10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tomasz Rózycki  [ Polen ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006, 2011.

Bibliographie

Vaterland
Baszynskiego
Łódź, 1997

Wiersze
Lampa i Iskra Boża
Warschau, 2004

Kolonie
Wydawnictwo Znak
Krakau, 2006

Zwölf Stationen. Poem
Luchterhand
München, 2009
[Ü: Olaf Kühl]

Tomasz Różycki wurde 1970 im oberschlesischen Oppeln geboren. Bereits als Schüler wurde er für seine Lyrik ausgezeichnet: Ein frühes Gedicht wurde in der Zeitung »Polska Miedź« veröffentlicht. Różycki studierte Romanistik an der Krakauer Jagiellonen-Universität und arbeitete anschließend als Französischlehrer am Fremdsprachen-Lehrerkolleg in seiner Heimatstadt. Daneben war er als Übersetzer französischsprachiger Lyrik tätig und veröffentlichte im Jahr 2005 die Übertragung von Stéphane Mallarmés Poem »Un coup de dés jamais n’abolira le hasard«.
Bekannt wurde Różycki jedoch mit seinen eigenen Gedichten, die er inzwischen in fünf Bänden veröffentlichte. Seine Texte erschienen in wichtigen Kulturmagazinen und Literaturzeitungen wie »Czas Kultury«, »Odra« und »Studium« sowie in bulgarischen, litauischen, ukrainischen und deutschen Lyrikanthologien. Sie wurden in acht Sprachen übersetzt. 1997 debütierte er mit dem Gedichtband »Vaterland«. Wenig später folgten die Sammlungen »Anima« (1999), »Chata umaita« (2001) und »Świat i Antyświat« (2003; Ü: Welt und Gegenwelt) mit formal strengen, inhaltlich hermetischen Gedichten, die kulturelle Anspielungen und konkrete Beschreibungen vereinen. Für sein Poem »Dwanaście stacji« (2004; dt. »Zwölf Stationen«, 2009) nahm Różycki 2004 den Preis der Genfer Kościelski-Stiftung entgegen und reihte sich damit in die Liste bedeutender polnischer Dichter wie Sławomir Mrożek, Zbigniew Herbert und Adam Zagajewski ein. Das tragikomische Langgedicht erzählt von einer Familienzusammenführung aus der Sicht eines Vertreters der dritten Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Er versammelt seine vor einem halben Jahrhundert aus Polens Ostgebieten vertriebene Verwandtschaft, um noch einmal die alte Heimat wiederzusehen und die 1945 vergrabenen Kirchenglocken zu suchen. Das Poem, von Kritikern mit dem Nationalepos »Pan Tadeusz« verglichen, überzeugte die Jury als »ein mit humorvoller Distanz, aber auch mit viel Wärme geschriebenes Lob der Provinz und der Familientradition«. Im selben Jahr erschienen auch die gesammelten Gedichte von Różyckis ersten drei Bänden unter dem Titel »Wiersze« (2004; Ü: Gedichte). Sein letztes Werk, »Kolonie« (2006), versammelt 77 Gedichte, deren exotische Titel wie »Ziemia Ognista« (Ü: Feuererde) oder »Cynamon i goźdiki« (Ü: Zimt und Nelken) in merkwürdigem Kontrast zu den Schilderungen des alltäglichen polnischen Landlebens und den melancholischen Gedanken des lyrischen Ichs stehen.
Różycki, u.a. Preisträger des Literaturwettbewerbs Krzysztof Kamil Baczyński und nominiert für die wichtigste literarische Auszeichnung Polens, den Nike-Preis, lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Oppeln.

© internationales literaturfestival berlin

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