10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Pico Iyer  [ Großbritannien ]

Biographie

Pico Iyer Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

The Lady and the Monk
Black Swan
London, 1992

Falling Off the Map
Black Swan
London, 1994

Cuba and the Night
Quartet
London, 1995

Tropical Classical
Vintage
New York, 1998

Video Night in Kathmandu
Bloomsbury
London, 2001

Sushi in Bombay, Jetlag in L.A.
Fischer
Frankfurt/Main, 2002
[Ü: Carl Freytag]

Abandon
Knopf
New York, 2003

Sun After Dark
Bloomsbury
London, 2005

The Open Road: The Global Journey of the Fourteenth Dalai Lama
Knopf Publishing Group
New York, 2008

Pico Iyer wurde 1957 als Sohn indischer Eltern im englischen Oxford geboren und wuchs in England und Kalifornien auf. Nach dem Schulabschluss brach er zu seiner ersten längeren Reise auf, die ihn nach Brasilien und zurück nach Kalifornien führte. Anschließend studierte er Anglistik an der Universität von Oxford und graduierte mit der besten dort erreichten Note. Wiederum in Amerika absolvierte er ein Literaturstudium an der Harvard University und arbeitete während der Semesterferien für eine Reiseführer-Serie, in deren Auftrag er Dutzende griechischer, italienischer und französischer Orte innerhalb von knapp drei Monaten besuchte. Nach einem zweiten Magisterabschluss unterrichtete er zwei Jahre lang in Harvard und begann, als Kolumnist über internationale Angelegenheiten und Kultur sowie als Kritiker für das »Time Magazine« zu schreiben. Seit vielen Jahren verfasst er Essays, Reportagen, Titelgeschichten und Kritiken für verschiedene internationale Zeitungen, darunter »The New York Review of Books«, »The Times Literary Supplement«, »Lettre International« und »National Geographic«. Iyers bislang acht erschienene Bücher können dem Genre der Reiseliteratur zugerechnet werden. Sie verbinden die Erfahrungen des Globetrotters, journalistische Akribie und umfassende Bildung mit feinsinnigem Humor, sensibler Aufnahmebereitschaft für den Geist fremder Orte und einem leidenschaftlichen Gefühl des Ungenügens. Sein erstes Buch »Video Night in Kathmandu« (1988) beschreibt in mehreren Stücken über zehn verschiedene asiatische Länder die oft skurrilen Auswirkungen des westlichen Einflusses auf den Fernen Osten. Trotz leiser Trauer über die neue Heimatlosigkeit wirft »The Global Soul« (2000; dt. »Sushi in Bombay, Jetlag in L.A.«, 2002) sowohl staunende als auch amüsierte Blicke auf die Globalisierung in Ost und West und sieht, wie Kulturen verschmelzen, ohne sich doch ganz aufzulösen. Iyer zeichnet mit großer Klarheit die Komplexität fremder Horizonte, wobei er sie geistreich und produktiv mit dem eigenen Horizont verknüpft. »Weil ich die meiste Zeit in einem katholischen Tempel in Kalifornien, in einem farblosen Vorort des ländlichen Japans und dazwischen, in Tibet, Jemen und auf den Osterinseln verbringe, versuche ich, unvermerkt die Perspektiven jener Orte in ein New Yorker Magazin einfließen zu lassen, das sonst seine Weisheit von der Wall Street und aus Washington beziehen würde.« In »The Lady and the Monk« (1991; Ü: Die Frau und der Mönch) sowie in seinen beiden Romanen »Cuba and the Night« (1995; Ü: Kuba und die Nacht) und »Abandon« (2003; Ü: Abkehr) beschreibt Iyer auf individueller Ebene Liebesaffären ganzer Kulturen, die sich abspielen, wenn einzelne Menschen unterschiedlicher Herkunft Beziehungen eingehen. Der neue Roman erzählt von einem zurückhaltenden Engländer, der in Kalifornien über den Sufi-Dichter Rumi forscht, sich auf die Suche nach einem verschollenen Manuskript begibt und versucht herauszufinden, welche Beziehung zwischen dieser Suche und seiner Liebe zu einer sich entziehenden Frau besteht. Die Faszination für das Andere und die Gefahren und Gewinne im Verschmelzen fremder Horizonte sind auch hier Iyers zentrale Themen. Der Autor war zweimal Fellow des Weltwirtschaftsgipfels in Davos und wurde 1995 vom Magazin »Utne Reader« mit Noam Chomsky und Vaclav Havel zu denjenigen hundert Persönlichkeiten gezählt, deren Visionen stark genug seien, unser Leben zu ändern. Er lebt hauptsächlich in Kalifornien und Japan.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Ein völlig weißer Raum mit Fenstern, die sich zum blauen Ozean, dem blauen Himmel öffnen; eine schmucklose Klause, die sich durch all jene Dinge auszeichnet, die sie nicht hat: dies ist das Umfeld, das ich versuche überall hin mitzunehmen, an Orte, wo es kaum Gegenstände gibt, die einen fesseln, so dass die Phantasie fliegen und den Raum mit Träumen füllen kann.

Ich würde gerne in einem Hotelzimmer leben und schreiben, das sage ich manchmal zum Entsetzen meiner Freunde; da ich die meiste Zeit meines Lebens an ständig wechselnden Orten verbracht habe, sehne ich mich nach nichts als nach Stille und Licht.

In Wirklichkeit kommen diese Zeilen aus einem Zwei-Zimmer-Appartement in einem japanischen Vorort, wo ich ohne Auto und Fahrrad lebe. Während der vierzehn Jahre meines Lebens in dieser westlich gestalteten Umgebung war ich noch nie im Internet und habe noch nie Magazine oder Zeitungen bekommen. Ich lebe hier mit einem Touristenvisum, ohne Fernsehkanal, den ich verstehen könnte, und ohne große Japanischkenntnisse. Diese Sprache scheint so reichhaltig, jenseits der Vorstellungskraft, wie auch Kuba, Tibet, Äthiopien, so viele Orte, die ich geliebt habe und die hereinfluten und den kleinen Raum mit ihren Farben füllen.

Ein Kloster in der Welt ist der Ort, wo ich schreibe; unendliche Reichtümer, wie Marlowe sie hatte, in einem kleinen Zimmer.