10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jorge Eduardo Benavides  [ Peru, Spanien ]

Biographie

Jorge Eduardo Benavides Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Cuentario y otros relatos
Okura Editores
Lima, 1989

Los años inútiles
Alfaguara
Madrid, 2002

El año que rompí contigo
Alfaguara
Madrid, 2003

La noche de Morgana
Alfaguara
Madrid, 2005

Jorge Eduardo Benavides wurde 1964 im peruanischen Arequipa geboren. Er studierte an der Universidad Garcilaso de la Vega in Lima Jura und Politikwissenschaft, entschied sich aber gegen den Beruf des Rechtsanwalts und arbeitete als Radiojournalist, u.a. als Chef einer Nachrichtenredaktion. Daneben schrieb er mehrere preisgekrönte Kurzgeschichten und veröffentlichte 1989 seine erste Sammlung unter dem Titel »Cuentario« (1989; Ü: Geschichtenzimmer).
Zwei Jahre später verließ Benavides Peru, tief enttäuscht über den Verfall seines Heimatlandes unter der Regierung von Alan García, und ließ sich in Teneriffa nieder. Auf der kanarischen Insel arbeitete er zunächst als Tellerwäscher und auf dem Bau. Schließlich gründete er die erfolgreiche Schreibwerkstatt »Entrelíneas«. Er leitete in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturinstitutionen und Universitäten Workshops für Kreatives Schreiben, schrieb für die Sonntagsbeilage von »Diario de Avisos«, für die Kulturbeilage von »El País« und war Redaktionschef des Magazins »Siglo XXI«. Nach sechsjähriger Arbeit schloss er seinen ersten, noch in Peru begonnenen Roman ab, den er zunächst dutzendfach überarbeitet hatte und anschließend jahrelang für nicht zu veröffentlichen hielt. »Los años inútiles« (2002; Ü: Die unnützen Jahre) zeichnet ein düsteres Bild der peruanischen Gesellschaft in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren. In drei Teile gegliedert, die jeweils drei Kapitel enthalten, welche wiederum alternierend aus sieben und elf Episoden bestehen, entwirft Benavides ein facetten- und detailreiches Panorama aller sozialen Schichten des Landes und zeichnet die Porträts von Menschen, die glauben, Opfer zu sein, aber in Wirklichkeit Mittäter sind. In seiner desillusionierten Sicht auf die politische Lage Perus, seinem kämpferischen Duktus und den avancierten Stilmitteln ist der Roman häufig mit Mario Vargas Llosas »Gespräch in der Kathedrale« verglichen worden.
Benavides’ nächster Roman, »El año que rompí contigo« (2003; Ü: Das Jahr, in dem ich mit dir Schluss machte), handelt wiederum vom Peru der achtziger Jahre und vom ratlosen Unbehagen einer Generation, die im moralischen Handeln inmitten eines unmoralischen Systems keinen Sinn mehr sieht. Er beschreibt den vergeblichen Versuch zweier junger Ehepaare aus der Mittelschicht, in einer sich auflösenden Gesellschaft unpolitisch zu leben. Den Übergang zum desaströsen System Fujimoris zeichnet Benavides mit schwarzem Humor in einigen der phantastischen Kurzgeschichten seiner letzten Veröffentlichung, »La noche de Morgana« (2005; Ü: Die Nacht von Morgana), worin der Einbruch des Irrationalen und des Grauens in den Alltag als Leitmotiv fungiert.
Benavides wurde mit dem Premio de Cuentos José María Arguedas der Peruanischen Schriftstellervereinigung ausgezeichnet, er war für den Premio Tigre Juan und den Rómulo-Gallego-Preis nominiert und erhielt den Premio Nuevo Talento FNAC. Seit 2002 lebt er als Schreiblehrer, Journalist und Autor in Madrid.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.jorgeeduardobenavides.com/]

Jorge Eduardo Benavides
© Ali Ghandtschi

Berlin View

Ich wollte immer ein Schriftsteller sein, der einen schönen Ausblick hat, vor allem aufs Meer, aber mit der Zeit entdeckte ich, dass das Wichtigste nicht der Ort ist: weder einen schönen Ausblick haben, noch einen geeigneten Platz. Sondern es ging um Zeit und um nichts anderes. Heute schreibe ich in Flugzeugen, Zügen und Hotels, wenn ich reisen muss; in meinem Zimmer, in meinem kleinen Büro oder im Haus eines Freundes, wenn ich einige Tage dort verbringe: Es geht darum, die Zeit zu nutzen.

Aber wenn ich irgendeinen grundsätzlichen Ort wählen müsste, würde ich die öffentliche Bibliothek wählen. Karg, streng, modern, feierlich gibt die Bibliothek für mich den geeigneten Platz ab: Es scheint die Zeit dort nicht zu vergehen.

Jorge Eduardo Benavides "Kommabild"