10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Roberto Innocenti  [ Italien ]

Biographie

Roberto Innocenti Portrait
© Patmos Verlagshaus

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Aschenputtel oder Das gläserne Pantöffelchen
[Text: Charles Perrault]
Middelhauve
Köln, 1983
[Ü: Ludwig Askenazy]

Nussknacker und Mausekönig
[Text: E.T.A. Hoffmann]
Sauerländer
Düsseldorf, 1997

Das Hotel zur Sehnsucht
[Text: J. Patrick Lewis]
Sauerländer
Düsseldorf, 2002
[Ü: Hans ten Doornkaat]

Erikas Geschichte
[Text: Ruth Vander Zee]
Sauerländer
Düsseldorf, 2003
[Ü: Gabriele Haefs]

Pinocchio
[Text: Carlo Collodi]
Sauerländer
Düsseldorf, 2005
[Ü: Hubert Bausch]

Rosa Weiss
[Nacherzählt von Mirjam Pressler]
Sauerländer
Düsseldorf, 2006

Das Medaillon
[Text: Andrea Camilleri]
Kindler
Berlin, 2006
[Ü: Moshe Kahn]

Im Alter von elf Jahren kam Roberto Innocenti, 1940 bei Florenz in Italien geboren, zum ersten Mal mit der Welt der Kunst in Berührung. Als Assistent in einem Fachgeschäft begann er, mit Farben und Papier zu experimentieren, und sagt heute von sich, dass er von diesem Zeitpunkt an ein Künstler mit Leib und Seele war, obwohl er nie eine Kunstschule besuchen konnte. Ende der fünfziger Jahre ging Innocenti nach Rom und arbeitete in einem Trickfilmstudio, als Grafiker bei einer Zeitschrift und als Plakatdesigner. Im Alter von 43 Jahren wandte er sich ganz der Kinderbuchillustration zu und bebilderte die französische Version des Aschenputtel-Märchens, Charles Perraults »Cendrillon« (1983; dt. »Aschenputtel oder Das gläserne Pantöffelchen«, 1983). Damit begann eine Weltkarriere, die für das Illustrieren von Klassikern immer wieder Maßstäbe setzte. Innocenti bebilderte u.a. Werke von E.T.A Hoffmann, Charles Dickens, Oscar Wilde und Christophe Gallaz. Die »New York Times« nannte ihn einen »der bedeutendsten Kinderbuchillustratoren der Welt«.
Roberto Innocentis Domänen sind die Zeitgeschichte sowie die klassische Erzählung und das Märchen. Er recherchiert, fotografiert, skizziert und rekonstruiert Figuren, Kostüme, Architektur und Requisiten »wie ein Archäologe« (Inge Sauer). Seine Illustrationen sind kunstvolle, optisch verblüffende Inszenierungen – vor allem in Aquarell –, in denen er den symbolischen Wert von Fakten und Geschichten mit Sinn für das Ernsthafte, Heitere oder Geheimnisvolle belebt. Elemente seiner spannungsreichen Bilddramaturgie sind die dem Theater und Film entliehene Perspektivik und Lichtdramaturgie, die seinen Bildern eine unverwechselbare Atmosphäre und Dichte verleihen.
»The Adventures of Pinocchio« (1988; dt. »Pinocchio«, 1988), die Inter pr etation von Carlo Collodis Kinderbuchklassiker, zählt zu Roberto Innocentis Meisterwerken. Liebevoll und schelmisch bebildert er die Geschichte des selbstsüchtigen Holzbengels, der zahlreiche Abenteuer bestehen muss, bevor er ein richtiger Junge werden kann. Er versetzt seine Betrachter in das Florentiner Land des 19. Jahrhunderts, wo sich Hutmacher, Kesselflicker, Wäscherinnen, Gaukler, Polizisten und Ganoven in Dörfern und Gassen tummeln. Seine beinahe fotorealistischen Illustrationen bestechen durch ungewöhnliche Perspektiven, Szenen, die an niederländische Genremalerei erinnern, sowie eindrückliche Grau- und Brauntönungen. Mit »Rose Blanche« (1985; Text: Christophe Gallaz; dt. »Rosa Weiss«, 1986) und »La storia di Erika« (2003; Text: Ruth Vander Zee; dt. »Erikas Geschichte«, 2003) legte Roberto Innocenti zwei bewegende Bilderbücher über das Trauma des Holocaust vor, die kontrovers diskutiert und pr eisgekrönt wurden. In »Rose Blanche« erzählt er die Geschichte eines wachen Mädchens, das mit den Gräueln des Nationalsozialismus, mit Gewalt, Trauer und Tod konfrontiert wird. »Ich habe versucht«, sagt Innocenti über sein autobiografisch motiviertes Bilderbuch, »in Bildern einzufangen, wie ein Kind Krieg erlebt, ohne wirklich zu begreifen.« Ausgelassen und subtil hingegen pr äsentiert Innocenti in erneuertem Stil mit seinem Bilderbuch »L’ultima spiaggia« (2002; Text: J. Patrick Lewis; dt. »Das Hotel zur Sehnsucht«, 2002) ein Detektivspiel über die eigene Inspiration und seine Lieblingsfiguren der Weltliteratur – Stevensons Schatzsucher, Kommissar Maigret oder Andersens kleine Meerjungfrau.
Roberto Innocentis Bilderbücher erschienen in der ganzen Welt. Seine Illustrationen wurden u.a. in Bologna, Genf, New York und Taipeh ausgestellt. Die Vielzahl von Ehrungen, die er für sein Œuvre erhielt, umfasst u.a. den Goldenen Apfel der Illustratorenschau von Bratislava, den Premio Andersen sowie die Silver Medal der Society of Illustrators in New York City. Für die Illustration des Buches »Pinocchio« von Carlo Collodi wurde ihm 2006 der Illustrations pr eis für Kinder- und Jugendbücher, ein Medien pr eis der EKD, verliehen. Roberto Innocenti lebt bei Florenz.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

1
Es passiert gerade wieder… Mozart verschwindet in der Ferne, wenn die Geschichten kommen, und auch ich entferne mich, gehe auf Reisen, ich weiß nicht wohin, doch ich finde mich erstaunt

2
an einem Ort, den ich schon gesehen habe, ich weiß aber nicht, wo noch wann…
in einer Landschaft, die ich schon kenne…

3
Ich folge Alice, die mich in die Geschichten trägt, neugierig und sicher. Ich lasse mich führen, ich vertraue mich an…

4
als ob ich auf einem Meer führe, das sich mit meinen Stimmungen ändert. Ruhig und blau, grau und dunkel…
schwarz und stürmisch.

5
Dann lassen sich die Wolken und der Wind in den Zypressen noch einmal sehen und der Tanz einer Biene auf der Fensterscheibe fragt mich, wo ich gewesen bin

6
in all dieser Zeit… um etwas zu lernen, wohl fast nichts… Es ist Zeit fürs Abendessen.
Entschuldigt die lange Abwesenheit…