen Namens, aber auch ihre tiefsinnigen Gedanken über den Kosmos und den Tod wider. Dabei begreift sie das Erwachsenwerden als ungeschützten Prozess, in dem Kinder – gerade in Zeiten gewaltsamer ethnischer Konflikte – leicht zur Zielscheibe von Aggression werden können.
Vor dem Hintergrund des zerfallenen Vielvölkerstaats Jugoslawien thematisieren Aleksić’ Jugendromane die Häutungsschmerzen der Initiation. Aufrichtig und bewegend erzählt die Autorin in »Marija Modiljani« (1999; Ü: Maria Modigliani) von der Emigration junger Serben nach Kanada und von ihrem traumatischen Verlust von Heimat und S pr ache. Der Krieg und die Zeit danach werden aus der Perspektive der achtjährigen Maria, ihres zehn Jahre älteren Bruders und seiner Freundin »Mody« geschildert. Ebenso eindringlich und vertraut mit der S pr ache junger Erwachsener zeigt ihr Roman »Licitacija vetra« (2000; Ü: Versteigerung des Windes) einen Tag im Leben eines heranwachsenden Mädchens, das ihr erstes Rendezvous im Schatten schwerer Bombardements erlebt. Hier gestaltet die Autorin hoffnungsfrohe Heiterkeit und Verliebtheit als besondere Art der Ablehnung des Krieges.
Zuletzt erschien Vesna Aleksić' Geschichtensammlung »Ključar varoškog bioskopa« (2005; Ü: Der Aufseher des Stadtkinos). Für ihren künstlerischen Beitrag zur Jugendliteratur erhielt die Autorin den angesehenen Staats pr eis ZMAJ (2004). Sie lebt mit ihrer Familie bei Belgrad.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

In meinem Haus gibt es ein kleines Zimmer, das in der Wohnungsaufteilung für eine Bedienerin vorgesehen war, ein so genanntes „Dienstbotenzimmer”. Da ich aber keine Bedienung habe und hauptsächlich selbst Bedienerin bin, habe ich diesen Raum in eine Bibliothek und mein Arbeitszimmer verwandelt. Hier befinden sich meine Bücher, Bilder, Computer, CDs, eine Lampe und in der Ecke ist in einem Blumentopf mein großer „Lebensbaum“. Dort schreibe ich also, unbedingt mit Musik im Hintergrund, meistens Klassik, damit mich beim Schreiben die Worte der Lieder nicht stören... Ohne Musik geht bei mir nichts. Kaffee, Zigarette und Musik. In letzter Zeit höre ich BABY BEETHOVEN, BABY MOZART, BABY BACH… Musik von CDs, die für Kinder adaptiert wurde. Ich schreibe Geschichten für „Politika“ und genieße. Ich schreibe immer in diesem Zimmer, wo Plüschbären, der Fuchs aus dem „Kleinen Prinzen“, Tolkiens Poster aus dem „Herrn der Ringe“, die Mönchsäule aus dem Hilandar und die guten Geister der Bücher sind... Und ich, im altmodischen Fauteuil, vor dem Computerschirm.

[Übersetzt von Ida Cerne & Goran Novakovic ]