10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Slavenka Drakulić  [ Kroatien ]

Biographie

Slavenka Drakulić Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Wie wir den Kommunismus überstanden
Rowohlt
Reinbek bei Hamburg, 1991
[Ü: Ulrike Bischoff]

Sterben in Kroatien
Rowohlt
Reinbek bei Hamburg, 1992
[Ü: Katharina Wolf-Griesshaber]

Café Paradies oder Die Sehnsucht nach Europa
Aufbau Taschenbuch Verlag
Berlin, 1997

Das Liebesopfer
Aufbau Taschenbuch Verlag
Berlin, 1999
[Ü: Astrid Philippsen]

Marmorhaut
Aufbau Taschenbuch Verlag
Berlin, 2000
[Ü: Astrid Philippsen] Als gäbe es mich nicht

Aufbau Taschenbuch Verlag
Berlin, 2002
[Ü: Astrid Philippsen]

Keiner war dabei
Zsolnay
Wien, 2004
[Ü: Barbara Antkowiak]

Slavenka Drakulić wurde 1949 in Rijeka, im heutigen Kroatien, geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft und Soziologie, unterrichtete bis 1984 an einem Gymnasium in Zagreb und arbeitete anschließend als Redakteurin, u.a. beim politischen Magazin »Danas«. Als das Blatt nach seiner Privatisierung zu einem Sprachrohr der Regierung Tudjman gemacht werden sollte, schied sie aus der Redaktion aus. Seit 1992 arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Journalistin, deren politische Feuilletons in großen amerikanischen, deutschen, italienischen, englischen, österreichischen und schwedischen Zeitungen veröffentlicht werden. Nachdem ihre ablehnende Haltung gegenüber den nationalistischen Tendenzen in ihrem Heimatland zu Anfeindungen geführt hatte, verlagerte Drakulić ihren Lebensmittelpunkt nach Stockholm, wo sie mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Richard Swartz, lebt. Drakulićs intelligente und scharfe Analysen Jugoslawiens und Osteuropas, der Balkankriege und der daraus hervorgegangenen neuen Staaten sind in bislang fünf Büchern zusammengestellt. Zunächst erschienen »How we Survived Communism and Even Laughed« (1991; dt. »Wie wir den Kommunismus überstanden – und dennoch lachten«, 1991) und »Sterben in Kroatien« (1992). »Café Europa - Life After Communism« (1996; dt. »Café Paradies oder Die Sehnsucht nach Europa«, 1997) dokumentiert das nicht immer realistische Europa-Bild der Balkanländer, deren Bevölkerung nur unzureichend auf die Zumutung der Demokratie vorbereitet ist. Unter einem anderen Aspekt zeigt sich Drakulićs streng moralische Sichtweise in ihren Romanen, die das Böse der menschlichen Natur thematisieren und der Frage der Verantwortung nachgehen.

»Bozanska glad« (1995; dt. »Das Liebesopfer«, 1997) handelt von einer Liebesbeziehung, an deren Ende der Liebhaber von seiner Geliebten buchstäblich verzehrt wird. Auch »Mramorna koza« (1989; dt. »Marmorhaut«, 1998) beschreibt die zerstörerischen Folgen einer extremen Passion: Die Sehnsucht nach Nähe zur ihrer Mutter bringt ein Mädchen dazu, sich den sexuellen Übergriffen von deren Liebhaber auszusetzen. Der Roman »Kao da me nema« (1999; dt. »Als gäbe es mich nicht«, 1999) ist eine präzise und nüchterne Schilderung des Schicksals einer bosnischen Frau, die Krieg, Lager, Vergewaltigung und eine nachfolgende Schwangerschaft erleiden muss. In ihrem jüngsten dokumentarischen Werk »They Would Never Hurt a Fly« (2003; dt. »Keiner war dabei«, 2004) klagt Drakulić erneut die Individualisierung von Schuld ein. Nachdem sie monatelang von der Publikumstribüne aus die Verhandlungen vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und weitere Prozesse in Kroatien verfolgt hatte, verfasste sie rund ein Dutzend Porträts von Kriegsverbrechern, die einst normale, manchmal sogar liebenswürdige und schüchterne Menschen waren. Diese Fallbeispiele für die schon von Hannah Arendt beschriebene »Banalität des Bösen« sind gleichzeitig ein Appell für Zivilcourage und Mitgefühl. Für ihre Bücher wurde Drakulić 2005 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt. Zurzeit ist die Autorin Gast des DAAD in Berlin.

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