10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ulla Hahn  [ Deutschland ]

Biographie

Ulla Hahn Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Herz über Kopf
DVA
Stuttgart, 1994

Epikurs Garten
DVA
Stuttgart, 1995

Ein Mann im Haus
dtv
München, 2000

Süßapfel rot
Reclam
Stuttgart, 2003

So offen die Welt
DVA
München, 2004

Das verborgene Wort
DVA
München, 2006

Liebesarten
DVA
München, 2006

Dichter in der Welt
DVA
München, 2006

Ulla Hahn wurde 1946 geboren und wuchs in Monheim/Rheinland auf. Nach einer Bürolehre legte sie ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg ab. In Köln studierte sie Germanistik, Soziologie sowie Geschichte und promovierte 1975. Danach erhielt sie Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und war bis 1989 Literaturredakteurin bei Radio Bremen. 1994 hatte sie die Poetik-Dozentur der Universität Heidelberg inne.

Ulla Hahn gehört zu den wichtigsten deutschen Lyrikerinnen der Gegenwart. Neben mehr als zehn Gedichtbänden veröffentlichte sie seit den neunziger Jahren auch drei Romane und zuletzt einen Essayband. In ihrem ersten Gedichtband »Herz über Kopf« (1981) greift sie auf traditionelle Formen zurück, die sie ironisch verfremdet und erweitert. In den folgenden Gedichtbänden, z.B. »So offen die Welt« (2004), werden die Sprechweisen der Moderne einbezogen und spielerisch reflektiert. Liebes- und Naturgedichte sowie poetologische Selbsterforschungen und die Auseinandersetzung mit politischen Themen, besonders aus der Zeit des Nationalsozialismus, bilden Schwerpunkte ihrer Sammlungen. Die Rolle der Wehrmacht in Russland ist auch Thema ihres letzten Romans »Unscharfe Bilder« (2003). In eindringlichen Dialogen zwischen Tochter und Vater wird die Erlebniswelt des Krieges mit den ganz anderen Erfahrungen der nächsten Generation konfrontiert.

Mit ihrem zweiten Roman »Das verborgene Wort« (2001) etablierte sich Hahn auch als Epikerin. Der breit angelegte, autobiografisch gefärbte Entwicklungsroman erzählt die Geschichte der jungen Hildegard Palm, die in den fünfziger Jahren auf dem Dorf in einer rheinischen Arbeiterfamilie aufwächst. Um sich aus ihrem armen und auch geistig schlichten Umfeld zu befreien, tritt die Protagonistin die »Flucht in den Kopf« an und entdeckt ihre Liebe zum Wort und zur Literatur. Die Familie hat allerdings kein Verständnis für die intellektuelle Emanzipation ihrer Tochter, die plötzlich Hochdeutsch spricht und sich in Friedrich Schiller verliebt. Für das Bücherlesen wird sie bestraft, der Besuch des Gymnasiums wird ihr verweigert. Hahn beschreibt das rheinisch-katholische Milieu der Nachkriegszeit eindrucksvoll und präzise. Der Einsatz dialektaler Sprache verleiht dem Roman dabei mitunter naturalistische Züge.

In ihrem neuesten Werk wendet sich die Autorin zum ersten Mal einer weiteren literarischen Gattung zu: »Liebesarten« (2006) versammelt 13 Erzählungen, die von Liebe in ihren verschiedenen Ausprägungen handeln, von selbstloser Hingabe, eitler Selbstverliebtheit, von Leidenschaft, Glück und Verzweiflung.

Ulla Hahn wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis, dem Hölderlin-Preis, dem Deutschen Bücherpreis und dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Sie lebt mit ihrem Mann, dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, in Hamburg.

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