10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Héctor Abad  [ Kolumbien ]

Biographie

Héctor Abad Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006, 2014.

Bibliographie

Malos pensamientos
Universidad de Antioquia
Medellín, 1991

Fragmentos de amor furtivo
Alfaguara
Santafé de Bogotá, 1998

Asuntos de un hidalgo disoluto
Alfaguara
Santafé de Bogotá, 2000

Basura
Lengua de Trapo
Madrid, 2000

Kulinarisches Traktat für traurige Frauen
Wagenbach
Berlin, 2001
[Ü: Sabine Giersberg]

Oriente empieza en El Cairo
Mondadori
Barcelona, 2002

Angosta
Planeta Colombiana
Bogotá, 2004

Brief an einen Schatten

Berenberg

Berlin, 2009

[Ü: Sabine Giersberg]

Das Gedicht in der Tasche

Zwei Gedächtnisforschungen

Berenberg

Berlin, 2011

[Ü: Ulrich Kunzmann]

An beiden Ufern der Welt

Warum das Projekt Europa nicht aufgegeben werden darf

In: Lettre International 100

Berlin, Frühjahr 2013

[Ü: Ulrich Kunzmann]

Héctor Abad Faciolince wurde 1958 im kolumbianischen Medellín geboren. Er studierte Publizistik an der Universidad de Antioquia und Medizin sowie Philosophie an der Universidad Pontificia Bolivariana, von der er wegen eines unehrerbietigen Artikels über den Papst exmatrikuliert wurde. An der Universität von Turin studierte er anschließend moderne Sprachen und war bis 1992 als Spanischdozent an der Universität von Verona tätig. Nach Kolumbien zurückgekehrt, arbeitete er als Übersetzer (u.a. von Tomasi di Lampedusa und Umberto Eco) und als Journalist für verschiedene Zeitungen seines Heimatlandes, darunter »Cromos«, »El Malpensante« und das von Gabriel García Márquez mitbegründete Magazin »Cambio«.

In seinen Kurzgeschichten und Romanen thematisiert Abad oft die Persönlichkeit des Erzählers und die Tätigkeit des Erzählens in ihrem Streben nach Schutz und Macht. In »Asuntos de un hidalgo disoluto« (1994; Ü: Angelegenheiten eines zügellosen Edelmanns) lässt ein alternder Liebhaber aus der kolumbianischen Oberschicht für seine junge Geliebte sein ausschweifendes Leben Revue passieren, das mit seinen hohen Ansprüchen gescheitert ist. »Fragmentos de amor furtivo« (1998; Ü: Fragmente verstohlener Liebe) übernimmt die Rahmenhandlung der »Märchen aus Tausendundeiner Nacht« in abgewandelter Form: Eine Frau zögert den Abschied von ihrem Geliebten hinaus, indem sie ihm von ihren vergangenen Liebhabern erzählt. Der Roman »Basura« (2000; Ü: Abfall) scheint auf reale Vorbilder wie die lebensuntüchtigen Erzähler Kafka oder Pavese anzuspielen und schildert einen Schriftsteller, der seine Erzeugnisse direkt in den Abfalleimer wirft. Sein Nachbar findet die Texte und wird mit der Zeit zu einem eifrigen und sorgfältigen Leser, dem sich die ganze Kläglichkeit des Schriftstellerdaseins offenbart. Immer wieder werden Schlaglichter auf die Tätigkeit des Schreibens und die Rolle des Lesers in der Literatur geworfen. Der Roman wurde mit dem Primer Premio Casa de América de Narrativa Innovadora ausgezeichnet. Das auch auf Deutsch erschienene »Kulinarische Traktat für traurige Frauen« (2001; OT: »Tratado de culinaria para mujeres tristes«, 1996) ist weder Roman noch Rezeptsammlung, sondern vielmehr eine Sammlung feinfühliger Reflexionen und Sentenzen über unglückliche Stimmungen und den angemessenen Umgang mit ihnen. »Die Zauberformel, wenn sie überhaupt nützt, liegt in ihrem Klang; die heilende Wirkung kommt aus dem Hauch, den die Worte verströmen.« Mit einer Vorliebe für skurrile Wendungen mischt Abad in wohlgesetzten Sätzen Melancholie mit gelassener Ironie.

Deutlichere Anklänge an den amerikanischen »Hyperrealismus« als an den »Magischen Realismus« zeigen sich in Abads letztem Roman, »Angosta« (2003; Ü: Eng). In dieser phantastischen Parabel der kolumbianischen Gesellschaft beschreibt er eine fiktive Stadt, in der auf drei Ebenen drei verschiedene Kasten leben. Vor dem Hintergrund der gewaltsamen Perpetuierung dieser Ordnung wird ein Kaleidoskop von Sonderlingen der führenden Klasse geschildert. Der Roman wurde 2004 in China mit dem Preis für das beste spanischsprachige Buch des Jahres ausgezeichnet. Der Autor ist derzeit Gast des DAAD in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.hectorabad.com/]

Héctor Abad
© Ali Ghandtschi

Héctor Abad
© Ali Ghandtschi

Berlin View

Der wirkliche Ort der Schrift befindet sich innerhalb der Wände meines Schädels. Einen Roman schreiben bedeutet, sich in einer Obsession zu verlieren, in der alles, was man in der Wirklichkeit erlebt (Stimmen, Lektüren, Musik, Geräusche, Reisen, Orte) durch den Filter des Buches hindurchgeht. Im Sieb des Kopfes bleibt das Brauchbare hängen. Wenn einen das Buch verfolgt, schreibt man nachts, wenn man nicht schlafen kann, aber auch im Schlaf selbst. Die Lösungen für meine Bücher habe ich in einem nicht-rationalen Teil meines Gehirns gefunden, während ich schlafe.

Héctor Abads "Kommabild"

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