10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Luiz Ruffato  [ Brasilien ]

Biographie

Luiz Ruffato Portrait
© Privat

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Histórias de remorsos e rancores
Boitempo Editorial
Sao Paulo, 1998

os sobreviventes
Boitempo Editorial
Sao Paulo, 2000

Eles eram muitos cavalos
Boitempo Editorial
Sao Paulo, 2001

As máscaras singulares
Boitempo Editorial
Sao Paulo, 2002

Mamma, son tanto felice
Editora Record
Rio de Janeiro, 2005

O mundo inimigo
Editora Record
Rio de Janeiro, 2005

Luiz Ruffato wurde 1961 in Cataguases, im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, geboren und stammt aus einer armen Einwandererfamilie. Seine Mutter, eine Wäscherin, hat italienische Wurzeln, sein Vater, ein Popcornverkäufer, stammt von Portugiesen ab. Ruffato wandte sich schon früh der Literatur zu, absolvierte auf Wunsch der Eltern jedoch zunächst eine Ausbildung zum Verkäufer. Anschließend zog er nach Juiz de Fora, wo er tagsüber als Mechaniker arbeitete und abends an der Universidade Federal de Juiz de Fora Journalismus studierte. Als er – inzwischen Journalist in São Paulo – auch literarische Werke zu schreiben begann, war es weiterhin seine Herkunft aus der Arbeiterschicht, aus der er entscheidende Impulse bezog.

Ruffato debütierte mit dem Kurzgeschichtenband »Histórias de remorsos e rancores« (1998; Ü: Geschichten von Gewissensbissen und Groll), dem die Erzählsammlung »os sobreviventes« (2000; Ü: die überlebenden) folgte. Der Band wurde von der Jury des kubanischen Premio Literario Casa de las Americas mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Für seinen ersten Roman »Eles eram muitos cavalos« (2001; Ü: Es waren viele Pferde) wurde er von der Kritik als Erneuerer der brasilianischen Literatur gelobt. Er präsentiert darin ein Panorama des alltäglichen Lebens in São Paolo als einer Metropole, die sich mit zwei Geschwindigkeiten entwickelt. Zum einen ist es eine Stadt der Reichen mit ihren Luxusautos und den repräsentativen Residenzen in prächtigen Stadtvierteln, zum anderen die Heimat einer armen Masse, die mühsam ihre alltägliche Existenz fristet. Der Romantitel verweist auf ein Gedicht der verstorbenen brasilianischen Dichterin Cécilia Meireles: »eles eram muitos cavalos / mas ninguém mais lembra / de sua pelagem, de sua cor, de sua origem« (Ü: Es waren viele Pferde / aber niemand kennt mehr/ ihre Namen, noch ihr Fell, noch ihre Herkunft). Das Werk setzt sich als Folge von Erzählungen, persönlichen Notizen, Aussagen, Reflexionen und Bildern aus 69 Episoden oder Kapiteln zusammen, die alle an einem einzigen Tag spielen. Zeitungsartikel finden darin ebenso Eingang wie Speisekarten, Verkaufsbroschüren und Kleinanzeigen, so dass verschiedene Stilebenen unmittelbar nebeneinander stehen. Die exponierte Bedeutung von Bildlichkeit verleiht dem Roman eine filmische Atmosphäre, die mit schnellen Schnitten den Eindruck von Authentizität vermittelt. Für das Werk, das auch in Italien, Frankreich und Portugal erschien, wurde Ruffato mit dem bedeutenden Prêmio Machado de Assis der Stiftung Nationalbibliothek und dem Prêmio Associação Paulista de Críticos de Arte ausgezeichnet.

Nach der Veröffentlichung des Gedichtbandes »As máscaras singulares« (2002; Ü: Die einzigartigen Masken) arbeitet Ruffato derzeit an einem auf fünf Bände angelegten Zyklus über die Industrialisierung Brasiliens seit den fünfziger Jahren unter dem Titel »Inferno provisorio«. Die ersten beiden Teile, »Mamma, son tanto felice« (2005; Ü: Mama, ich bin so glücklich) und »O mundo inimigo« (2005; Ü: Die feindliche Welt), sind bereits erschienen; der dritte, »Vista parcial da noite« (ü: Ausschnitthafter Blick auf die Nacht), wird im Oktober 2006 veröffentlicht. Der Autor lebt in São Paulo.


© internationales literaturfestival berlin

Luiz Ruffato
© Ali Ghandtschi

Berlin View

When I was a child, I used to abandon myself into anonymousness and quietness in lonely places, waiting for some magic happening which, although I didn’t know it, I could surmise: the transformation of memory into words. Memory is the celebration of the elapsed instant, its fixation and return – art’s raw material. My body is where it consubstantiates: the dive into mundanity with its smells, colours, voices, volumes and tastes impregnates my mind, producing stains and scars. Those impressions, added to previous experiences, push me towards myself – literature is the way I have found to transform my body into dialogue.

Luiz Ruffatos "Kommabild"