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Paulo Henriques Britto  [ Brasilien ]

Biographie

Paulo Henriques Britto Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Liturgia da matéria
Civilização Brasileira
Rio de Janeiro, 1982

Mínima lírica
Livraria Duas Cidades
Sao Paulo, 1989

Trovar claro
Companhia das Letras
Sao Paulo, 1997

Macau
Companhia das Letras
Sao Paulo, 2003

Paraísos artificiais
Companhia das Letras
Sao Paulo, 2004

Paulo Henriques Britto wurde 1951 im brasilianischen Rio de Janeiro geboren. 1972 begann er, am San Francisco Art Institute in den Vereinigten Staaten Film zu studieren. Im folgenden Jahr kehrte er für ein Linguistikstudium nach Rio de Janeiro zurück. Bereits während seines Studienaufenthaltes in den USA begann Britto, Gedichte und Songtexte zu übersetzen – aus Leidenschaft für die Rocklegenden Jim Morrison und Bob Dylan. Er übertrug Werke von Byron, Wallace Stevens, Elizabeth Bishop, Thomas Pynchon u.a. und zählt heute zu den renommiertesten Übersetzern Brasiliens. Britto lehrt Literatur, Literarische Übersetzung und Kreatives Schreiben an der Pontifícia Universidade Católica (PUC) in Rio de Janeiro.

Das literarische Werk des Autors steht in der Tradition Emily Dickinsons. Als er Anfang der siebziger Jahre zu schreiben begann, befand sich das literarische Brasilien in einer Phase der Polarisierung, wie sich Britto erinnert: »Entweder du mochtest Chico Buarque – oder Caetano Veloso. Mir gefielen immer beide, das war ein Problem«. Darüber hinaus verbindet Britto eine Vorliebe für Metasprache, Methodik und strenge literarische Formen mit der konkreten Poesie, während er inhaltlich der sogenannten »Generation Mimeographie« (Geração Mimeógrafo) nahesteht. Diese Schriftstellergeneration propagiert literarische Spontaneität und die Thematisierung des Alltags unter Verwendung der Umgangssprache. Sie ist – ähnlich wie die »Beat Generation« – von der Rockmusik der sechziger und siebziger Jahre, vor allem jedoch von der brasilianischen »música popular« und deren Vertretern wie Chico Buarque, Caetano Veloso und Gilberto Gil geprägt.

Britto, der im Jahr höchstens vier bis sechs Gedichte schreibt, veröffentlichte 1982 seinen ersten Lyrikband »Liturgia da matéria« (1982, Ü: Liturgie der Materie). Es folgten »Mínima lírica« (1989, Ü: Kleinste Lyrik), »Trovar claro« (1997, Ü: In Klarheit dichten) und der Band »Macau« (2003), für den der Autor 2004 mit dem Prêmio Portugal Telecom de Literatura Brasileira ausgezeichnet wurde. Macau – die ehemalige portugiesische Kolonie in China – steht metaphorisch für die Kunst und Befindlichkeit Brittos. Das Werk machte ihn zu einem Kultdichter Brasiliens. Nach über dreißigjähriger Entstehungszeit veröffentlichte der Autor seinen ersten Band mit Erzählungen, »Paraísos artificiais« (2004, Ü: Künstliche Paradiese), der 2005 für den Prêmio Jabuti nominiert wurde. Britto lebt in Rio de Janeiro.

© internationales literaturfestival berlin

Paulo Henriques Britto
© Ali Ghandtschi

Berlin View

Paulo Henriques Brittos "Kommabild"